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Für andere das Leben aufs Spiel setzen

Heilbronnvon Franziska Feinäugle, HSt

Selten blickt die Heil­bronner Feu­er­wehr bei ihrer Jah­res­haupt­ver­samm­lung derart weit über die Grenzen der Region und des Landes hinaus wie in diesem Jahr: Nach Japan rich­tete Kom­man­dant Eber­hard Jochim am Frei­tag­abend seine Gedanken - weil sich an der Kata­strophe ablesen lässt, was Feu­er­wehr bedeutet.

Immer wieder, so Jochim in der gut gefüllten Neckar­halle, »hörte man in den ver­gan­genen Tagen, dass Feu­er­wehren ein­ge­setzt sind, um den Super-GAU abzu­wenden«. Ange­sichts des vorher nicht vor­stell­baren Ausmaßes der Kata­strophe »wird auf die Feu­er­wehren gesetzt, damit diese wie selbst­verständlich ihr eigenes Leben für das Mil­lionen anderer ein­setzen«. Dies, wünscht sich Jochim, »sollte sich jeder, vor allem auch Poli­tiker, immer vor Augen halten, wenn es um Kürzungen und Strei­chungen bei Schutz­ausrüstungen und Geräten für die Gefah­ren­ab­wehr geht«.

Böse Folgen

Wie wichtig eine leis­tungsfähige Feu­er­wehr und wie fol­gen­reich ihre Arbeit ist, zeigte Jochim anhand der mögli­chen Aus­wir­kungen eines Großbrandes auf die regio­nale Wirt­schaft auf: Kann ein Brand in einem Betrieb nicht recht­zeitig eingedämmt werden, »kommt die Pro­duk­tion über längere Zeit zum Erliegen, wan­dern langjährige Kunden auf­grund von Lie­fer­schwie­rig­keiten ab, und das trifft das Unter­nehmen, die Stadt und beson­ders die Arbeit­nehmer vor Ort«.

Nicht ohne Grund also spen­dierte ein Heil­bronner Spe­di­teur den Feu­er­wehr­leuten eine vier­stel­lige Summe für die Verkösti­gung an ihrem Haupt­ver­samm­lungs­abend, wie Oberbürger­meister Helmut Him­mels­bach in seiner Ansprache ver­riet: Bei dem Großbrand in der Heil­bronner Austraße im November hatten die 134 Ein­satzkräfte ver­hin­dert, dass sich das Feuer auch noch auf angren­zende Hallen aus­brei­tete.

Zu den wei­teren Großeinsätzen, an die der stell­ver­tre­tende Kom­man­dant Achim Gruber im Rückblick auf das Jahr 2010 erin­nerte, zählen die Ber­gung eines tödlich ver­unglückten Eis­tau­chers aus dem Brei­ten­auer See, ein Feuer im Koh­le­bunker des EnBW-Kraft­werks, der Brand des Böckinger Sze­ne­lo­kals Gar­ten­laube, der Hoch­was­ser­ein­satz nach einem schweren Som­mer­ge­witter und zahl­reiche Unfälle.

Dank per Mail

Aus einem völlig zertrümmerten Auto ret­teten die Flo­ri­ansjünger nach einer Mas­sen­ka­ram­bo­lage auf der A 6 einen Mann, der sich nun vor wenigen Tagen per Mail bei den Hel­fern bedankt hat: »Allen ein­ge­setzten Kräften, die durch die extrem hohen Außentem­pe­ra­turen phy­sisch und psy­chisch voll gefor­dert waren, noch­mals ein beson­derer Dank«, las Gruber vor. Kri­tisch sieht man bei der Feu­er­wehr die Aus­set­zung der Wehr­pflicht und die befürch­teten Folgen.

Durch die Umstruk­tu­rie­rung der Bun­des­wehr »wird sich auch bei der Feu­er­wehr in den nächsten Jahren einiges ändern«, blickte Gruber in die Zukunft: Mit der Wehr­pflicht fallen zugleich jene Frei­wil­ligen weg, die sich statt­dessen vier Jahre lang für den Kata­stro­phen­schutz ver­pflichtet hatten. Fünf bis sechs Mann pro Jahr, peilt Feu­er­wehr­spre­cher Günter Bau­mann über den Daumen, sind das bisher gewesen. »Viele davon«, sagt Bau­mann, »sind auch danach bei der Feu­er­wehr geblieben.« Eine Über­ra­schung erlebte Her­bert Kilper (61): Für 41 Jahre bei der Biber­acher Wehr wurde er zum Ehren­mit­glied ernannt.

Jede Menge zu tun

Zu 1629 Einsätzen wurden Berufs- und Frei­wil­lige Feu­er­wehr Heil­bronn ver­gan­genes Jahr gerufen. Es galt 215 Brände zu bekämpfen und 1171 tech­ni­sche Hil­fe­leis­tungen zu bewältigen, unter anderem bei 126 Ver­kehrsunfällen und Störungen, neun Gas­ausströmungen, zehn Gefahrgut-, 19 Tauch- und 127 Öleinsätzen. Zudem wurde die Wehr zu 243 Fehl­einsätzen alar­miert. Bei den Bränden wurden 35 Men­schen ver­letzt, bei anderen Einsätzen 107 Per­sonen aus teils lebens­be­droh­li­chen Lagen gerettet. 153 Mal öffnete die Wehr Woh­nungen, in 26 dieser Notfälle kam für die betagten Bewohner diese Hilfe zu spät