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Rettungsdienst stellt auf Notruf 112 um

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Der Streit um die sinn­vollste Not­ruf­nummer ist beendet. ASB und vor allem das Rote Kreuz haben sich den Vor­gaben aus dem Stutt­garter Sozi­al­mi­nis­te­rium gebeugt. Inzwi­schen wird auf allen Ret­tungs­wagen mit der neuen euro­pa­weiten Not­ruf­nummer 112 geworben. Und egal ob Brand, Herz­in­farkt oder Sturz vom Baum: Alle Hil­fe­rufe unter 112 kommen jetzt zen­tral in der Leit­stelle der Feu­er­wehr in der Heil­bronner Beet­ho­ven­straße an. Sind es medi­zi­ni­sche Notfälle, leiten die Feu­er­wehr­dis­po­nenten diese an ihre Kol­legen in der Ret­tungs­leit­stelle des DRK weiter. Man setze mit dieser Umstel­lung nur gültiges Recht um, hatte das Sozi­al­mi­nis­te­rium immer wieder betont.

Tech­nisch machbar

Vor drei Monaten war die Auf­re­gung in Heil­bronn noch groß. Vor einer „Infla­tion von Anrufen“, die erst einmal bei der Feu­er­wehr auf­laufen, hatte DRK-Kreis­geschäftsführer Ludwig Land­zettel im Juni gewarnt. Von Engpässen und Zeit­verzögerungen, von einem Qualitätsver­lust für die Hil­fe­su­chenden war die Rede, weil es nur eine Direkt­lei­tung zwi­schen Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst gab.

Heute hört sich alles viel gemäßigter an. Drei neue Direkt­lei­tungen sind inzwi­schen über stadt­ei­gene Lei­tungen mit freien Kapazitäten auf­ge­baut, erklärt Heil­bronns Feu­er­wehr­chef Eber­hard Jochim. Die Kosten dafür bezif­fert er auf unter 10 000 Euro. „Tech­nisch war es kein Pro­blem.“ Und auch die täglich 25 Not­rufe, die der­zeit für den Ret­tungs­dienst auf­laufen, seien ohne zusätzli­ches Per­sonal zu bear­beiten. In fünf bis zehn Sekunden sei ein Anrufer wei­ter­ver­mit­telt. Jochim: „Es ist rechts­kon­form, und es ist in meinen Augen machbar.“

Eine Infla­tion umge­lei­teter Anrufe „haben wir bisher nicht“, sagt auch Stefan Wolf, stell­ver­tre­tender Geschäftsführer des DRK-Kreis­ver­bandes. Er erwartet einen eher schlei­chenden Pro­zess, bis die Bürger die Notruf-Umstel­lung im Ret­tungs­dienst von der 19222 auf die 112 voll­zogen hätten. Nachdem das Sozi­al­mi­nis­te­rium deut­lich gemacht habe, dass es „keine Kom­pro­misse“ für eine Übergangs­zeit gibt, habe man die Vor­gaben Mitte August umge­setzt. Bei Unwet­ter­lagen, wenn viele Hil­fe­su­chende zum Bei­spiel wegen voll­ge­lau­fener Keller die 112 wählen, sieht das Rote Kreuz jedoch weiter ein Pro­blem. Weil medi­zi­ni­sche Notfälle dann in der War­te­schleife ste­cken könnten. Wolf: „Aus unserer Sicht wäre es besser gewesen zu warten, bis es die gemein­same Leit­stelle gibt.“

Keine Pro­bleme

Dass der­zeit „noch viel über die 19222 ange­meldet wird“, bestätigt ASB-Ret­tungs­dienst­leiter Werner Eckert. Pro­bleme mit Umlei­tungen von Not­rufen kennt er bisher nicht.

Was pas­siert wäre, wenn sich die Ret­tungs­verbände gewei­gert hätten? „Dann wären wir über die Rechts­auf­sicht gegangen“, sagt Susanne Keller, eine Spre­cherin im Sozi­al­mi­nis­te­rium. Inzwi­schen seien alle Verbände dabei, die Umstel­lung auf 112 umzu­setzen.

Bild: Neu beschriftet: Arbeiter-Sama­riter-Bund und Rotes Kreuz werben jetzt auch in Heil­bronn mit dem euro­pa­weiten Notruf 112. Das Stutt­garter Sozi­al­mi­nis­te­rium hat gel­tendes Recht durch­ge­setzt. (Foto: Carsten Friese)