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Kleingartachs besondere Weihnachtsgeschichte

Eppingenvon Alexander Hettich, HSt

Über­morgen ist es genau ein Jahr her: Am Tag vor Hei­lig­abend 2007 ver­wan­delte ein Feuer die Lager- und Pro­duk­ti­ons­halle der Klein­garta­cher Zim­merei Joos in ein rau­chendes Trümmer­feld. Es war das wohl größte Brand­unglück in der Geschichte des Ortes, gefolgt von der wohl größten Welle der Hilfs­be­reit­schaft. Auch wenn ihm der Wie­der­aufbau gar nicht schnell genug gehen kann, blickt Fir­men­chef Chris­tian Joos opti­mis­tisch in die Zukunft. Das Unge­mach hatte auch eine lehr­reiche Seite: „Ich weiß jetzt, auf wen ich mich ver­lassen kann“, sagt der 29-Jährige, „und das sind doch relativ viele.“

Halle nimmt Gestalt an Dachstühle in Posi­tion zu hieven gehört zu den urei­genen Auf­gaben der Zim­mer­leute. Wenn es sich um das Dach des eigenen Unter­neh­mens han­delt, umso besser. In luf­tiger Höhe klet­tern Chef Joos und seine Mit­ar­beiter Sascha Hampp und Martin Mütsch durchs Gebälk, das sich über dem Gewer­be­ge­biet Gem­minger Feld erhebt. Sie schrauben hier, ver­messen dort, begut­achten alles mit prüfenden Bli­cken. Wer vor einem halben Jahr kam, traf auf eine ent­schlos­sene, aber auch nach­denk­liche Truppe. Jetzt ist die Stim­mung gelöst, das Gröbste scheint über­standen. „Das gab noch einmal einen Moti­va­ti­ons­schub“, blickt Joos zufrieden auf das Ske­lett des Gebäudes, auch wenn er gerne noch mehr aufs Tempo gedrückt hätte: „Wir wollten eigent­lich schneller sein.“ Doch eine sta­ti­sche Prüfung verzögerte den Wie­der­aufbau. Im Sommer waren die Auf­tragsbücher so voll, dass wenig Zeit blieb. Mitte 2009 soll die Halle wieder so sein wie vorher, bevor das Feuer wütete und einen Schaden von rund einer Mil­lion Euro anrich­tete. Die Ursache wurde zu Joos' Bedauern nie geklärt, die Ermitt­lungen sind ein­ge­stellt. „Ich hätte es schon gerne gewusst.“ Was er genau weiß: Bald ist die Zeit der Pro­vi­so­rien vorbei. Wich­tige Maschinen sind in einem kleinen, über­dachten Anbau auf­ge­stellt. Viel Mon­ta­ge­ar­beit muss die Zim­merer-Truppe aber bei Wind und Wetter draußen erle­digen. Span­nungen bleiben nicht aus. „Das hat an den Nerven gezerrt“, weiß Joos, der 15 Mit­ar­beiter beschäftigt. So viele wie vor dem Unglück.

Unterstützung Einen Brand-Bonus gab es nie. Das Geschäft lief weiter, Ter­mine mussten ein­ge­halten werden. Überwälti­gend war für den Unter­nehmer die Hilfs­be­reit­schaft: Benach­barte Firmen stellten Lager­raum zur Verfügung, ver­liehen Mate­rial oder halfen auf andere Weise. Die Klein­garta­cher star­te­teten Bene­fiz­ak­tionen, sam­melten meh­rere Tau­send Euro. „Das war schon gigan­tisch“, denkt Joos an diese beein­dru­ckende Klein­garta­cher Weih­nachts­ge­schichte zurück. „Die ideelle Unterstützung war wichtig, aber auch der finan­zi­elle Aspekt.“ Das gespen­dete Geld will er irgend­wann wieder für das Gemein­wohl ein­setzen, sobald es möglich ist. Weih­nachten 2008 wird für Chef und Beleg­schaft ent­span­nender werden als das Fest vor einem Jahr. Auch wenn er damals kei­nes­falls Trübsal unter dem Christ­baum blies, wie sich Joos erin­nert: „Die ganze Familie hielt zusammen.“ Und ein ganzer Ort.

Bild: Sascha Hampp, Martin Mütsch und Chris­tian Joos im Dachgebälk der Fir­men­halle. Bis Mitte 2009 soll sie fertig sein. (Foto: Alex­ander Het­tich)