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Präsident Dr. Frank Knödler zum Weihnachtsfest und neuen Jahr 2016

von Medienteam KFV Heilbronn

Sehr geehrte Feu­er­wehr­ka­me­ra­dinnen und Feu­er­wehr­ka­me­raden,

vor einem Jahr habe ich auf die Zahl der welt­weit zuneh­menden Krisen und deren Aus­wir­kungen hin­ge­wiesen, die uns auch in Deutsch­land treffen. Fest­ge­macht habe ich das an der Unter­brin­gung von 500 Flücht­lingen an der Lan­des­feu­er­wehr­schule Baden-Württem­berg in Bruchsal im Sep­tember 2014. Damals haben die Feu­er­wehren gezeigt, wie leis­tungsfähig sie gerade in Not­si­tua­tionen sind. Seither haben die Feu­er­wehren viel­fach oft­mals an ent­schei­dender Stelle tatkräftig bei der Auf­nahme der großen Zahl der Flücht­linge geholfen. Dafür danke ich von ganzem Herzen!

„Demo­kratie heißt, sich in die eigenen Ange­le­gen­heiten ein­mi­schen“, stellte der Schweizer Schrift­steller Max Frisch einmal fest. Nichts anderes tun Men­schen, wenn sie sich frei­willig enga­gieren. In den Feu­er­wehren unseres Landes sind dies etwa 170.000 Frauen, Männer und Jugend­liche. Sie löschen Brände, befreien in Not gera­tene Men­schen oder schützen die Umwelt; sie bringen sich überall dort ein, wo hel­fende Hände gebraucht werden.

Die Men­schen in den Feu­er­wehren sorgen auch für Flücht­lings­un­terkünfte und richten diese ein. Wieder einmal haben sie dabei mehr als ein­drucks­voll unter­stri­chen, dass sie unver­zichtbar sind. Sie fördern Soli­darität und Gemein­sinn und sie ver­bes­sern die Lebens­si­tua­tion ein­zelner Men­schen ebenso wie der Gesell­schaft ins­ge­samt. Der Glaube an die All­macht des Staates war schon immer ein schlechter Rat­geber. Gerade die Her­aus­for­de­rungen, vor denen wir heute stehen, erfor­dern den Ein­satz aller Kräfte der Gesell­schaft. Dies bedeutet aller­dings nicht, dass enga­gierte Men­schen die Lückenbüßer für einen Staat sind, der an seine Grenzen stößt. Die Bürger­ge­sell­schaft ist kein Repa­ra­tur­be­trieb für den Staat, son­dern sie gibt ein Bei­spiel für eine neue Balance zwi­schen staat­li­chem und bürger­schaft­li­chem Han­deln.

Darum muss der Staat Ehrenamt und bürger­schaft­li­ches Enga­ge­ment fördern. Der damit ver­bun­dene Hand­lungs­auf­trag soll als neues Staats­ziel in die Lan­des­ver­fas­sung von Baden-Württem­berg auf­ge­nommen werden, was der Lan­des­feu­er­wehr­ver­band nach­haltig unterstützt. Die Begründung der Ver­fas­sungsände­rung stellt ausdrücklich fest, dass der Staat und die Gemeinden der kräftigen und dau­er­haften Unterstützung der ehren­amt­li­chen Arbeit ein beson­deres Gewicht bei­zu­messen haben.

Unser „Stra­te­gie­pa­pier FREI­WILLIG.stark!“ zur Förde­rung des Ehren­amtes bei den Feu­er­wehren in Baden-Württem­berg nennt hierfür eine Fülle von Bei­spielen. Viele davon können ohne große Kosten allein mit gutem Willen der Ver­ant­wort­li­chen auf Landes-, Kreis- oder örtli­cher Ebene rasch umge­setzt werden. Wir haben dazu ja auch eine Ergänzung des Feu­er­wehr­ge­setzes vor­ge­schlagen, die hof­fent­lich vom Landtag berücksich­tigt werden wird.

Am 13. März 2016 wird der Landtag von Baden-Württem­berg gewählt. In der zu Ende gehenden Legis­la­tur­pe­riode haben wir zusammen mit dem Land vieles erreicht. Ich nenne ohne Anspruch auf Vollständig­keit

– Neubau der Lan­des­feu­er­wehr­schule,

– neue Beklei­dungs­vor­schrift, bestehend aus Uni­form, Dienst­klei­dung und ein­heit­li­chen Dienst­graden,

– ich nenne trotz eines kleinen Aus­rut­schers das unein­ge­schränkte Bekenntnis der Lan­des­re­gie­rung zur Zweck­bin­dung der Feu­er­schutz­steuer,

– gesetz­liche Pflicht zum Einbau von Haus­rauch­warn­mel­dern,

– Überar­bei­tung der Zuwen­dungs­richt­linie Feu­er­wehr­wesen mit einer mode­raten Anpas­sung der Fördersätze für Fahr­zeug­be­schaf­fungen,

– deut­lich höhere Zahl an Freiplätzen im Feu­er­wehr­hotel Sankt Flo­rian,

– bes­sere Leis­tungen der Unfall­ver­si­che­rung und Zusage zur bes­seren Absi­che­rung von schick­sal­be­dingten Leiden sowie

– Aktion 65 plus.

Die Arbeit geht uns nicht aus. Unsere kom­menden Auf­gaben sind auch

– Neubau einer Geschäfts­stelle im Rahmen des Neu­baus der Feu­er­wache 5 in Stutt­gart,

– Überprüfung der Orga­ni­sa­ti­ons­form unseres Ver­bandes,

– Novel­lie­rung der Hin­weise zur Leis­tungsfähig­keit kom­mu­naler Feu­er­wehren,

– Neu­aus­rich­tung der Inte­grierten Leit­stellen oder die

– Ver­ab­schie­dung einer Mus­ter­richt­linie für die Entschädigung von Funk­ti­onsträgern inner­halb der Frei­wil­ligen Feu­er­wehren.

Schade ist, dass der mit so vielen Vor­schuss­lor­beeren gestar­tete digi­tale Funk bisher über rudi­mentäre Funk­tionen nicht hin­aus­ge­kommen ist. Für mich steht damit auch ein Stück Glaubwürdig­keit staat­li­chen Han­delns auf dem Spiel.

Ehrenamt macht Freude. Das muss es sogar. Schon die Bibel sagt: Nächs­ten­liebe und Selbst­liebe gehören zusammen. Ist dies nicht der Fall, gibt es kein aus­ge­wo­genes Verhältnis zwi­schen Geben und Nehmen, zwi­schen Fürsorge und Selbst­sorge. Ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment in der Feu­er­wehr ist nicht selbstlos, son­dern im wahrsten Sinne des Wortes selbst­be­wusst. Gehen Sie selbst­be­wusst und orga­ni­siert durch das Jahr 2016. Mischen Sie sich in ihre eigenen Ange­le­gen­heiten ein ebenso wie in die unserer Gesell­schaft. Möge Ihnen dies sowohl im Pri­vaten als auch im Beruf­li­chen gelingen ebenso wie bei Ihrer Feu­er­wehr­ar­beit.

Allen Angehörigen unserer Feu­er­wehren danke ich für ihre wich­tige und unver­zicht­bare Arbeit zum Wohl der Men­schen in unserem Land. Ihnen, ver­ehrte Lese­rinnen, ver­ehrter Leser, wünsche ich ebenso wie ihren Fami­lien ein ruhiges Weih­nachts­fest und ein erfolg­rei­ches, gesundes und vor allem fried­volles Jahr 2016.

Dr. Frank Knödler