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Vielfältigere Anforderungen an Mensch und Technik

Beilsteinvon Frank Wittmer, Marbacher Zeitung

Trotz aller Wie­der­ho­lungen kann sich die Feu­er­wehr keine falsch ver­stan­dene Rou­tine erlauben. 34-mal waren die Flo­ri­ansjünger im ver­gan­genen Jahr im Ein­satz, berich­tete der wie­dergewählte Kom­man­dant Bernd Kir­cher. Ob in rau­chiger Enge in einem Holz­span­silo oder bei einer Brand­stif­tung auf einer Wiese, ob qual­mende Mülleimer, kol­la­bierte Pferde oder Flug­hilfe für einen Jung­bus­sard: die Einsätze sind vielfältig.

Dies betonte Bürger­meister Patrick Holl bei der Haupt­ver­samm­lung der Beil­steiner Wehr am Sams­tag­abend. „Das Spek­trum wird zuneh­mend anspruchs­voller, die Anfor­de­rungen an Mensch und Technik immer vielfältiger.“ Die Ret­tung einer ver­letzten Person bei einem Ver­kehrs­un­fall kann sich zu einer kniff­ligen Ange­le­gen­heit ent­wi­ckeln. „Durch die modernen Weg­fahr­sperren sind die Autotüren fest ver­schlossen und nur mit Gewalt zu öffnen“, so Kir­cher. Umso wich­tiger sind die Übungen, betonte der stell­ver­tre­tende Kom­man­dant Rainer Hei­dinger. Mit 1500 Stunden wurde bei­nahe dop­pelt so oft geübt wie Zeit bei Einsätzen ver­bracht. Fun­dierte Kennt­nisse und abge­spielte Abläufe bei Einsätzen seien nur durch regelmäßige Übungen zu erlangen, betonte Hei­dinger, der monierte, dass die Übungs­be­tei­li­gung teil­weise zu wünschen übrig lasse. „Jeder muss sein Gerät zu jeder Tages- und Nacht­zeit beherr­schen.“

Um die rich­tige Taktik anzu­wenden und das Mate­rial clever ein­zu­setzen, sei auch mal Kno­bel­ar­beit und Hirn­schmalz nötig. Im Ernst­fall spare dies viel Zeit, ebenso wie die Straßennamen in den Teil­orten zu kennen und zu wissen, wo man mit dem großen Tanklöschfahr­zeug nicht durch­kommt. „Das ist wie eine moderne Schnit­zel­jagd.“

Um die „Fas­zi­na­tion Feu­er­wehr“, wie es die stell­ver­tre­tende Kom­man­dantin Rebecca Bernet ausdrückte, früh zu ver­mit­teln, gehe man schon in die Schulen und Kin­dergärten. Auch beim Feu­er­wehr­fest, das dieses Jahr vom 16. bis 18. Mai statt­findet, zeige man, dass bei der Feu­er­wehr neben Technik und Ein­satz­be­reit­schaft auch Kame­rad­schaft und Gesel­lig­keit eine große Rolle spielen.

Die Mit­glie­der­wer­bung steht des­halb an vor­derster Stelle, trotz des Höchst­standes von 65 Aktiven in der Ein­satz­ab­tei­lung, davon drei Frauen. Von den elf Neuzugängen stammen vier aus der eigenen Jugend­feu­er­wehr, berich­tete Jugend­feu­er­wehr­wart Mat­thias Bernet.

Kir­cher hofft auf wei­teren Auf­schwung. „Statt seine Zeit im Fit­ness­studio zu ver­bringen, lieber zur Feu­er­wehr“, ist sein Slogan. Auch die erfah­renen Kame­raden möchte Kir­cher nicht missen, so der Kom­man­dant zu den „Abwer­be­ver­su­chen“ durch Günter Wanner, den Leiter der Alters­ab­tei­lung: „Wir wollen die über 45-Jährigen in der Ein­satz­ab­tei­lung halten. Ihr habt viel Wissen und Können, wir brau­chen euch!“

Zu den Einsätzen zählten auch das Bewa­chen der Wahl­urnen nach der Gemein­de­rats­wahl, sieben Falsch­mel­dungen wie „Burg brennt“ – die auch zeit­auf­wendig sein können, wenn der fälsch­li­cher­weise anschla­gende Brand­melder wie im Haus der Kin­der­kirche nicht gleich gefunden werden kann . Aber auch die Sicher­heits­wache beim Bot­t­wa­r­tal­ma­ra­thon. „Das Absi­chern der Strecke gehört eigent­lich nicht zu den Auf­gaben der Feu­er­wehr, da bitte ich die Ver­ant­wort­li­chen, über bes­sere Lösungen, bei­spiels­weise eine andere Stre­ckenführung, nach­zu­denken“, stellte Kir­cher diese zeit­rau­bende Auf­gabe aller­dings infrage.

Bild: Reiner Sie­gele erhielt vom Kom­man­danten Bernd Kir­cher das Ehren­kreuz in Silber ver­liehen. Dietmar Keppler wurde nach 34 Jahren ver­ab­schiedet (von links). (Foto: Frank Wittmer)