QR-Code zur Seite

Türkin verstärkt die Feuerwehr

Brackenheimvon Stefanie Pfäffle, HSt

Sie ist 31 Jahre alt, ver­hei­ratet, hat zwei Kinder und ist seit einem Jahr Mit­glied der frei­wil­ligen Feu­er­wehr in Bra­cken­heim-Hausen. Als Frau ist sie dort kein Ein­zel­fall, son­dern der­zeit die zweite im Bunde. Doch ihre Natio­nalität macht die junge Mutter zu etwas Beson­derem: Ayse Bonin­contro ist Türkin und damit wohl die ein­zige türki­sche Feu­er­wehr­frau im gesamten Land­kreis Heil­bronn.

"Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, ich wollte ein­fach nur was Gutes tun", erzählt sie. Kame­raden mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund und Ausländer sind bei den frei­wil­ligen Wehren immer noch eine Sel­ten­heit, auch wenn es laut Kreis­feu­er­wehr­ver­band keine genauen Zahlen gibt.

Auch Ayse Bonin­contro hätte bei ihrem Umzug nach Deutsch­land vor 16 Jahren nicht damit gerechnet, einmal so ins typisch deut­sche Ver­eins­leben inte­griert zu sein. "Ich mochte Deutsch­land am Anfang gar nicht", gibt sie mit ent­waff­nender Ehr­lich­keit zu. Doch die Sehn­sucht nach der Mutter, die in zweiter Ehe nach Nie­der­hofen gehei­ratet hatte, war stärker. Keine Freunde, eine fremde Sprache und ein schlechtes Verhältnis zum Stief­vater der Start ins neue Leben war nicht ein­fach. Erst nach dem Gang ins Frau­en­haus ging es bergauf dank der Mutter. "Sie ist eine Kämpferin, obwohl sie noch immer schlecht Deutsch spricht. Typisch zweite Gene­ra­tion eben", meint Bonin­contro.

Heim­lich Nicht so typisch war, dass sie immer wollte, dass ihre Mädchen auf eigenen Füßen stehen können. In Böckingen machte der Teen­ager seinen Haupt­schul­ab­schluss nach. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann Gio­vanni kennen, einen Ita­liener, einen Katho­liken. Ein Jahr lang waren die beiden nur heim­lich zusammen, eine Mus­limin und ein katho­li­scher Mann. Das passte für die Mutter nicht. Doch Ayse hat das Kämpfer­herz ihrer Mutter geerbt. Nach langem Hin und Her zogen die beiden zusammen. "Ein guter Mensch ist ein guter Mensch, egal welche Natio­nalität er hat", findet die junge Frau. Heute seien ihr Mann und ihre Mutter übri­gens ein Herz und eine Seele.

Freunde Ayse Bonin­contro trägt ihr Herz auf der Zunge. Mit ihrer Herz­lich­keit macht sie sich Freunde, als das Paar und seine beiden Kinder nach Hausen ziehen. Die Familie ist bei den Güglinger Zabergäunarren aktiv. "Aber eines Abends habe ich mir Gedanken gemacht, was ich Gutes für die Gesell­schaft tun könnte." Ein Gespräch mit dem Hau­sener Kom­man­danten führte kurz darauf in die Grund­aus­bil­dung. Anstren­gend sei das gewesen und man brauche schon einen Mann, der mit­zieht.

"Allein die ganzen Spe­zi­al­be­griffe auf deutsch zu lernen, war dop­pelt schwer." Ihrer Mei­nung nach könnten sich mehr Türken in der Wehr enga­gieren. "Die leben schließlich auch hier. Und wenn es brennt, ist es uns egal, wer dort lebt."

Bild: Ayse Bonin­contro wartet noch auf ihren ersten Ein­satz. Aber bei den monat­li­chen Übungen ihrer Kame­raden ist sie immer dabei. (Foto: Ste­fanie Pfäffle)