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Feuerwehrhaus nicht im Scheinwerferlicht

Talheimvon Sabine Friedrich, HSt

Patrick Schmidt bürstet und bürstet in gebückter Hal­tung, um den Sockel der Säule in der künftigen Männer­um­kleide von überschüssigem Kleber zu befreien. „Das gehört dazu“, sagt der junge Mann. „Wenn es ans Putzen geht, geht es langsam dem Ende zu“, gewinnt er diesem Arbeits­ein­satz nach Fei­er­abend Posi­tives ab. Mit dem Ende meint er die Fer­tig­stel­lung des Tal­heimer Feu­er­wehr­hauses. In der ver­gan­genen Woche sind viele Feu­er­wehr­leute angerückt, um wei­tere Eigen­leis­tungen am rund vier Mil­lionen Euro teuren Neubau zu erbringen. Der Gemein­derat hat eine der letzten Etappen beim Ver­gabe-Mara­thon zurückge­legt - nicht ohne Dis­kus­sionen.

Im Ein­satz

„Ich weiß, wie ein Staub­sauger funk­tio­niert“, meint Robin Scheit­hauer lachend, bevor er zum Arbeitsgerät greift. Besen, Schrubber, Staub­sauger und Boden­putz­ma­schinen, die die Gemeinde ange­mietet hat, sind im Ein­satz. Es gilt, den Zement­schleier vom Flie­sen­boden im Unter­ge­schoss zu ent­fernen, in der großen Fahr­zeug­halle, den Neben- und Tech­nikräumen, im Kalt­lager, in Umkleiden, im Sanitärbe­reich, Bereit­schafts- und Funk­raum.

„Es ist schon ein schöner Bau, den wir hier her­ge­stellt bekommen von der Gemeinde. Er wird den Ansprüchen gerecht“, freut sich Scheit­hauer wie seine Kame­raden auf den Umzug im Frühjahrin ein modernes Gebäude nach der drang­vollen Enge in der Kel­ter­gasse. „Wun­derbar. Es wird optimal, auch vom Ablauf her. Ich denke, dass es einen kleinen Auf­schwung gibt für die Feu­er­wehr“, stimmt Kom­man­dant Ger­hard Schmidt in den Lob­ge­sang ein. Vor allem der Übungs­turm sei wert­voll. „Das war mal wichtig für Tal­heim“, ergänzt er. 40 Jahre sei er bei der Feu­er­wehr und habe immer nur Pro­vi­so­rien erlebt. Schmidt aner­kennt, dass die Gemeinde „ziem­lich viel Geld“ in die Hand nimmt.

Und dass es kein reiner Zweckbau wird, son­dern hier und da archi­tek­to­ni­sche Finessen ein­ge­baut werden, das zeigen die Aufträge. So erhält das Flo­ri­ansstüble, das vom Schu­lungs­raum im Ober­ge­schoss abgeht, Holz­vertäfelung an Decke und Wänden. Die Schrei­ner­ar­beiten, die die Firma Markus Heinen aus Ils­feld ausführt, belaufen sich auf rund 28 000 Euro. Mit der knapp 1000 Euro teuren Beleuch­tung ist das immer noch 9000 Euro bil­liger als in der Kos­ten­be­rech­nung.

Einig ist sich der Gemein­derat auch, 1000 Euro für die geänderte Park­platz­be­leuch­tung drauf zu sat­teln. Dann ist aber Schluss, als es um zwei Boden­leuchten für 2000 Euro geht, die den Schriftzug „Feu­er­wehr Tal­heim“ an der Fas­sade anstrahlen sollen. „Das wirkt sehr schön“, plädiert Bürger­meister Rainer Gräßle dafür. „Ein so tolles Haus darf man auch nachts in Szene setzen“, unter­streicht er.

Im Vor­bei­fahren sehe man das ohnehin nicht. „Das ist unnötig, das sparen wir uns“, ist Sylvia Hof­mann-Meile (Bit) gegen diese Aus­gabe. „Wir sind seither zufrieden mit den Ent­schei­dungen“, sagt FW-Gemein­derat und Feu­er­wehr­mann Erhard Schoch. Des­wegen wolle die Truppe ein Zei­chen setzen, man benötige diese Beleuch­tung nicht. „Das ist Luxus, der zu teuer ist“, begründet auch Dr. Ursel Sicken­berger (FW) ihre Ableh­nung. Joa­chim Dürr (Bit) stößt ins gleiche Horn. Dann müsste man als nächstes das Rat­haus anstrahlen. Am Orts­ein­gang in den Mühläckern sei die Situa­tion anders, ent­gegnet der Bürger­meister. „Das Gebäude liegt kom­plett im Dun­keln.“ Eva Volz (SPD) stimmt zu: „Das ist so ein schönes Gebäude, da sollte man nicht noch knausrig sein.“ Obwohl auch Martin Happel (FW) sich mit dem Vor­schlag „abfinden“ kann, fällt dieser bei sechs zu sieben Stimmen knapp durch.

Grund­stein­platte

Auch bei der Grund­stein­platte wird die günsti­gere Vari­ante gewählt, die inklu­sive Fräsung bei etwa 1000 Euro liegt. „Es ist ein tech­ni­sches, aber auch soziales Gebäude. Edel­stahl ist pas­send, das andere zu erhaben“, über­zeugt der Fach­mann, Archi­tekt Maxi­mi­lian Otto, das Gre­mium. Bürger­meister Rainer Gräßle hätte gerne die Halb­edel­me­tall-Ausführung gehabt. „Bronze wäre prädesti­niert für dieses Gebäude.“

Die Feu­er­wehr Tal­heim hat aktuell 47 Mit­glieder, dar­unter zwei Frauen und rund 15 Mit­glieder in der Jugend­ab­tei­lung. Durch das neue Feu­er­wehr­haus setzt Kom­man­dant Ger­hard Schmidt auf einen Auf­schwung, geht von einem Moti­va­ti­ons­schub aus. Auch die Kame­rad­schaft, so sein Stell­ver­treter Markus Schüchtle, werde bestimmt gestärkt, nicht zuletzt durch das Flo­ri­ansstüble, das für die Gesel­lig­keit im Ober­ge­schoss ein­ge­richtet wird.

„Wir hoffen, dass wir Zuwachs kriegen“, sagt Schmidt. Zumal drei Aus­tritte zu ver­zeichnen waren. Der Grund: „Wir haben schon einige junge Leute ver­loren, weil Wohn­raum knapp ist in Tal­heim“, sagt er. Zur Ein­wei­hung des Neu­baus im Mai soll als Wer­be­ak­tion ein Flyer auf­ge­legt werden.

Mann­schaftsstärke & Ausrüstung

Vier Fahr­zeuge gehören zum Fuhr­park: ein Mann­schafts­trans­port­wagen, ein Tanklöschfahr­zeug 16/25, ein Löschgrup­pen­fahr­zeug 8/6 und ein LF 8-GW, das nach 42 Jahren durch einen Gerätewagen GW-L2 ersetzt werden soll. Dafür gibt es eine Ver­pflich­tungsermächti­gung über 275 000 Euro. Die Halle im neuen Feu­er­wehr­haus hat fünf Stellplätze.

Bild: Fegen, schrubben, nass­rei­nigen und auf­saugen: Von Hand und mit Maschinen ent­fernen die Männer den Zement­schleier auf den Fliesen, wie hier bei der Stie­fel­wasch­an­lage. (Foto: Thomas Braun)