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Lebensretter im Ehrenamt

von Alexander Hettich, HSt

Sie haben die kürzeren Wege und überbrücken bei Notfällen die Zeit, bis der Ret­tungs­wagen kommt. Elf Helfer-vor-Ort-Gruppen des Deut­schen Roten Kreuzes (DRK) kümmern sich im Land­kreis Heil­bronn ehren­amt­lich um Unfall­opfer, Herz­kranke und alle anderen, die schnelle medi­zi­ni­sche Hilfe brau­chen.

Die Ein­greif­truppe für das Gebiet „Kraichgau West", also Eppingen und Umge­bung, gibt es seit einem Jahr. Mehr als hun­dert Einsätze fielen bereits an. „Jede Minute zählt", unter­streicht der Eppinger Not­arzt Dr. Stefan Linke die Bedeu­tung der DRK-Frei­wil­ligen.

„So wurden schon einige Leben gerettet", weiß Linke. Ein fik­tiver Fall für die Helfer vor Ort (HvO): In Mühlbach erleidet ein Patient einen Herz­in­farkt. Die Not­ruf­zen­trale in Heil­bronn setzt den pro­fes­sio­nellen Ret­tungs­dienst in Marsch, infor­miert per Funk-Piepser aber auch Ralf Keller. Der DRK-Helfer wohnt im Eppinger Stadt­teil. Er schnappt sich seinen Not­fall­ruck­sack samt Elek­tro­schockgerät, rückt aus und startet die Reani­ma­tion. So gewinnen die Helfer Minuten, die lebens­wichtig sein können. In 95 Pro­zent der Notfälle muss der Not­arzt in einer Vier­tel­stunde zur Stelle sein. So schreibt es das Gesetz vor. „Die Helfer vor Ort brau­chen im Schnitt drei Minuten und 40 Sekunden", bezif­fert Linke den Zeit­vor­teil. Die Ehren­amt­li­chen sollen die Profis nicht ersetzen. Sie leisten zusätzliche Hilfe, leiten lebens­ret­tende Maßnahmen ein, beru­higen Angehörige.

Bis zum ver­gan­genen Jahr war die Gegend um Eppingen ein weißer Fleck auf der HvO-Karte. Dann star­teten meh­rere DRK-Orts­ver­eine aus den Stadt­teilen und angren­zenden Gemeinden eine gemein­same Initia­tive. Mitt­ler­weile gibt es Stützpunkte in Eppingen, Mühlbach, Elsenz, Klein­gartach und Schwai­gern-Nie­der­hofen (siehe Karte). Ber­wangen, Rohr­bach und Adels­hofen sollen hin­zu­kommen. Den Ansatz, der nicht ein­zelne Orts­ver­eine, son­dern die Koope­ra­tion in den Vor­der­grund stellt, hat das DRK als Modell­pro­jekt aus­ge­zeichnet. „Von den Stand­orten ist es schon nicht schlecht", findet Ralf Keller, „bei den Hel­fern müssen wir noch auf­sto­cken." Mal sind es in einem Ort sechs, mal ist es nur ein ein­ziger DRKler, der im Ein­satz ist.

Wenn sie keine Zeit haben für die Bereit­schaft, betätigen sie einen Knopf am Handy im Ruck­sack. Die Leit­stelle weiß dann: nicht im Dienst. Der nächste verfügbare HvO-Standort wird ange­funkt. „Die Frei­wil­lig­keit für die Helfer ist ganz wichtig", betont Keller. Die ehren­amt­li­chen Not­fall­retter werden gut auf die Auf­gabe vor­be­reitet. Vor­aus­set­zung ist neben der DRK-Mit­glied­schaft eine Sanitätsdienstprüfung. Dazu gibt es recht­liche und psy­cho­lo­gi­sche Schu­lungen. Schließlich gehört ein Prak­tikum im Ret­tungs­dienst als Feu­er­taufe dazu. „Viele hatten am Anfang Angst", räumt die Elsen­zerin Melanie Mayer ein. Doch die Begeis­te­rung, helfen zu können, war stärker. „Das ist rich­tige DRK-Arbeit, wir konnten viele mitreißen." Trotzdem hätten alle schon Einsätze gehabt, „bei denen wir an unsere Grenzen gekommen sind".

Das Netz Kraichgau West soll noch nicht an seine Grenzen stoßen. Ein Pro­blem ist die Finan­zie­rung. Ein Defi­bril­lator kostet allein 2000 Euro. Da tun Spenden gut wie jene 5000 Euro, die Gerald Barth von der Volks­bank Kraichgau jetzt zuge­sagt hat. Was noch guttut: posi­tive Rückmel­dungen. Gerne erin­nert sich Melanie Mayer an die Frau eines Not­fall­pa­ti­enten, die sich nach dem Ein­satz mel­dete: „Sie hat zu mir gesagt: ,Mein Mann hatte viele Schutz­engel, und Sie waren einer davon.' "

Bild: Retter mit Not­fall­piepser (von links): Melanie Mayer, Stefan Linke, Ralf Keller, Bet­tina Greiner und Gerald Barth von der Volks­bank, die mit einer Spende hilft. (Foto: Het­tich)

Grafik: Schnell zur Stelle im Zei­chen des Roten Kreuzes. (Foto: dpa)