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Mühlbacher Wehr pflegt alte Dame

Eppingenvon Simon Gajer, HSt

Der Stolz der Mühlba­cher Feu­er­wehr ist 41 Jahre alt und hört auf den Namen TSF. Andere Wehren haben his­to­ri­sche Fahr­zeuge als Aus­stel­lungsstück. Das ver­mut­lich ältestes Ein­satz­fahr­zeug im Land­kreis Heil­bronn, das jedoch noch immer zuverlässig bei Einsätzen dabei ist, steht in Mühlbach, ver­mutet Bernd Rei­mold. „Das ist unser Hei­ligtum", sagt der Abtei­lungs­kom­man­dant und streicht über einen Sitz. Orts­vor­steher Frieder Fundis nennt das Auto ehrfürchtig „die alte Dame". Auf das Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug für sechs Ein­satzkräfte lassen die Mühlba­cher nichts kommen. Sie hegen und pflegen es.

Rost Nach jedem Ein­satz, nach jeder Übung wird der Ein­satz­wagen gerei­nigt, verrät der Abtei­lungs­kom­man­dant, der nur fünf Jahre älter als der Ford Transit ist. „Es wird danach geschaut, dass er sauber ist." Die Fußmatten kommen jeweils raus, alles wird genau geprüft, um einen Rost­an­fall der ble­chernen Dame zu ver­hin­dern. Das wäre ver­mut­lich das Ende des betagten 60-PS-starken Fahr­zeugs, das bis zum heu­tigen Zeit­punkt die Haupt­un­ter­su­chungen über­stand.

Das Fahr­zeug besticht durch seine zeit­losen Run­dungen. Harte Kanten sind ihm fremd, was sich auch im Inneren wider­spie­gelt. Das Arma­tu­ren­brett: Schlicht gehalten, keine Spie­le­reien lenken die Fahrer ab. Hinter dem Lenkrad gehört die Auf­merk­sam­keit nur dem großen, runden Tacho mit einer Kilo­me­ter­an­zeige, die im Jahre 41 nach der Aus­lie­fe­rung erst bei 20 040 steht. Vorne auf der Kühler­haube haben die Mühlba­cher ihre Erin­ne­rungen auf­ge­klebt. Stern­fahrt nach Tutt­lingen, steht auf einer Pla­kette. Die war bereits im Jahr 1976, als das „klas­si­sche Löschfahr­zeug", als das der Kom­man­dant das Auto bezeichnet, natürlich dabei war. Schrillt die Sirene auf, rollt die rüstige Dame hinaus.

Auf sie zählen die Mühlba­cher. Fiele der Ford aus, die Folgen wären absehbar, sagt Bernd Rei­mold: Die Mühlba­cher wären bei Einsätzen weniger fle­xibel, oder ein Teil der Wehr müsste in Pri­vat­fahr­zeugen zum Brand­herd fahren. Unvor­stellbar. Im Jahr 1992 erhielten sie ein Fahr­zeug, das den alten Wagen ersetzen sollte. Die Teil­ort­wehr beschloss jedoch, das Auto Bau­jahr 1968 nicht auf­zu­geben, son­dern die War­tung und Pflege in Eigen­regie zu über­nehmen.

Aus­fall mit Folgen Da mal ein fri­sches Blech besorgt, dort mal fri­sche Farbe auf­ge­bracht. Nur den Sprit, die Ver­si­che­rung, das trägt die Stadt. Für das Staf­fel­fahr­zeug gibt es keinen Ersatz. Doch an diesen trau­rigen Moment denkt ver­mut­lich nie­mand in Mühlbach.

Die Wehr setzt vor allem auf den Kame­raden Bern­hard Holtz. Der aus­ge­bil­dete Land­ma­schi­nen­me­cha­niker besorgt die Ersatz­teile, sozu­sagen das Lif­ting des his­to­ri­schen Fahr­zeugs. Noch hat er alles Benötigte gefunden. Selbst ein Lenk­ge­stell. Ver­mut­lich werden es aber einmal solche Feh­ler­chen sein, die das Hei­ligtum endgültig in die Knie zwingen.

„Ich ver­mute, dass die Ersatz­teile einmal ein Pro­blem werden", sagt der Kom­man­dant. Und das klingt ein biss­chen wehmütig.

Bild 1: Der Mühlba­cher Kom­man­dant Bernd Rei­mold zeigt den Stolz seiner Abtei­lung: Der Ford Transit aus dem Bau­jahr 1968 gehört bei Einsätzen dazu.Bild 2: Bitte Platz zu nehmen: Das Innere wird nach jedem Ein­satz gesäubert.Bild 3: Schlicht funk­tional: Das Arma­tu­ren­brett ist von runden Formen geprägt.

Fotos: Simon Gajer