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Großbrand: Wiederholung möglich?

Schwaigernvon Andreas Tschürtz, HSt

Die Ermitt­lungen der Kri­mi­nal­po­lizei zur Brand­ur­sache im Recy­cling-Betrieb Kurz in Schwai­gern sind abge­schlossen. Ein Fremd­ver­schulden schließen die Experten sicher aus. „Es scheint sich um eine Selbst­entzündung gehan­delt zu haben“, sagt der Spre­cher der Heil­bronner Polizei, Rainer Köller. „Das kommt durchaus vor.“ Zum Bei­spiel, wenn bestimmte Che­mi­ka­lien zusam­men­kommen oder Flüssig­keiten zu warm werden und sich selbst entzünden. „Welche Stoffe ursächlich für den Brand waren, lässt sich nicht mehr rekon­stru­ieren“, sagt Köller.

Lücken­hafte Kon­trollen

Gott­fried May-Stürmer, Geschäftsführer vom BUND Heil­bronn-Franken schließt aus der Erklärung der Ermittler: „Dann müssen dort Che­mi­ka­lien gewesen sein, die in den Son­dermüll gehören und nicht auf den Recy­clinghof.“ Wert­stoffe, die nor­ma­ler­weise auf einen Recy­clinghof kommen, könnten eine Selbst­entzündung jeden­falls nicht ver­ur­sa­chen. Anders sähe es aus, sollten etwa in Plas­tik­ka­nis­tern noch Reste von Flüssig­keiten in die Wie­der­ver­wer­tung gelangen. „Aber das müssten die Ein­gangs­kon­trollen fest­stellen“, sagt May-Stürmer. Eine erneute Selbst­entzündung kann somit der­zeit nicht aus­ge­schlossen werden. Das Gewer­be­auf­sichtsamt will daher mit dem Betrieb „bespre­chen, was künftig zur Brand­ver­mei­dung getan werden kann“, sagt Land­rats­amt­spre­cher Hubert Wal­den­berger. Hin­weise, dass Vor­schriften nicht ein­ge­halten wurden, gäbe es aber bis­lang nicht.

„Der Brand ist in dem sor­tierten Mate­rial ent­standen", sagt Fir­men­chef Peter Kurz. Es gebe eben eine grundsätzliche Schwie­rig­keit: „Wenn Sie den gelben Sack anschauen, wissen Sie auch nicht, was alles drinnen ist." Zwar sor­tiere die Firma nach Kunst­stoffen, Tetra­pa­ckungen oder Metallen. „Aber man hat immer einen gewissen Mix." Wie bei anderen Bränden auch, müsse eine ganze Kette unglückli­cher Umstände zustande gekommen sein. „Wir betreiben die Sor­tier­an­lage jetzt immerhin 15 Jahre ohne Vor­komm­nisse." Noch ist die Anlage nicht wieder in Betrieb. Den Schaden gibt Kurz wei­terhin als sechs­stellig an.

Gefahr besteht fort

Für May-Stürmer bleibt wegen der zahl­rei­chen offenen Fragen nach dem Großbrand „ein Magen­grum­meln“. Nach wie vor findet er es fahrlässig, dass keine Boden­proben genommen werden, um eine mögliche Belas­tung des Umlands mit Dioxinen fest­zu­stellen. „Man kann keine Ent­war­nung geben, nur weil man gar nicht erst ver­sucht, Dioxine nach­zu­weisen.“ Die Feu­er­wehr hatte es als unwahr­schein­lich ein­ge­stuft, dass Dioxine bei dem Brand am vor­ver­gan­genen Sonntag in großem Umfang ent­standen sind. Aber wenn doch? „Grundstücks­ei­gentümer wären die dummen, falls ihr Boden dioxin­be­lastet ist“, sagt May-Stürmer. Hätte er Land im Ein­zugs­be­reich der Rauch­wolke, „würde ich von den Behörden ver­langen, dass Boden­proben genommen werden – solange man noch weiß, woher die Schad­stoffe kommen.“