QR-Code zur Seite

Interesse wecken mit Spektakel und Information

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Christian Gleichauf, HSt

Die Feu­er­wehr Bad Fried­richs­hall hat sogar einen Über­schlag­si­mu­lator des ADAC für ihr Info-Eck auf dem Kauf­land-Park­platz orga­ni­siert. „Das spricht die Leute an, so kommen wir ins Gespräch“, sagt Kom­man­dant Marcel Vogt.

In Beil­stein inter­es­siert sich Rainer Simm für Spreizer und Ret­tungs­schere: „Wie viel Kraft hat denn so ein Ding?“ Mit 600 bar werde der Spreizer betrieben, ant­wortet Maxi­mi­lian Pfi­zen­mayer. Teil­weise ent­stehe ein Druck von acht bis neun Tonnen. Als Rainer Simm die Geräte selbst einmal pro­bieren darf, schneidet und presst er Bleche und Dosen scheinbar mit Leich­tig­keit. Trotzdem findet er: „Das ist ganz schön schwer.“ Kom­man­dant Bernd Kir­cher wie­gelt ab: „Da gibt es Tricks. Wenn man einmal ange­setzt hat, braucht man keine Kraft mehr.“

Ziel­gruppe

Leider ist dieser inter­es­sierte Mann mit seinen 64 Jahren außerhalb der Ziel­gruppe. Andere sind noch zu jung, so wie Felix Nilles aus Ober­sulm-Wills­bach. Immerhin ist der Vierjährige über­zeugt, dass er einmal zur Feu­er­wehr will. Für viele Frauen kommt das noch immer nicht infrage. Auch Zuwan­derer sind teils schwer zu errei­chen. „Da sind viele schon bass erstaunt, dass das bei uns alles ehren­amt­lich läuft“, sagt Lan­des­in­nen­mi­nister Rein­hold Gall, als Vor­sit­zender des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands ein Initiator der Aktion. Aufklärungs­ar­beit gebe es des­halb zu betreiben - nach außen, aber auch nach innen: Bei Feu­er­wehr­festen habe er schon beob­achtet, wie junge Mus­lime nichts gegessen haben. „Aber wenn ich nur Schnitzel und Bratwürste anbiete, ist das ja klar. Da müssen auch wir umdenken“, sagt Gall.

Eine zen­trale Bot­schaft an diesem Tag: Es ist nicht selbst­verständlich, dass man die 112 wählt, und zehn Minuten später ist die Feu­er­wehr da. Wie das funk­tio­niert, müsse den Leuten gesagt werden, meint Gall. „Viele denken inzwi­schen, dass es in jeder größeren Stadt eine Berufs­feu­er­wehr gibt.“

Ein Loch in die Alters­struktur hat zuletzt der Weg­fall der Wehr­pflicht gerissen. Wer sich für zehn, später acht oder sechs Jahre bei der Feu­er­wehr ver­pflich­tete, musste nicht zum Bund. Viele dieser jungen Männer seien dann aber geblieben. „Die fehlen jetzt“, sagt Gall. Martin Kuh­mann, Eppinger Kom­man­dant und Galls Stell­ver­treter im Ver­band, ergänzt: „An diese Alters­gruppe müssen wir wieder ran­kommen. Man kann schließlich nicht nur dann bei der Feu­er­wehr mit­ma­chen, indem man mit 15 bei der Jugend­feu­er­wehr anfängt. Wir brau­chen auch die Quer­ein­steiger.“ Junge Leute über 20, 25 müssten die Per­spek­tiven erkennen, die die Feu­er­wehr bietet. „Auch jemand mit EDV-Kennt­nissen findet bei uns seinen Platz“, sagt der Lein­gar­tener André Göbl, der den Tag mit­or­ga­ni­siert hat.

Freude am Tun

Über den Platz in der Hier­ar­chie, die es bei einer Feu­er­wehr natürlich geben müsse, würden im Übrigen nicht die Dienst­jahre ent­scheiden, son­dern Qua­li­fi­ka­tion und die ent­spre­chenden Führungs­lehrgänge. Da gebe es immer Lösungen, ist Gall über­zeugt. Ent­schei­dend müsse für den ein­zelnen aber die „Freude am Tun“ sein.

Auch auf dem Park­platz des Auto­hauses Schick ins Weins­berg darf die Feu­er­wehr auf Inter­es­sen­ten­fang gehen. Werk­statt­meister Burk­hard Moser nutzt die Chance und schießt stoßweise mit einem Übungslöscher Wasser in ein Feuer, bis es aus ist. Zehn Jahre war er Feu­er­wehr­mann, dann ist er umge­zogen - und inzwi­schen ist er zu alt, findet er. „Mit 52 geht es ja schon Rich­tung Senioren.“ Rein­hold Gall sieht auch da Verände­rungs­be­darf: „Wir müssen unseren Leuten die Möglich­keit geben, länger aktiv zu bleiben.“ Wer ande­rer­seits privat mehr Zeit braucht, müsse die Chance haben, etwas zurückzu­ste­cken.

Wie viele sich über­zeugen lassen, wird sich erst in ein paar Wochen her­aus­stellen. Der Weins­berger Kom­man­dant Lajosch Mik­losch hat aber kurz nach Mittag schon einige gute Gespräche geführt: „Eine sichere Zusage habe ich schon.“

Frei­willig und stark: In Baden-Württem­berg gibt es 1800 haupt­amt­liche Feu­er­wehr­leute und 110 000 ehren­amt­liche. Viel Unterstützung gibt es für sie unter anderem von Arbeit­ge­bern, die ihre Mit­ar­beiter frei­stellen - und manchmal sogar auf den Lohn­kos­ten­er­satz ver­zichten, auf den sie Anspruch haben. Die Struktur der Frei­wil­ligen Wehren kennt man nur im deutsch­spra­chigen Raum. Sie sei beson­ders effektiv, wie Rein­hold Gall illus­triert: „In Frank­reich gibt es pro Jahr 5000 Brand­tote, in Deutsch­land 400.“ Akti­ons­tage wie am Wochen­ende sollen künftig jährlich statt­finden - wenn sie den gewünschten Erfolg bringen.

Foto: Guido Sawatzki