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Geschwollene Finger, vollwaise Küken

Heilbronnvon Helmut Buchholz, HSt

Kuriositätenrückblick 2011

Retten, löschen, bergen, schützen: Das ist das tägliche Brot der Feu­er­wehr­leute. Allein die Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr rückt pro Tag im Schnitt vier Mal aus. Dabei gibt es in jedem Jahr Einsätze, die aus der alltägli­chen Rou­tine fallen, dar­unter kniff­lige und kuriose Fälle, die nie­mand vor­aus­planen kann und die die ganze Impro­vi­sa­ti­ons­kunst der Retter erfor­dern.

Wie jetzt erst am zweiten Weih­nachts­fei­ertag: Da ging doch glatt eine junge Katze verschütt. Das heißt, sie löste sich nicht ganz in Luft auf, war aber nicht mehr zu sehen, nur noch zu hören. Das Tier hatte sich zwi­schen dem Dach­iso­lie­rungs­ma­te­rial und den Zie­geln eines Rei­hen­hauses ver­irrt und fand aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Die Besitzer fanden es aber auch nicht, genauso wenig die Feu­er­wehr. Doch alle hörten die lauten Schreie des verängs­tigten Geschöpfs. Schließlich deckten die Feu­er­wehr­leute an meh­reren Stellen die Ziegel des Daches ab und setzten eine spe­zi­elle Tele­skop­ka­mera ein, um die Katze zu loka­li­sieren. Das brachte schließlich den gewünschten Erfolg und das Tier seinem jungen Besitzer zurück. Zum Dank für die auf­re­gende Ret­tung malte das Kind ein Bild für die Retter (siehe Foto). Undank ist nicht immer der Welten Lohn.

Kleines Besteck Es kommt manchmal vor, dass die Feu­er­wehr­leute nicht zu Einsätzen ausrücken müssen, weil die Einsätze zu ihnen ins Haus kommen. Drei Mal ver­arz­teten die Retter 2011 Men­schen, die ihre Ringe nicht mehr über die Finger ziehen konnten, weil sie zu geschwollen waren. Das ist kein Fall für den großen schweren Spreizer, mit dem Feu­er­wehr­leute Men­schen aus Autos schneiden. In diesem spe­zi­ellen Ein­satz ist eher das kleine Ope­ra­ti­ons­be­steck aus der haus­ei­genen Werk­statt der Wehr gefragt. Mit viel Fin­ger­spit­zengefühl schnitten die Retter das Metall in der Feu­er­wehr­wache durch. Feu­er­wehr­leute müssen manchmal eben auch Fein­me­cha­niker sein.

Tier­lieb­haber sind sie sowieso. Das haben sie nicht nur bei der unsicht­baren Katze am zweiten Weih­nachts­fei­ertag bewiesen, son­dern auch im Juni in Unter­grup­pen­bach. Kurz nach­ein­ander waren die Eltern von sechs Turm­fal­kenküken auf tra­gi­sche Weise ver­unglückt. Der Mut­ter­vogel ertrank in einer Regen­tonne, der Vater geriet unter ein Auto. Die erst vier Tage alten Küken schrien herz­zerreißend in ihrem Nest in einem Unter­hein­rieter Garten, bis sie von Vogel­lieb­ha­bern erhört wurden, die dann die Unter­grup­pen­ba­cher Feu­er­wehr verständigten. Das war die Ret­tung für die voll­waisen Fal­kenküken.

So ein Tier kann die Retter ganz schön in Atem halten. Und sieben Tiere erst recht. Eine Herde Rinder dieser Anzahl büxte im Mai von einer Weide bei Wüstenrot-Ober­heim­bach aus. Das war der Beginn eines tage­langen Katz-und-Maus-Spiels. Wieder musste die Feu­er­wehr ran, sogar die Polizei fahn­dete nach den Rin­dern. Land­wirt Hubert Sinn resümierte damals: "Junge Rinder in freier Wild­bahn ein­zu­fangen, ist gar nicht so ein­fach."