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Helme, die auf keinen Kopf passen

Brackenheimvon Thomas Dorn, HSt

Wer schon einmal mit­tel­al­ter­liche Rüstungen bestaunt hat, weiß, dass die Men­schen früher nicht so groß wurden wie heute. Die Son­der­aus­stel­lung im Hei­mat­mu­seum Boten­heim lie­fert einen wei­teren Beweis. Die neben­ein­ander auf­ge­reihten, glänzenden Feu­er­wehr­helme aus Mes­sing sehen ein­drucks­voll aus, „sind aber alle so klein, dass sie heute keinem mehr passen“, sagt Muse­ums­lei­terin Christa Brückner schmun­zelnd.

Jubiläum 150 Jahre Feu­er­wehr Bra­cken­heim: Das runde Jubiläum ist Anlass für die Schau im ehe­ma­ligen Rat­haus. Eine ganze Reihe inter­es­santer Stücke aus der Geschichte der Flo­ri­ansjünger sind dort zu sehen. Der Hydrant­wagen etwa, der fast hun­dert Jahre auf dem Buckel hat. Ein skurril anmu­tender „Rauch­helm-Apparat“ mit einem der ersten Sau­er­stoffgeräte. Alte und neue Uni­formen. Jede Menge Gerätschaften wie Äxte, Stand­rohre, Hand­pumpen oder Lampen, die im Ein­satz gebraucht wurden, bis hin zu kleinen Feu­er­wehr­mo­dell­autos.

Viele Expo­nate sind aus der Samm­lung des Bra­cken­hei­mers Helmut Apelt. „Ihm ver­danken wir auch unsere Helm­ga­lerie“, erklärt Christa Brückner. Die Buch­staben B, S oder N auf der Vor­der­seite machen deut­lich, ob der Helm von einem Feu­er­wehr­mann aus Boten­heim, Stock­heim oder Neip­perg getragen wurde. Ein Kopf­schutz mit Pfer­de­schweif ver­weist auf eine andere Beson­der­heit: „Nur Neip­perg hatte eine berit­tene Feu­er­wehr.“

Ein amüsantes Detail ist die städti­sche Fahne von 1835. Auch sie ziert das Bra­cken­heimer Wap­pen­tier, die Bracke - aller­dings in einem recht trau­rigen Zustand. „Ja, so aus­ge­hun­gert hat unser Hund mal aus­ge­sehen“, lacht Christa Brückner. Inzwi­schen reckt das Tier den Kopf längst stolz in die Höhe.

Zwei Vitrinen haben mit Philipp Müller zu tun. Der ehe­ma­lige Oberlösch­meister gilt als „die Verkörpe­rung der Feu­er­wehr schlechthin“, weiß die Muse­ums­lei­terin. Er bekam etliche Aus­zeich­nungen, wurde 1958 auch Ehren­mit­glied; damals hatte er 45 Dienst­jahre hinter sich.

Auf­gabe Ein Brief seiner Frau von 1948 an die Feu­er­wehr Bra­cken­heim lässt ahnen, wie viel Zeit er für das Ehrenamt geop­fert hat. „Möchte hiermit Mit­tei­lung machen, dass ich meinen Mann jetzt ganz der Feu­er­wehr zur Verfügung stelle“, schreibt sie in iro­ni­schem Ton. Für die wenigen Stunden, in denen er noch Zeit für sie hätte, habe sie sich „einen Hund gekauft, der knurrt, einen Papagei, der flucht, einen Herd der raucht, und eine Katze, die nachts auch nicht heim­kommt“.

Das Hei­mat­mu­seum ist bis Ende Oktober immer am ersten Sonntag im Monat, also auch am 6. Sep­tember, geöffnet, außerdem nach Absprache: Telefon 07135/7606.

Bild: Blick in die Feu­er­wehr­ge­schichte: Muse­ums­lei­terin Christa Brückner vor dem rund 100 Jahre alten Hydrant­wagen der Boten­heimer Wehr.Foto: Thomas Dorn