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HSt-Heimat: Geschichte der Freiwillige Feuerwehr Neuenstadt am Kocher

Neuenstadt a.K.von Hartmut Schaffroth

Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Neu­en­stadt wurde 1861 gegründet und gehört somit zu den ältesten Feu­er­wehren des heu­tigen Land­kreises Heil­bronn. Im dama­ligen Ober­amts­be­zirk Neckar­sulm, waren wir in Neu­en­stadt sogar die ersten, die sich nach dem Motto „Einer für alle – alle für einen“ zusam­men­ge­schlossen haben. Struktur und Ausrüstung unserer Feu­er­wehr wurde in der Deut­schen Feu­er­wehr­zei­tung vom 28. August 1863 genau­es­tens beschrieben. Sie umfasste damals schon 225 Mann und hatte fünf Abtei­lungen. Das war eine beacht­liche Größe, wenn man bedenkt, dass Neu­en­stadt zu der Zeit nur 1500 Ein­wohner hatte. Davon frei­willig war nur die 30 Mann starke Stei­ge­r­ab­tei­lung, ver­gleichbar mit dem heu­tigen Angriffs­trupp und somit die „Eli­te­ab­tei­lung“, in wel­cher hauptsächlich die Turner ver­treten waren.

Das Sprit­zen­haus war von Anfang an zen­tral im Erd­ge­schoß des alten Rat­hauses in der Haupt­straße unter­ge­bracht. 1972 bis 1973 kam die Gemein­de­re­form. Aus den ehe­mals 5 selbstständigen Feu­er­wehren Neu­en­stadt, Cle­ver­sulz­bach, Kochertürn, Stein und Bürg musste eine Ein­heit mit 5 Abtei­lungen gebildet werden. Beim Zusam­men­schluß waren als Löschfahr­zeuge das LF 8 der Feu­er­wehr Neu­en­stadt und jeweils ein Ford Transit als Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug in Cle­ver­sulz­bach und Kochertürn vor­handen.

Aktuell besteht die Feu­er­wehr Neu­en­stadt aus drei Abtei­lungen mit ins­ge­samt 125 Männer und Frauen in den Ein­satz­ab­tei­lungen, genauer 118 Männer und 7 Feu­er­wehr­frauen. Davon stehen in der Abtei­lung Neu­en­stadt 47, in der Abtei­lung Cle­ver­sulz­bach 26 und in der seit 2005 gemein­samen Abtei­lung Stein/Kochertürn 47 Kame­ra­dinnen und Kame­raden für den Ein­satz bereit.

Weiter bestehen zwei Alters­ab­tei­lungen mit zusammen 37 Feu­er­wehr­se­nioren.

Um den Bestand der Ein­satz­ab­tei­lungen zu sichern und zu ver­bes­sern, wurde 1990 eine Jugend­feu­er­wehr gegründet, in der aktuell 26 Jungen und 8 Mädchen sich alle zwei Wochen zur Feu­er­wehr­technik, Wettkämpfen, Spiel und Spaß treffen. Seit der Gründung wurden 70 Mit­glieder aus der Jugend­feu­er­wehren in die Ein­satz­ab­tei­lungen über­nommen, wovon immer noch 45 aktiv dabei sind. Wir sehen uns per­so­nell gut auf­ge­stellt, da sich die Abtei­lungen gegen­seitig ergänzen. Zudem rücken auch immer mehr Ein­pendler, die in ihrer Hei­mat­stadt in der Feu­er­wehr sind, tagsüber mit uns aus. Trotzdem bleibt es eine schwie­rige Auf­gabe die Tagespräsenz bei stei­gender Mobilität der Bevölke­rung und damit auch der Feu­er­wehr­angehörigen sicher zu stellen. Wir sind froh und dankbar über jede wei­tere Verstärkung aus der Bevölke­rung, dabei wird auch zukünftig der Anteil der Frauen in der Feu­er­wehr zunehmen müssen, um die Sollstärken ein­halten zu können.

Fahr­zeuge in der Feu­er­wehr Neu­en­stadt:

In der ein­satzstärksten Abtei­lung, Kern­stadt Neu­en­stadt, stehen im 1985 bezo­genen Feu­er­wehr­haus in der Schaf­gasse, fol­gende Fahr­zeuge zur Verfügung:

Kom­man­do­wagen (Kdow), Mann­schafts­trans­porter (MTW 1) sowie ein MTW für die Jugend­feu­er­wehr,

zwei Hil­fe­leis­tungslöschfahr­zeuge (HLF 20), davon das neuste HLF 20, wurde kürzlich am 28.05.2017 an die Feu­er­wehr überg­eben, ein Tanklöschfahr­zeug (TLF 16/25), eine Dreh­leiter (DLA(K) 23/12), ein Gerätwagen-Trans­port (GW-T).

In der Abtei­lung Cle­ver­sulz­bach: ein Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug (TSF-W).

In der Abtei­lung Stein/Kochertürn: ein MTW, ein Löschgrup­pen­fahr­zeug LF8/6 sowie ein Löschgrup­pen­fahr­zeug LF8-TS. Weiter stehen in der Abtei­lung ein Ölsperranhänger sowie ein Mehr­zweckanhänger zur Verfügung.

Das erste Großfahr­zeug der Feu­er­wehr Neu­en­stadt, ein 1985 in Dienst gestelltes Tanklöschfahr­zeug TLF 16/25 wird Ende Juni 2017 außer Betrieb genommen.

Zur Ent­rau­chung des Tun­nels Hölzern fand noch 2002 der Mobile land­kreis­ei­gene Großven­ti­lator seinen Platz in Neu­en­stadt. Dieser wurde im Jahr 2010 zur Berufs­feu­er­wehr nach Heil­bronn abge­geben.

Auch in Feu­er­wehrhäuser wurde inves­tiert.

Ein erfreu­li­cher Aus­gang nahm 2005 das Zusam­menführen der Abtei­lungen Stein und Kochertürn mit dem Neubau eines gemein­samen Feu­er­wehr­hauses am Orts­rand von Stein in Rich­tung Kochertürn. Eine Abtei­lung war ent­standen, die heute mehr denn je den Anfor­de­rungen der Zeit gewachsen ist und auch über eine aus­rei­chende Tagespräsenz verfügt. 2008 wurde das Feu­er­wehr­haus der Abtei­lung Cle­ver­sulz­bach grund­le­gend reno­viert und auf den Stand der Technik gebracht.

In Neu­en­stadt leben zur­zeit knapp 10.000 Ein­wohner in 5 Orts­teilen. Wir haben eine Gemar­kungsfläche von ca. 4200 ha. Zum Ein­satz­ge­biet unserer Feu­er­wehr gehört seit 2004 die Auto­bahn A 81 von Möckmühl bis zum Weins­berger Kreuz, dazu gehört auch der Auto­bahn­tunnel Hölzern. Tagsüber werden wir bei Einsätzen in Lan­gen­bret­tach mit alar­miert. Im Jah­res­durch­schnitt kommen ca. 80 Einsätze zusammen. Durch die Unwet­ter­lagen im Jahr 2016 kamen wir auf über 130 Einsätze.

Mit den Gewer­be­an­sied­lungen im Gewer­be­park im Kochertal kamen zu den bereits bestehenden Betrieben wei­tere mit­telständi­sche Unter­nehmen mit über 1500 neuen Arbeitsplätzen hinzu, die wir brand­schutz­tech­nisch abde­cken müssen.
Außerdem haben wir ein Alten­pfle­ge­heim, ein Haus für Betreutes Wohnen, his­to­ri­sche Gebäude und Schlösser, Schulen mit über 2000 Schülern und vieles anderes mehr, die zu unserem Zuständig­keits­be­reich gehören.

Ein spek­takulärer Ein­satz der Ver­gan­gen­heit war der schwere Kran­un­fall am 23.06. 2013, bei dem ein Kran mit Aus­sichts­gondel abstürzte und dabei Lehrer und Schul­kinder ver­letzt wurden. http://www.stimme.de/heilbronn/hn/Nach-Unglueck-Psychologen-betreuen-Schueler;art31502,2832869

Außerdem hatten wir schwere Ver­kehrsunfälle mit Toten und Ver­letzten auf der Auto­bahn und auf Land­straßen.

Natürlich stellten auch die Unwetter mit Über­schwem­mungen der ver­gangen Jahre, im Orts­teil Stein 2008 und im gesamten Gemein­de­ge­biet 2016 vor schwie­rige Auf­gaben, die es zu bewältigen gab.

Die Feu­er­wehr Neu­en­stadt hat sich stetig wei­ter­ent­wi­ckelt und ist per­so­nell und fahr­zeug­tech­nisch gut auf­ge­stellt. Auf neue Her­aus­for­de­rungen haben wir mit der Anpas­sung von Ausrüstung und Fahr­zeug­park reagiert.
Die Auf­ga­ben­schwer­punkte haben sich in den letzten Jahren von der reinen Brandbekämpfung hin zur tech­ni­schen Hil­fe­leis­tung bei Unfällen und bei Natur­er­eig­nissen gewan­delt. Hierzu stehen uns heute moderne Lösch- und Hil­fe­leis­tungs­fahr­zeuge, Schutz­ausrüstungen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mittel zur Verfügung.

Ein umfang­rei­cher Übungs­be­trieb - jede Abtei­lung übt min­des­tens zweimal im Monat, dazu kommen Sonderübungen für Maschi­nisten und Dreh­lei­ter­ma­schi­nisten sowie wei­tere gemein­same Ein­satzübungen mit allen Abtei­lungen - stellt die Ein­satz­be­reit­schaft der Feu­er­wehr sicher.

Seit vielen Jahren gehört die Brand­schutz­er­zie­hung in den Kin­dergärten und Schulen zum festen Pro­gramm der Feu­er­wehr. Wir bringen uns ebenso bei den jährli­chen Festen aktiv in das gesell­schaft­liche Leben der Stadt ein. Der Rückhalt der Feu­er­wehr in der Bevölke­rung und im Gemein­derat ist sehr gut. Alle erfor­der­li­chen Inves­ti­tionen, die schlüssig belegbar sind, werden mit großer Zustim­mung getragen. Vieles hat sich über die Jahr­zehnte verändert, jedoch bis heute gleich­ge­blieben ist die Frei­wil­lig­keit der Kame­raden und Kame­ra­dinnen, auf deren Basis unsere Feu­er­wehr funk­tio­niert, die bereit sind, zu jeder Tages- und Nacht­zeit auszurücken, um Mit­men­schen zu helfen, die in Not geraten sind. Dies geschah und geschieht oft auch unter Ein­satz ihres Lebens. Damit sich auch in der Zukunft immer wieder Frei­wil­lige finden, ist es wichtig, aktiv die Jugend anzu­spre­chen, um bei uns mit zu arbeiten und in die gemein­same Auf­gabe hinein zu wachsen.