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Migranten zur Feuerwehr

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Sabine Friedrich, HSt

Noch plagen die Frei­wil­ligen Feu­er­wehren in Stadt- und Land­kreis Heil­bronn keine großen Nach­wuchs­sorgen. "In den ver­gan­genen zwei bis drei Jahren pro­fi­tierten wir vom Übergang aus den Jugend­feu­er­wehren", sagt Volker Lang, Pres­se­spre­cher des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands (KFV) Heil­bronn. Der demo­gra­fi­sche Wandel kommt, weiß Eber­hard Jochim, Vize-Vor­sit­zender des Ver­bands. Wie können die Ein­satzkräfte dann ihre Tagespräsenz gewährleisten? Des­halb inten­si­viert die Inter­es­sen­ver­tre­tung der Feu­er­wehren ihre Bemühungen um die Gruppen, die bisher in ihren Reihen deut­lich unter­repräsen­tiert sind: Frauen und Migranten. So lautet am Diens­tag­abend der Slogan einer Gesprächs­runde "Mehr Migranten zur Feu­er­wehr". KFV-Vor­sit­zender Rein­hold Gall gibt das Ziel vor: "Mir geht es darum, Kon­takte zu schaffen."

Mul­ti­pli­ka­toren

Die "Ein­rich­tung des bürger­schaft­li­chen Enga­ge­ments", wie Gall die Feu­er­wehren bezeichnet, will er dem kleinen Kreis der Ver­sam­melten im Feu­er­wehr­haus Neckar­sulm näher bringen, die Struktur, das Auf­ga­ben­feld. Die Ver­treter von Migranten sollen als Mul­ti­pli­ka­toren dienen. Infor­ma­tion tut Not. Schnell wird klar, warum Zuwan­derer als Ein­satzkräfte bisher die Aus­nahme sind. "In der Türkei kennt man keine Frei­wil­lige Feu­er­wehr", sagt Orhan Bekyigit, Migra­ti­ons­be­auf­tragter des Deut­schen Feu­er­wehr­ver­bands. Das gelte auch für andere Länder.

Ein Ehrenamt auszuüben, sei seinen Lands­leuten fremd, bestätigt Panagiotis Pan­ta­li­okas von der Grie­chi­schen Gemeinde Heil­bronn. "Die Mitbürger wissen nicht, dass die Feu­er­wehr keine deut­sche Domäne ist", ergänzt Stavros Eleft­he­riadis.

"Was willst Du in der Feu­er­wehr?", hat Bekyi­gits Vater den damals zwölfjährigen Orhan gefragt, als er durch einen Schul­ka­me­raden zur Jugend­ab­tei­lung gekommen ist. "Man ist so ange­nommen worden, wie man ist. Das war wichtig", schil­dert der 33-Jährige mit türki­schen Wur­zeln, den Gall als Vor­zei­ge­bei­spiel bezeichnet, seine posi­tiven Erfah­rungen.

Die Feu­er­wehr in Wies­loch habe sich gefreut, eine andere Kultur in ihre Reihen zu bekommen. "Es ist eine Berei­che­rung für jede Seite", stellt der Leiter der Werk­feu­er­wehr der Hei­del­berger Druck­ma­schinen AG in Wies­loch heraus. Hier die Dis­zi­plin, dort die Locker­heit und die Gast­freund­schaft. Im Ein­satz­fall kann die Mut­ter­sprache von Migranten lebens­ret­tend für Brand- oder Unfall­opfer sein.

"Die Feu­er­wehr hat eine soziale Ver­pflich­tung", erzählt Orhan Bekyigit auch von der Unterstützung, die er zum Bei­spiel von seinem Jugend­wart für seinen Wer­de­gang erhalten habe.

Inte­gra­ti­ons­an­gebot

"Mit­ma­chen ist als hohes Inte­gra­ti­ons­an­gebot zu sehen", wirbt Gall. Der Auf­trag, anderen zu helfen diese Werte passten in jedes Gesell­schafts­bild. Münür Korkmaz, Vor­sit­zender der Türki­schen Gemein­schaft Heil­bronn, spricht von Ängsten gegenüber dem Unbe­kannten: Eltern blo­ckierten viel, wenn es um Erzie­hung gehe.

Ros­witha Kei­cher, Inte­gra­ti­ons­be­auf­tragte der Stadt Heil­bronn, begrüßt diesen ersten Schritt des KFV, nicht nur seine Türen zu öffnen, son­dern zu den Migranten zu gehen, sich bei Festen zu präsen­tieren. "Das wird was bringen, wenn die Feu­er­wehr kommt", ist Pan­ta­li­okas über­zeugt.

Bild 1: bei der Begrüßung

Bild 2: Teil­nehmer vor dem Hil­fe­leis­tungslöschfahr­zeug HLF20/16

Bild 3: Rein­hold Gall und Orhan Bekyigit während der Dis­kus­si­ons­runde