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Nervenstärke trainieren

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Angela Groß, HSt

Auf dem Papier ist alles gere­gelt. Pas­siert im Stadt- oder Land­kreis Heil­bronn ein großes Unglück mit vielen Ver­letzten, sind sie da. Ret­tungs­dienst, Ehren­amt­liche von DRK und ASB, Polizei, Notärzte, Feu­er­wehr, Not­fall­seel­sorge, Kata­stro­phen­schutz. „Dann werden Knöpfe gedrückt, und die Ret­tungs­kette läuft“, sagt Dr. Wolf­gang Balz.

Doch werden es aus­rei­chend viele Helfer sein? Für Kata­stro­phen, Ter­ror­anschläge, Bus­unglücke ist der Regel­ret­tungs­dienst weder per­so­nell noch mate­riell aus­ge­stattet, schränkt der Lei­tende Not­arzt aus Pfaf­fen­hofen ein. „Wir müssen mit begrenzten Mit­teln an Mate­rial und Per­sonal möglichst vielen helfen - und brau­chen andere Stra­te­gien.“

Test­lauf Dieses Kon­zept für den Mas­sen­an­fall von Ver­letzten (MANV), an dem ein Arbeits­kreis vor Ort zwei Jahre lang arbei­tete, wurde jetzt im großen Stil getestet. Das Übungs­sze­nario dafür: Schul­bus­unglück mit 50 Ver­letzten. Der Bus liegt auf der Seite, in Sicht­weite zwei wei­tere kaputte Autos. Ein drittes liegt mit Per­sonen im See, das weiß nur noch keiner. Ein Fall für die Berufs­feu­er­wehr. Ein­ein­halb Stunden lang läuft für die Beob­achter ein bunter, auf­ge­regter Film ab, der zuneh­mend von Notärzten und Ret­tungskräften bevölkert wird und sich links, rechts und weiter hinten abspielt. Zunächst nur Chaos, in das langsam und immer mehr Ord­nung kommt. So soll es sein.

Die Feu­er­wehr ist zuerst am Unglücksort und gleich gefragt. Unver­letzte Kinder steigen aus dem Bus aus, irren herum, Feu­er­wehr­leute rennen hinter ihnen her. „Das war unge­wohnt für uns, dass wir uns zunächst nicht um die tech­ni­sche Ret­tung kümmern mussten“, sagt der Bra­cken­heimer Feu­er­wehr­chef Harald Zeyer dazu.

50 Ver­letzte im Bus, ein Auto­fahrer liegt ein­ge­keilt dar­unter. „Was würdest du zuerst tun?“, fragte sich nicht nur der Bra­cken­heimer Bürger­meister Rolf Kieser, wie man in so einer Situa­tion über­haupt rich­tige Ent­schei­dungen treffen kann. „Man hat zwei Hände und 50 Ver­letzte“, schüttelt Georg Schultes, DRK-Kreis­be­reit­schafts­leiter, den Kopf. Jeder Ver­unglückte wird durch einen Not­arzt ange­schaut, bekommt eine Karte um den Hals. Die Schwer­ver­letzten (rote Mar­kie­rung) werden von Zeit zu Zeit kon­trol­liert, ihre Situa­tion könnte sich ver­schlech­tern. Zusätzliche Kräfte müssen frühzeitig ange­for­dert, die Ver­letzten abtrans­por­tiert werden. Welche Klinik? Nach Bra­cken­heim, Bad Fried­richs­hall, Heil­bronn oder in eine Spe­zi­al­klinik? Ein Behand­lungs­platz ist ein­ge­richtet, die mobile Ein­satz­lei­tung koor­di­niert alle Anfragen. „Wo ist der Not­fall­seel­sorger? Wir brau­chen einen Hub­schrauber“, schnarrt es über Funk. „Das Schwie­rige ist die Kom­mu­ni­ka­tion, das muss man üben“, sagt Beob­achter Balz und fügt hinzu: „Es ist extrem wichtig, dass wir die Schwach­stellen unseres Papiers erkennen.“ Und für die Helfer geht darum, die Basics, die Stan­dard­struk­turen zu ver­in­ner­li­chen, denn im Ernst­fall kommen der enorme Stress, die Ver­ant­wor­tung für andere Men­schen­leben noch hinzu.

Andreas Rudlof, Chef der Flug­ha­fen­feu­er­wehr in Stutt­gart, lobt alle und ist über­zeugt: „Aus so einer Übung lassen sich nur posi­tive Erkennt­nisse ziehen.“

Bild 1: Wenn Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst zusam­men­ar­beiten, müssen sie die Pro­bleme und Nöte des anderen kennen, um gutes Team­work leisten zu können.Bild 2: Ein Auto wurde in den See geschleu­dert: Die Tau­cher sind gefragt.(Fotos: Andreas Veigel, HSt)