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In Berufsfeuerwehr hat es keine Frau geschafft

Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Null weib­liche Ein­satzkräfte im Hauptjob – Es gibt wenige Bewer­bungen – Auf­nah­meprüfung ist der Knack­punkt

Die reine Nach­richt löst erst einmal Kopfschütteln aus: Bei Polizei, Ret­tungs­dienst, am Lkw-Steuer oder in Kfz-Werkstätten stehen Frauen heute mit beiden Beinen voll im Berufs­leben. Bei der Berufs­feu­er­wehr der Stadt Heil­bronn jedoch ist die Zahl der weib­li­chen Ein­satzkräfte eine trost­lose: Null. Es gibt hier unter 84 Mit­ar­bei­tern keine Feu­er­wehr­frau im Hauptjob, es gab sie noch nie – weil die wenigen Frauen, die sich bewarben, bei der Prüfung mit vielen körper­li­chen Übungen schlechter als die Männer abschnitten, die am Ende den Job erhielten.

Die Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr: ein reiner Männer­club? Mit die letzte Bas­tion männli­cher Vor­herr­schaft auf dem Arbeits­markt?

Ganz knapp „Wir wären froh, wenn wir Frauen ein­stellen könnten“, gibt Kom­man­dant Eber­hard Jochim auf Anfrage zu ver­stehen. Es sei nicht gut, wenn nur ein Teil der Bevölke­rung in der Wehr Dienst tue. Eine gute Mischung sei sinn­voll. Bei der letzten Ein­stel­lungs­runde seien unter 70 Bewer­bern zwei Frauen gewesen. Die Anfor­de­rungen im Fit­ness-Test sind für alle gleich, egal wel­ches Geschlecht ein Bewerber hat. Im Brand­ein­satz in voller Montur mit einer Ausrüstung, die bis zu 45 Kilo­gramm wiegt, müssen die Chefs von jeder Feu­er­wehr­kraft gute Leis­tungen ver­langen. Hinter den besten Männern kommen Frauen kaum zum Zug. Den Test ver­ein­fa­chen? „Er wurde schon verändert“, sagt Jochim. Die Deut­sche Sport­hoch­schule Köln hat inzwi­schen mit dem Städtetag ein Übungs­pro­gramm erstellt (siehe Kasten), das geschlechts­neu­tral sein soll. Bei einigen Übungen wie dem Balan­cieren auf dem Schwe­be­balken seien Frauen im Vor­teil, so Jochim. Heute müsse man schwere Puppen nicht mehr hoch­heben, son­dern ziehen. Im Vor­jahr sei eine Bewer­berin „nur ganz knapp nicht dabei gewesen“, berichtet Feu­er­wehr­spre­cher Jürgen Vogt. „Wir hatten schon Frauen, die waren besser als Männer.“ Aber eben nicht besser als die besten männli­chen Bewerber.

Ohne Vor­be­rei­tung kommt man beim Auf­nah­me­test nicht weit. Vogt emp­fiehlt, ein halbes Jahr vor dem Termin mit dem Trai­ning zu beginnen. Bei der Per­so­nen­ret­tung, bei der eine 75 Kilo schwere Puppe an einem Gurt im Kreis gezogen werden muss, schei­tern viele Bewerber. „Auch Männer“, betont Vogt.

Stolz: Mit großem Eifer ist Lena Wie­land (27) bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Böckingen dabei. Im Ehrenamt zwar. Beim Ein­satz ist die Ausrüstung aber die gleiche wie bei der Berufs­feu­er­wehr. Lena Wie­land kam von der Jugend­feu­er­wehr zu den Aktiven. Die Auf­nah­meprüfung für die Berufs­feu­er­wehr würde sie sich „mit Vor­be­rei­tung“ zutrauen. Aber wech­seln? Sie ist Sicher­heits­in­ge­nieurin bei einem Ener­gie­ver­sorger. Feu­er­wehr sei ihr Hobby, ein wich­tiger Aus­gleich zum Beruf. Bei Ver­kehrsunfällen, Woh­nungsbränden, nach Sturm- oder Hoch­was­serschäden packt die Grup­penführerin mit an. Die Auf­gabe macht der 27-Jährigen großen Spaß; die Technik findet sie span­nend, man lerne auch viel fürs Leben. Nach einem erfolg­rei­chen Ein­satz fühlt sie sich „brot­fertig, aber stolz“. 50 Kilo wiegt Wie­land. Fast ihr ganzes Köper­ge­wicht kommt bei einem Ein­satz an Ausrüstung dazu. Man dürfe kein zartes Pflänzchen sein. Doch auch wenn nur wenige Frauen dabei sind: „Wir werden akzep­tiert und respek­tiert.“ Das Kli­schee von einem Fei­er­verein stimme nicht. Und: Es „guckt auch keiner“, wenn man sich vor einem Ein­satz umzieht.

In die aktive Frei­wil­lige Feu­er­wehr Böckingen gewech­selt ist nun auch Jen­nifer Bentz (17). Ihr Vater ist Kom­man­dant in Klin­gen­berg, schon als Schülerin hat sie in der Jugend­wehr ange­fangen. Als Exotin fühlt sie sich nicht. Immerhin drei Frauen sind in der Böckinger Wehr aktiv – neun sind es in den ganzen frei­wil­ligen Wehren in der Stadt. Neun von 290 Aktiven (3,1 Pro­zent). Ein paar mehr Frauen bei der Wehr würden Lena Wie­land und Jen­nifer Bentz in jedem Fall begrüßen. „Frauen sollten mehr Mut haben“, findet Lena Wie­land. „Und es ein­fach mal aus­pro­bieren.“

Aus­nahme Wie viele Frauen bun­des­weit in Berufs­feu­er­wehren arbeiten? Bei einer Zählung im Jahr 2008 waren es 550. Von etwa 1000 geht Susanne Klatt vom Netz­werk Feu­er­wehr­frauen mit Sitz in Dort­mund heute aus. Inzwi­schen hätten die meisten Berufs­wehren weib­liche Kräfte. Null Frauen wie in Heil­bronn sei eher die Aus­nahme. Die Auf­nah­meprüfung sei für alle schwer. Um Frauen zu fördern, rät Klatt, im sport­li­chen Teil nur zwi­schen bestanden und nicht bestanden zu unter­scheiden. Zudem andere Tests und die Persönlich­keit zu bewerten. Es nütze ja nicht viel, wenn jemand „einige Meter schneller rennt – aber sonst nicht so richtig rein­passt“