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In voller Montur bei über 36 Grad

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Anja Krezer, HSt

Bis kurz vor knapp: So lange warten die Feu­er­wehrmänner und -frauen, dann erst ziehen sie ihre Mon­turen an. Bei über 36 Grad kein Wunder. Gebeu­telt sind vor allem die, die bei den Leis­tungsprüfungen in Weins­berg als Atem­schutzträger aus­ge­lost werden. 25 Kilo wiegt ihre Ausrüstung.

Hit­ze­frei? Termin ver­legen? Kreis­brand­meister Uwe Vogel schüttelt ent­schieden den Kopf. „Im Ernst­fall können wir uns die Rah­men­be­din­gungen ja auch nicht aus­su­chen.“ Die Feu­er­wehr­leute aus dem Stadt- und dem Land­kreis Heil­bronn, die ver­teilt auf 50 Gruppen in diesem Jahr die Leis­tungs­ab­zei­chen in Bronze, Silber oder Gold ablegen wollen, scheinen das genauso zu sehen. Zumin­dest hört man kaum Klagen. Vogel ist stolz, dass 2015 fast 500 Leute mit­ma­chen. „Das ist fast Lan­des­re­kord und ein Zei­chen guter Moral.“ Bei den Leis­tungsprüfungen werden Grundtätig­keiten abge­fragt, sagt der Kreis­brand­meister. Ein Abzei­chen abzu­legen sei inzwi­schen ein Muss für Männer und Frauen, die in die Wehr ein­steigen.

Brand­blase

Rein in die Jacke, den Helm auf den Kopf, Hand­schuhe ange­zogen, den Hal­te­gurt umge­schnallt: Oed­heim I macht sich start­klar, Lauffen II auch. Wie heiß ist es da drunter? „Sehr heiß. Bis kurz vor der Brand­blase“, sagt Peter Kartes von den Oed­hei­mern und lacht. Seit März haben er und die anderen mit ihrem Grup­penführer Marcel Glaser für das Leis­tungs­ab­zei­chen geübt. Zwei Stunden mitt­wochs, zwei Stunden sonn­tags, zusätzlich zu den übli­chen Treffen und Ter­minen. Ein biss­chen nervös sind sie, aber nicht sehr. „Es gibt ja die Richt­li­nien vom Land, an denen man sich ori­en­tieren kann“, sagt Marcel Glaser. Nicht zu bestehen wäre ärger­lich vor allem wegen einer Sache: „Dem Spießruten­laufen bei den Kame­raden“, meint Peter Kartes.

Je wert­voller das Metall, desto umfang­rei­cher die Prüfung. Oed­heim I strebt nach Gold. Beim Lösch­an­griff muss das neunköpfige Team die Was­ser­ver­sor­gung in acht Minuten auf­ge­baut und das ver­meint­liche Opfer aus dem ver­meint­li­chen Gebäude gerettet haben. Kurz vor Beginn wird aus­ge­lost, wer zum Wasser-, wer zum Schlauch- und wer zum Angriffs­trupp gehört. „Jeder muss alles können“, sagt Vogels Vize Heiner Schiefer. Für Fehler gibt es Straf­punkte.

„Angriffs­trupp mit PA ausrüsten!“, ruft Grup­penführer Glaser sein erstes Kom­mando. Zwei Leute eilen ins Innere des HLF 10 und legen die Atem­schutzgeräte an. „Was­ser­ent­nahme Unter­flur­hy­drant. Ver­teiler 20 Meter vom Fahr­zeug!“ Alle Oed­heimer geben Gas. Jeder weiß genau, wo er hin­langen muss: Schlauch aus­rollen, Hahn am Ver­teiler auf­drehen, dem Opfer die Ret­tungs­leine um den Brust­korb binden, Schaum­mittel-Zumi­scher anschließen, und und und.

Schwarz

Alles klappt. Marcel Glaser kann der Leit­stelle, in diesem Fall einer Schieds­rich­terin, inner­halb der Frist ver­melden: „Mit zwei Rohren im Ein­satz, Brand erfolg­reich bekämpft, Feuer schwarz!“ Die Jurorin hat auch etwas zu ver­melden: „Auf, auf, schnell die Ausrüstung ablegen und was trinken!“

Bild 1: Jeder Hand­griff muss sitzen. Hier zeigen Feu­er­wehr­leute aus Pfaf­fen­hofen, was sie beim Lösch­an­griff können. Sie wollen Gold holen.
Bild 2: Die Atem­schutzträger sind bei der Glut­hitze beson­ders gebeu­telt.
Bild 3: Den Augen und den Stopp­uhren der Schieds­richter ent­geht nichts. (Fotos: Andreas Veigel, HSt)