QR-Code zur Seite

Innenminister räumt Investitionsstau bei Feuerwehren ein

von Redaktion HSt

Tau­sende frei­wil­lige und haupt­amt­liche Feu­er­wehr­leute sind im Ernst­fall zur Stelle. Ihre oberste Inter­es­sen­ver­tre­tung for­dert mehr Zuschüsse vom Land für Fahr­zeuge und Gebäude. Der Innen­mi­nister kann einen „Inves­ti­ti­ons­stau“ nicht ganz von der Hand weisen.

Die Feu­er­wehr in Baden-Württem­berg for­dert mehr finan­zi­elle Unterstützung vom Land. „Wir haben überall ein deut­lich gestie­genes Steu­er­auf­kommen“, sagte der Präsident des Lan­des­feu­er­wehr­ver­bands, Frank Knödler. „Des­halb sind wir der Mei­nung, dass die Lan­des­re­gie­rung den Kom­munen einen größeren Teil zur Förde­rung des Feu­er­wehr­we­sens zur Verfügung stellen sollte.“

Die Ein­nahmen aus der „Feu­er­schutz­steuer“ reichten nicht, um zum Bei­spiel alle Anträge auf einen finan­zi­ellen Zuschuss für Fahr­zeuge und Gebäude bewil­ligen zu können, sagte Knödler. Innen­mi­nister Thomas Strobl (CDU) ver­wies hin­gegen am Dienstag darauf, dass die Ein­nahmen aus der „Feu­er­schutz­steuer“ - wie das Steu­er­auf­kommen ins­ge­samt - stiegen. Das Geld komme vollständig den Feu­er­wehren zugute.

Bis­lang bekommen die Gemeinden nach Knödlers Angaben jährlich rund 50 Mil­lionen Euro aus der Steuer für die Feu­er­wehren. Wei­tere zehn Mil­lionen Euro fließen an die Lan­des­feu­er­wehr­schule in Bruchsal, die erwei­tert werden müsse. Bis­lang gebe es lange War­te­zeiten zur Teil­nahme an Lehrgängen an der Schule, kri­ti­sierte der Feu­er­wehrpräsident. Den größten Batzen bei der Finan­zie­rung der Feu­er­wehren - rund eine halbe Mil­li­arde Euro im Jahr - tragen die Kom­munen selbst. Das Land schießt Gelder als Förder­mittel zu.

Strobl räumte ein, dass es eine Lücke zwi­schen den bean­tragten Summen und den geneh­migten Förder­beträgen gebe - sie werde aber kleiner. „Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren wei­tere Ver­bes­se­rungen erzielen werden.“ Er sehe heute kaum Feu­er­wehr­fahr­zeuge, die älter als 25 Jahre seien, beteu­erte Strobl. Das sei früher anders gewesen. Die Situa­tion an der noch jungen Lan­des­feu­er­wehr­schule in Bruchsal werde man sich ansehen. „Wenn wir zusätzliche Kapazitäten brau­chen, werden wir sie schaffen müssen.“

Der frühere Innen­mi­nister Rein­hold Gall (SPD) pflich­tete hin­gegen Knödler bei. „Das Land muss darüber nach­denken, ob es nicht für einen bestimmten Zeit­raum eigene Haus­halts­mittel zur Verfügung stellt, um den drin­genden Nach­hol­be­darf bei den Feu­er­wehren wett­zu­ma­chen.“

Der AfD-Abge­ord­nete Heiner Merz sagte, erst in der ver­gan­genen Woche habe Grün-Schwarz einen Antrag seiner Frak­tion auf die Erhöhung der Mittel für die Feu­er­wehren abge­lehnt. „Vor diesem Hin­ter­grund ist leider zu befürchten, dass die Lan­des­re­gie­rung auch die Frage zu man­gelnden Aus­bil­dungs­ka­pazitäten aus­sitzen möchte.“

Knödler erklärte, die Feu­er­wehren müssten heute mehr dafür tun, um Men­schen für ehren­amt­liche Arbeit zu begeis­tern. Den­noch seien die Mit­glie­der­zahlen stabil: Im Südwesten enga­gieren sich nach seinen Angaben rund 108 300 Frei­wil­lige in mehr als 1000 Feu­er­wehren. Zudem gibt es rund 2150 haupt­amt­liche Kräfte in acht Berufs­feu­er­wehren.

Die Gemein­de­feu­er­wehren mussten nach Angaben des Innen­mi­nis­te­riums im ver­gan­genen Jahr zu 114 538 Einsätzen ausrücken. Im Ver­gleich zum Jahr 2007 sei das eine Stei­ge­rung um rund 23 Pro­zent. Strobl erklärte dies mit einer zuneh­menden Zahl von Fehl­alarmen, aber auch mit neuen Gefah­ren­lagen, wie zum Bei­spiel bren­nenden Bio­gas­an­lagen.