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Gleiche Hilfeleistung für jeden Bürger

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Rolf Muth, HSt

Ende des Jahres soll die inte­grierte Leit­stelle in Heil­bronn in Betrieb gehen. Hier laufen sämtliche Not­rufe auf vom Herz­in­farkt bis zum Großbrand. Das stellt die Ret­tungskräfte im Vor­feld vor neue Her­aus­for­de­rungen. Die Alarm- und Ausrücke­ord­nung der Feu­er­wehren wurde fort­ge­schrieben und mit einem Regel­werk des Innen­mi­nis­te­riums abge­gli­chen. "Jeder Bürger muss bei einem ver­gleich­baren Ereignis die gleiche Hilfe erhalten", nennt Kreis­brand­meister Uwe Vogel das Ziel. Die Dis­po­nenten in der künftigen Leit­stelle sollen Not­rufe nach einer klar defi­nierten Liste abar­beiten. Darin sind 50 Stich­worte für Brand­fall und tech­ni­sche Hilfe ent­halten, unter­teilt in vier Stufen.

Klare Infor­ma­tionen

Kernstück ist ein Rechner, der zur­zeit mit den ent­spre­chenden Infos gefüttert wird. Etwa über die Tages­verfügbar­keit einer Wehr. Sollte die Mann­schaftsstärke nicht zur Verfügung stehen, alar­miert der Rechner auto­ma­tisch die Nach­bar­wehr. Hin­ter­legt sind hier auch die Num­mern des örtli­chen Was­ser­meis­ters oder des Betriebs­elek­tri­kers, der den Strom abschalten kann. Bei einem Woh­nungs­brand, Stufe 2, ist wei­terhin nur die örtliche Wehr gefor­dert. Ist ein Men­schen­leben in Gefahr und wird diese Info bereits beim Notruf mit­ge­lie­fert, gibt der Dis­po­nent die Stufe 3 ein. Die Nach­bar­schafts­hilfe rückt gleich­zeitig aus.

Kel­ler­brand? So kurios es klingt: Auch hier wird die Dreh­leiter sofort auf die Reise geschickt. "Rauch­ent­wick­lung im Keller heißt immer auch ein ver­rauchtes Trep­pen­haus", sagt Vogel. Wer im Dach­ge­schoss wohnt, kommt also nur über eine Dreh­leiter in Sicher­heit. Auch bei Alten­heimen wird bei Ein­gang des Not­rufs sofort eine der elf Dreh­lei­tern im Land­kreis alar­miert.

In vielen Fällen oblag es bisher dem zuständigen Kom­man­danten vor Ort, Kräfte nach­zu­for­dern. Die Auto­matik, die die neue Alarm- und Ausrücke­ord­nung bekommt, hat den Vor­teil, dass mehr kom­pe­tente Hilfe und Ausrüstung schneller vor Ort ist. Die Hilfs­frist von elf Minuten wurde auf zehn redu­ziert. Auch die Dreh­leiter, für die es diese Maßgabe bis­lang nicht gab, hat künftig in dieser Zeit ein­zu­treffen.

Diese Vor­gangs­weise ist auch bei der tech­ni­schen Hilfe hin­ter­legt. Wird also beim Notruf eine ein­ge­klemmte Person gemeldet, fährt auto­ma­tisch ein zweites Fahr­zeug mit einem Rüstsatz also Schere und Spreizer los, um even­tuell auch eine nicht gemel­dete zweite Per­sonen frei­zu­schneiden. "Mit einem zweiten Satz", so Vogel, "ist man auch darauf ein­ge­stellt, falls eines der tech­ni­schen Geräte ver­sagt."

Fort­schritt

Der Chef des Kreis­feu­er­wehr­ver­bandes Heil­bronn, Rein­hold Gall, begrüßt diesen Fort­schritt: "Egal wie groß die Kom­mune ist oder wie gut eine Feu­er­wehr aus­ge­stattet ist jeder Bürger wird gleich behan­delt." Diese noch bes­sere Zusam­men­ar­beit schwäche weder die kleinen Ein­heiten noch würden die Großwehren auf­ge­wertet. Vogel: "Grund­lage ist wei­terhin die direkte Nach­bar­schafts­hilfe."

Kritik, etwa aus Neckar­west­heim, wo Bürger­meister Mario Dürr den vor­sorg­li­chen Ein­satz von gleich­zeitig zwei Sätzen Ret­tungs­scheren und Sprei­zern für über­zogen hält, ver­steht Gall nicht. "Wir haben das Thema in der Feu­er­wehr breit dis­ku­tiert und großen Kon­sens erzielt." Aller­dings seien kleine Kor­rek­turen auch nicht aus­ge­schlossen: "Nichts ist in Stein gemeißelt."

Per­so­nal­stand

Im Land­kreis Heil­bronn leisten fast 6200 Männer und Frauen Dienst bei den 46 frei­wil­ligen Feu­er­wehren, davon fast 3900 aktiv. Diese sind in 106 Abtei­lungen auf­ge­teilt. Dazu kommen wei­tere 359 Aktive bei den sechs Werk­feu­er­wehren. Sie alle sind von der neuen Alarm- und Ausrücke­ord­nung betroffen. Kreis­brand­meister Uwe Vogel wird die Verände­rungen bei der Dienst­ver­samm­lung am Samstag, 12. März, in Weins­berg erläutern. Mit ein­zel­nenen Wehren gebe es noch Abstim­mungs­gespräche.