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Noch haben Freiwillige Feuerwehren ausreichend Personal

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Kom­man­danten ver­weisen auf große Anstren­gungen und begrüßen Stärkung des Ehren­amts – Einsätze tagsüber sind ein Pro­blem

Das System der Feu­er­wehr mit vielen ehren­amt­li­chen Ein­satzkräften steht auf dem Prüfstand, viel­leicht sogar am Schei­deweg. Eine stärkere Unterstützung des Ehren­amts, weil das System an man­chen Stellen „sonst nicht mehr zukunftsfähig“ sei, for­dert der Präsident im Lan­des­feu­er­wehr­ver­band und stellt ein Stra­te­gie­pa­pier vor.

Den Frei­wil­ligen Feu­er­wehren fehlen vor allem tagsüber Mit­streiter, die vom Arbeits­platz an einen Ein­satzort kommen können. Auch in der Stadt Heil­bronn sieht Feu­er­wehr­kom­man­dant Eber­hard Jochim die Ent­wick­lung mit einigen Sor­gen­falten. Die Zahl der aktiven ehren­amt­li­chen Feu­er­wehrkräfte sei zwar in den letzten Jahren kon­stant geblieben (2014: 278 Mit­glieder). Aber: In etwa der Hälfte der Stadt­teil-Abtei­lungen sei tagsüber die Alarm­si­cher­heit nicht gewährleistet. „Man braucht min­des­tens neun Leute. Da alar­mieren wir meh­rere städti­sche Abtei­lungen und Kräfte der Berufs­feu­er­wehr, um dies abzu­de­cken“, sagt Jochim. Dadurch könne man die Hilfs­frist ein­halten.

Grenzen Es werde heute bei der nötigen beruf­li­chen Fle­xi­bilität und ent­fernt lie­gender Arbeitsplätze „schwie­riger“, den Arbeits­platz zu ver­lassen. Jochim ver­weist auf 1659 Einsätze im Jahr 2014 – rund vier pro Tag. Die Frei­wil­ligen Feu­er­wehren seien 300 Mal im Vor­jahr ausgerückt. „Das ist ein hoher Wert.“ Mit inter­es­santen Ange­boten und guten Jugend­be­treuern konnte man auch die Mit­glie­der­zahl in der Jugend­feu­er­wehr zuletzt stei­gern. In Zukunft erwartet Jochim durch die fort­schrei­tende Alte­rung der Bevölke­rung stei­gende Ein­satz­zahlen – und er sieht Grenzen erreicht. Des­halb sei es zwin­gend, das Ehrenamt zu stärken. Jochim sieht das neue Stra­te­gie­pa­pier als wich­tige Dis­kus­si­ons­grund­lage. Einige Vor­schläge indes, wie eine Bevor­zu­gung von Feu­er­wehrkräften bei Ein­stel­lungen in Kom­munen oder bei der Bau­platz­ver­gabe, bewertet er kri­tisch. „Ehrenamt ist Ehrenamt“, sieht er eine ein­sei­tige Bevor­zu­gung auch recht­lich als pro­ble­ma­tisch an.

Kreis­brand­meister Uwe Vogel könnte sich vor­stellen, Firmen, die Mit­ar­beiter zu Feu­er­wehr­einsätzen ent­senden, über die Gewer­be­steuer zu ent­lasten. Und: Die Feu­er­schutz­steuer müsse aus­schließlich für Feu­er­wehren ver­wendet werden.

Die Per­so­nal­ent­wick­lung in den Land­kreis­feu­er­wehren sieht Vogel positiv. 2013 habe man mit 4143 Kräften den bisher höchsten Stand erreicht. Auch hier sorge ein fle­xi­bles Alar­mie­rungs­system für Hilfe aus anderen Kom­munen. Vogel: „Das funk­tio­niert gut.“ Wie es sich künftig ent­wi­ckelt, wisse er jedoch nicht. „Wir müssen erheb­liche Klimmzüge machen“, um den guten Per­so­nal­stand „hin­zu­be­kommen“.

Kritik Eber­hard Jochim mahnt, Ehren­amt­liche nicht zu über­for­dern. Dass Feu­er­wehr­mit­ar­beiter bei Ver­an­stal­tungen zum Teil als Park­platz­ein­weiser oder Stre­cken­posten feu­er­wehr­fremd ein­ge­setzt werden, ist für ihn ein „Miss­brauch“ der ehren­amt­li­chen Kräfte.

Bild: Brand­ein­satz der Bad Fried­richs­haller Wehr: Die Frage, wie man die Zukunft der Frei­wil­ligen Feu­er­wehren sichert, beschäftigt alle Ein­heiten. (Foto: Archiv/Plückthun)