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Feuerwehr braucht Verstärkung

Brackenheimvon Claudia Schönberger, HSt

Wenn es brennt, das Hoch­wasser im Keller steht oder ein Ver­kehrs­un­fall pas­siert, kommt die Feu­er­wehr. Das weiß jedes Kind. „Was aber, wenn es keine Feu­er­wehr mehr gibt?", fragt die Stadt Bra­cken­heim in einem Brief, den sie an 2500 Bürge­rinnen und Bürger zwi­schen 16 und 30 Jahren geschickt hat.

Sollstärke Ganz so dra­ma­tisch stellt sich die Situa­tion in der Flächen­stadt mit ins­ge­samt neun Löschzügen noch nicht dar. Den­noch halten Ver­wal­tung und Frei­wil­lige Feu­er­wehr recht­zei­tige Nach­wuchs­wer­bung für not­wendig. „Es ist zu beob­achten, dass wir mit der Stärke unserer Löschzüge in den Stadt­teilen zuneh­mend Pro­bleme haben", sagt Bürger­meister Rolf Kieser. Am meisten schwächelt Dürren­zim­mern mit nur noch zwölf Mit­glie­dern. Ein funk­ti­onsfähiger Löschzug müsste eine Sollstärke von 27 Feu­er­wehr­leuten auf­weisen.

Ein wei­teres Pro­blem - nicht nur in Bra­cken­heim - ist die Tages­verfügbar­keit der Mit­glieder. Sie arbeiten nicht mehr in ihrer Wohn­ge­meinde. Oder, wie Gesamt­kom­man­dant Harald Zeyer mit Sorge beob­achtet, ihre Arbeit­geber lassen sie nicht gehen, wenn sie alar­miert werden. „Dabei kann es auch von Vor­teil für eine Firma sein, einen Feu­er­wehr­mann vor Ort zu haben", findet Zeyer.

„Wir bekommen nicht von heute auf morgen Schwie­rig­keiten", betont Bürger­meister Rolf Kieser. Mit 182 Flo­ri­ansjüngern - dar­unter fünf Frauen - habe die Gesamt­stadt gegenwärtig eine „sehr schlagkräftige und gut aus­ge­bil­dete Feu­er­wehr". Und seit fast elf Jahren gibt es in Bra­cken­heim auch die Jugend­feu­er­wehr mit der­zeit 27 Mit­glie­dern.

Den­noch wollen die Bra­cken­heimer für die Zukunft gerüstet sein. Bei ihrer Wer­be­kam­pagne hoffen sie auch darauf, Neubürger, Frauen und ausländi­sche Mitbürger für die Feu­er­wehr zu gewinnen. Immer sams­tags gibt es in den Stadt­teil-Maga­zinen Infor­ma­ti­ons­nach­mit­tage, bei denen ver­schie­dene Ein­satz­sze­na­rien gezeigt werden, man selbst mal was aus­pro­bieren darf und Ansprech­partner für Fragen bereit stehen. Bisher war die Reso­nanz eher mäßig. In Dürren­zim­mern kam gar nie­mand, in Hausen waren es sechs, in Haber­schlacht vier Inter­es­senten, berichtet Harald Zeyer.

Sinn­voll „Helfen, Ver­ant­wor­tung über­nehmen gegenüber der Gemein­schaft, Kame­rad­schaft", nennt der stell­ver­tre­tende Gesamt­kom­man­dant Werner Döbler als Argu­mente, mit­zu­ma­chen. „Es ist ein sinn­volles Hobby. Man kann etwas zurückgeben, was man von anderen erwartet", findet Marion Thiel, 1991 die erste Feu­er­wehr­frau in Bra­cken­heim und heute Aus­bil­dungs­lei­terin. „Die Technik der großen Fahr­zeuge" inter­es­siert bei­spiels­weise den 26-jährigen Jens Schunke, der in Haber­schlacht und Bra­cken­heim Dop­pel­dienst macht.

Über­redet wird nie­mand. Denn wer sich dazu ent­schließt, Feu­er­wehr­mann oder -frau zu werden, muss bereit sein, viel Zeit dafür zu opfern. „Das Ein­zige, was frei­willig ist, ist der Ein­tritt. Der Rest ist Dienst­pflicht", betont Kom­man­dant Harald Zeyer. „Wir legen Wert auf eine gute Aus­bil­dung, und die ist zeit­in­tensiv."

Es gibt auch ganz prag­ma­ti­sche Gründe, zur Feu­er­wehr zu gehen. Tobias Gaab (23), der aller­dings schon vier Jahre in der Jugend war, hat sich für sechs Jahre dienst­ver­pflichtet, um nicht zur Bun­des­wehr zu müssen. „Der Großteil, der des­wegen kommt, bleibt nach den sechs Jahren dabei", weiß Zeyer.

Bild: Begeis­terte Feu­er­wehr­leute: Marion Thiel, Tobias Gaab, und Jens Schunke (von links) freuen sich auf viele neue Kame­raden. (Foto: Claudia Schönberger)