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Im Notfall bleibt der Rollstuhl oben

Bad Friedrichshallvon Carsten Friese, HSt

Hek­tisch rennen Pfle­ge­rinnen über die Sta­tion. „Feuer“ steht in Rot auf der Digi­tal­an­zeige im 1. Stock des DRK-Pfle­ge­heims Resi­denz in Bad Fried­richs­hall. Seit Minuten heult schon die Sirene, die ersten Feu­er­wehrkräfte kommen mit Atem­schutzgeräten und Äxten die Treppe hoch. Alle üben die Ret­tung in einem der schwie­rigsten Bereiche, wo Bettlägerige, Demenz­kranke oder Bewohner im Roll­stuhl ohne Hilfe kaum eine Chance auf eine Flucht aus einem bren­nenden Haus haben.Aus­nahme Der Ernst­fall wird simu­liert. 13 Bewohner sind noch im Wohn­be­reich 1, wo eine Mikro­welle Feuer gefangen hat. Drei Pfle­ge­rinnen tragen eine bettlägerige Pati­entin in Decken gehüllt auf den Balkon. „Was machen die da, ich will nicht raus“, spielt eine DRK-Hel­ferin eine Demenz­kranke, die sich gegen ihre Ret­tung wehrt. Roll­stuhl­fah­re­rinnen, eben­falls vom DRK oder vom Per­sonal gemimt, fahren zum offenen Fenster und rufen laut um Hilfe. „Schickt ein paar Leute hoch“, dringen Worte nach unten, während Feu­er­wehrkräfte an der Rückseite des Gebäudes die bettlägerige Frau auf dem Balkon mit der Dreh­leiter in Sicher­heit bringen.

110 Ein­satzkräfte testen das Zusam­men­spiel. Eine Größenord­nung, die es hier in der Art noch nicht gab. „Ein Brand im Pfle­ge­heim ist eine Aus­nah­me­si­tua­tion. Wir müssen das immer wieder üben“, betont Leiter Andreas Haupt.Was tun, wenn der Fahr­stuhl nicht genutzt werden kann? Die Flo­ri­ansjünger hieven die Roll­stuhl­fahrer auf Stühle und tragen sie mit ver­einten Kräften durchs Trep­pen­haus. Bei den Bettlägerigen werden Tragen ein­ge­setzt. Zwi­schen­durch immer wieder beru­hi­gende Worte für die War­tenden. „Das Feuer ist unter Kon­trolle. Sie sind hier im geschützten Bereich“, spricht Bad Fried­richs­halls Feu­er­wehr­chef Kurt Semen die Lai­en­schau­spieler an. „Es braucht Zeit, die Men­schen run­ter­zu­bringen“, sagt er später in der Lage­be­spre­chung. Im Ernst­fall müsse einiges noch etwas schneller gehen. Doch ins­ge­samt habe man den Ein­satz gut im Griff gehabt.

Schreie Nach rund 40 Minuten ist der letzte der 13 Bewohner bei den Rot-Kreuz-Hel­fern in Sicher­heit. Alle und ein Feu­er­wehr­mann, der mit herz­zerreißenden Schreien einen Hüftbruch simu­liert hat, wurden ver­sorgt, zieht der Lei­tende Not­arzt Dr. Georg Breuer Bilanz. Er weiß aber auch, dass es „schwierig wird“, wenn Demenz­kranke bei einem echten Brand „überall aus dem Haus rennen“.„Hoffen wir, dass es nie brennt“, sagt Karin Remm­linger, die Fall­ma­na­gerin im Pfle­ge­heim, nach der Übung. Für Heim­leiter Andreas Haupt hat das Sze­nario „etwas Beru­hi­gendes“, weil man sehe, dass das Zusam­men­spiel der Ein­satzkräfte funk­tio­niere. Das sieht auch Heim­be­wohner Her­bert Paschke (78) so. Auf einer Bank vor dem Haupt­ein­gang hat er die Übung ver­folgt. Jetzt läuft er mit Krücken wieder ins Haus. „Das müssen sie pro­bieren, das ist gut so.“ Furcht vor einem Feuer hat er nicht. Er wohnt im ersten Stock und erzählt, wie man Bett­laken zusam­men­knoten und sich außen her­un­ter­lassen könne. „Das sind ja nur zwei Meter. Da bricht man sich höchs­tens den Fuß.“

Bild 1: Wer kann durch wel­chen Fluchtweg wie gerettet werden? Im Pfle­ge­heim ist die Lage schwierig. Tragen oder auch Stühle dienen als Trans­port­mittel.Bild 2: Eine bettlägerige Pati­entin wird von den Ret­tungskräften aus dem Zimmer…Bild 3: …gebracht und auf einer Trage durchs Trep­pen­haus ins Freie getragen. (Fotos: Ralf Seidel)