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Hohe Konzentration bei der Großübung

Möckmühlvon David Binnig, HSt; Feuerwehr Möckmühl

Bei den Flo­ri­ansjüngern sitzt jeder Hand­griff. Die erste Auf­gabe dient zum Warm­werden. Der Fahrer in dem umge­kippten Auto ist ein­ge­klemmt. Des­halb müssen die Helfer den Wagen mit Luft­kissen und Stützen sta­bi­li­sieren. Diese Her­aus­for­de­rung bewältigen die Männer und Frauen in acht Minuten.

Es ist eine Fahrt ins Unge­wisse. Eine kurze, rasante Fahrt. Drei Kilo­meter nur. In der Kolonne geht es durch Möckmühl. Acht rote, voll­be­setzte Fahr­zeuge. Keiner der Insassen weiß, was auf ihn zukommt. Nur eines ist sicher: Es wird ein langer, harter Tag.

33 Leute sind unter­wegs zu ihrer bisher größten Übung. Die Männer und Frauen der Möckmühler Feu­er­wehr trai­nieren jede Woche für den Ernst­fall. Mit wel­chen Kata­stro­phen sie heute an ihrem Ein­satzort kon­fron­tiert werden, weiß nur einer. Der, der sich alles aus­ge­dacht hat: Axel Zielonka. Er ist der ver­ant­wort­liche Betriebs­leiter. Im grauen Koloss, im Logis­tik­zen­trum von Kauf­land. 217 000 Qua­drat­meter umfasst das Betriebsgelände. Viel Platz für Feu­er­wehrübungen.

Kein Gefahr­gutzug Die erste, reale Unglücks­bot­schaft trifft um 8.50 Uhr ein. Sie kommt von den Kame­raden aus Bad Rap­penau. Ihr Gefahr­gutzug ist lie­gen­ge­blieben. Uwe Thoma bleibt gelassen. „Im Ernst­fall wären wir auch erstmal auf uns allein gestellt." Schwerer Ver­kehrs­un­fall auf dem Kauf­land-Gelände lautet die gerade ein­ge­gan­gene Mel­dung. Ein Auto steht da, ein anderes liegt auf der Seite, der Fahrer ist ein­ge­klemmt. Jeder weiß, was zu tun ist. Jeder Hand­griff sitzt. Das Auto wird sta­bi­li­siert. Dann kommt die Front­scheibe raus, dann der Ver­letzte - ein Dummy aus Holz. Nach acht Minuten ist alles vorbei.

Das Ther­mo­meter zeigt minus fünf Grad. Doch die Flo­ri­ansjünger kommen ins Schwitzen. Denn aus dem angren­zenden Trep­pen­haus dringt Qualm. Das Feuer hat die Kälte­an­lage des Logis­tik­zen­trums beschädigt. Und noch viel schlimmer: Gif­tiger Ammo­niak wurde frei­ge­setzt. Zwölf Tonnen davon zir­ku­lieren im Kühlsystem. „Wenn das alles aus­treten würde, wäre hier Ende Gelände." Doch das Sicher­heits­kon­zept funk­tio­niert. Uwe Thoma schickt seine Froschmänner hinein. Es dauert eine Weile, bis die grünen Ein­teiler mit der Sau­er­stoff­fla­sche dar­unter richtig sitzen.

Zu zweit ver­schwinden die großen grünen Männchen im dunklen Ein­gang. Einer trägt ein Gerät, das aus­sieht wie ein Fern­glas am Stiel. Mit dieser Wärme­bild­ka­mera kann man durch Wände sehen. Im obersten Stock finden die Feu­er­wehr­leute einen Dummy und schleppen ihn raus aus der ste­chend stin­kenden Wolke, aufs Dach. Dort wartet Jürgen Weißmann auf der kleinen Platt­form der Dreh­leiter. Behutsam gleitet er mit­samt Puppe nach unten. Aus­ruhen kann er dort nicht. Der nächste Unfall wartet. Diesmal im Hoch­re­gal­lager.

Feuer im Fleisch­werk 15 Meter sind die Regale hoch, 25 die Decke. Bis zu 20 000 Paletten gehen täglich im Logis­tik­zen­trum rein und raus. Wieder muss Jürgen Weißmann nach oben. Dort hängt ein abgestürzter Tech­niker am Regal. Der Dummy ist extrem schwer zu errei­chen. Doch nach einigen Minuten liegt er sicher am Boden und kann abtrans­por­tiert werden. Wor­aufhin unverzüglich der nächste Übungs­teil beginnt. Jetzt brennt es im Fleisch­werk. Wieder werden die Atem­masken ange­legt. Am Schluss ist der Kom­man­dant hoch­zu­frieden. Genau wie Axel Zielonka von Kauf­land: „Wir sind froh, euch in der Nähe zu haben." Des­halb gibt's Essen in der Kan­tine und die zwei „Unfall­autos" als Geschenk. „Die könnt ihr zer­legen." Man muss ja in Übung bleiben.

Bild­be­schrei­bung

Hohe Kon­zen­tra­tion bei der Großübung. Bei den Flo­ri­ansjüngern sitzt jeder Hand­griff. Die erste Auf­gabe dient zum Warm­werden. Der Fahrer in dem umge­kippten Auto ist ein­ge­klemmt. Des­halb müssen die Helfer den Wagen mit Luft­kissen und Stützen sta­bi­li­sieren. Diese Her­aus­for­de­rung bewältigen die Männer und Frauen in acht Minuten. Foto: David Binnig