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Kochendorf: Scheune brennt lichterloh - Feuer greift auf Wohnhaus über

Bad Friedrichshallvon Carsten Friese, HSt

Seine Mutter ist kurz nach 6 Uhr bereits in der Frühschicht, als Elias (12) „durch die Hitze“ in seinem Zimmer auf­wacht und die hellen Flammen vor dem Fenster sieht. „Mama, es brennt“, teilt der Zwölfjährige seiner Mutter am Telefon kurz mit. Dann zieht er Schuhe, Jacke und Mütze an und eilt bei Minus­graden ins Freie in Sicher­heit.

Ein Scheu­nen­brand hat am Don­nerstag Feu­er­wehr, Polizei, Ret­tungs­dienst und 17 Mieter in einem alten Mehr­fa­mi­li­en­haus in Atem gehalten. Die Scheune aus dem 18. Jahr­hun­dert brannte lich­terloh. Flammen schlugen fünf bis sechs Meter über das Scheu­nen­dach, berichtet Feu­er­wehr-Ein­satz­leiter Kurt Semen. Weil das Feuer auf das Dach des direkt angren­zenden Wohngebäudes überg­riff, mussten die 45 Flo­ri­ansjünger schnell han­deln. Eine etwas schwerhörige Frau war noch im Haus. „Durch Klopfen“, berichtet Semen, habe man sie gewarnt, so dass sie sich anziehen und noch recht­zeitig aus dem bren­nenden Gebäude laufen konnte.

Mit der Dreh­leiter bekämpfte die Wehr von oben die Flammen. Am Dach des Wohngebäudes deckten die Ein­satzkräfte Ziegel ab, um löschen zu können. Ein wei­teres Aus­breiten des Feuers konnten sie zwar ver­hin­dern. Doch drei von sieben Woh­nungen sind unbe­wohnbar.

Rauch­wolken

Drei Stunden nach dem Alarm sind die Flammen gelöscht. Dichter weißer Rauch quillt immer noch aus der Scheune und dem Wohn­haus­dach. Ver­kohlte Dach­balken liegen kreuz und quer in der Scheune. Ein von Ruß über­zo­gener alter Traktor ist zu sehen, an dem die dicken Reifen vollständig weg­ge­brannt sind.

Bei einigen Bewoh­nern sitzt der Schock tief. „Die Woh­nung ist voll Wasser. Das Dach ist unten. Ich bin sprachlos“, sagt Read Akim (36). Robert Flih (51) weiß noch nicht, „ob ich zurück kann“. Doch er ist ruhig. „Haupt­sache, man ist ganz.“

Auf min­des­tens 500.000 Euro schätzt die Polizei den Schaden an der Scheune und dem denk­mal­geschützten Gebäude von 1777, das einst als Reichs­rit­ter­schule genutzt wurde. „Gott sei Dank ist kein Mensch ver­letzt“, sagt Ger­hard Huber, dessen Mutter die Scheune gehört. Er ist nebenan auf­ge­wachsen. Was mit der Scheu­nen­ruine pas­siert? „Wir wissen es nicht.“

Not­un­ter­kunft

Für Wohn­haus­in­haber Andreas Frie­dauer ist es ein Rätsel, wieso das Feuer aus­brach. Die Ursache „ist noch unklar“, sagt Feu­er­wehr­chef Semen. Ein Sach­verständiger ist hin­zu­ge­zogen.

Längst haben die Ein­satzkräfte mit dem Ord­nungsamt Kon­takt auf­ge­nommen. Drei Bewohner werden vorüber­ge­hend im Obdach­lo­sen­heim unter­ge­bracht. Eine fünfköpfige Familie kommt bei Bekannten unter. Einer, der schnell reagierte, war auch Nachbar Roland Schmalz. Er konnte kurz vor Sechs nicht mehr schlafen, sah die Flammen und rief die 110 an. Fünf Minuten später sei die Feu­er­wehr da gewesen. „Das ist gigan­tisch schnell gegangen.“

Elias und seine nach Hause geeilte Mutter können gegen 10.30 Uhr wieder in ihre Woh­nung. „Ich bin so froh, dass ihm nichts pas­siert ist“, sagt die Mutter. Kurz bevor sie zur Arbeit ging, hatte sie ihren Sohn in seinem Bett noch einmal zuge­deckt.

Bilder: Feu­er­wehr Bad Fried­richs­hall