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Nach der Flut bleibt der Schlamm

Oedheimvon Adrian Hoffmann, HSt

Die Degmarner Straße in Oed­heim gleicht einem Kata­stro­phen­ge­biet – auch drei Tage nach dem schweren Gewitter. Überall arbeiten Anwohner, kippen braune Brühe aus oder tragen Möbel aus den Häusern. Einige Fami­lien haben sich Con­tainer orga­ni­siert, um den Schutt zu besei­tigen. Es wird noch einige Tage dauern, so schätzen sie, bis sich wieder so etwas wie ein Nor­mal­zu­stand ein­stellt.

„Ich habe seit Frei­tag­abend zwei Stunden geschlafen“, sagt Walter Denz, 59. Auf seiner Stirn klebt ange­trock­neter Matsch. „So schlimm war es noch nie.“ Denz führt durch sein Haus wie durch ein Museum, nur macht er das schweren Her­zens. Alles ist zerstört, Dreck klebt an den Wänden, der Hob­by­raum ist keiner mehr. Vor der Garage steht Tochter Tanja und spritzt mit dem Hoch­druck­ei­niger das ab, was noch zu retten ist. Sie hat sich frei­ge­nommen. Im Ort spreche man schon von der „Straße des Grauens“, sagt sie.

Fort­ge­rissen

Auf dem Gehweg liegen Kar­tof­feln von den Äckern ober­halb des Wohn­ge­biets. Die Leute sagen, „ein reißender Fluss“ sei hier am Frei­tag­abend durch die Straße geflossen, fast einen Meter hoch. Mari­anne Denz wollte zu diesem Zeit­punkt vom Auto zum Haus gehen und ist von den Was­ser­massen fort­ge­rissen worden. Um ihre Beine hat sie einen Ver­band gewi­ckelt, das Wund­wasser drückt sich durch. Die Haut ist auf­geschürft. Sie habe „40 Meter Todes­angst“ hinter sich. Sie hatte um Hilfe gerufen, retten musste sie sich alleine.

Bei Familie Warkall ist das Wasser ins Wohn­zimmer ein­ge­drungen. „Die Küche muss raus“, sagt Marc Warkall, 34, der Schlamm habe sie zerstört. Und die Hei­zung sei auch kaputt. Auf meh­rere 10 000 Euro schätzt er den Gesamt­schaden.

Beson­ders hart sind auch land­wirt­schaft­liche Betriebe vom Unwetter getroffen worden. Ger­hard Kemmler, 57, aus Bad Fried­richs­hall–Kochen­dorf spricht von großen Ern­te­ausfällen, teil­weise 70 bis 100 Pro­zent. Sieben Tonnen Erd­beeren, die vom Hagel getroffen wurden, mussten weg­ge­kippt werden – es werden noch mehr. Die Sai­son­ar­beiter müssen sie trotzdem pflücken, weil die Fäulnis der beschädigten Erd­beeren sehr schnell auf die anderen überg­reifen kann. Die Gur­ken­ernte fällt dieses Jahr für Kemmler kom­plett aus. Fas­sungslos kniet er auf dem Acker, keine Gurke ist mehr zu sehen. Sie wurden von den Was­ser­massen abge­rissen und weg­ge­schwemmt.

Der Boden sieht stel­len­weise aus wie ein Watt, auf den tro­ckenen Flächen wie­derum bilden sich erste Risse. „Das waren die schönsten Gurken, die wir je hatten“, sagt Kemmler. Auch die Zuc­chini sind größten­teils zerstört und haben Löcher, als hätte sie jemand beschossen. Einen sol­chen Hagel­schaden hatten er und seine Kol­legen von den Aus­sied­lerhöfen noch nie erlebt. Auf meh­rere Mil­lionen Euro bezif­fert ihn Kemmler. „Das wird für uns eine Null­runde“, sagt er. „Dazu kommt die nerv­liche Belas­tung.“

Bild 1: So sieht am Montag ein Garten in der Degmarner Straße in Oed­heim aus. Rasenmäher, Fahrräder, Möbel – alles ist voller Schlamm. Fabian Fälchle, der in einem Nach­bar­haus wohnt, ist den ganzen Tag mit Aufräumar­beiten beschäftigt.Bild 2: Keine Gurke ist mehr übrig: Land­wirt Ger­hard Kemmler auf den Äckern. (Fotos: Hoff­mann)