QR-Code zur Seite

Ein Traum wurde wahr

Lauffen a.N.von Stefanie Pfäffle, HSt

Chris­tian Sitter strahlt, als er fürs Foto die blaue Uni­form der Lauf­fener Feu­er­wehr anzieht. Am Abend zuvor hat er bei einer tech­ni­schen Übung mit Schere und Spreizer das Dach eines Autos abge­nommen. „Da hätte ich gerne noch wei­ter­ge­macht“, erzählt der 31-Jährige mit einem Lächeln. Es ist nicht unbe­dingt normal, dass Sitter seit fast fünf Jahren Feu­er­wehr­mann ist, denn der junge Mann ist geistig behin­dert. „Es gab nie Pro­bleme mit Chris­tian, er war von Anfang an voll inte­griert“, freut sich Kom­man­dant Heiner Schiefer über dieses erfolg­reiche Bei­spiel von Inklu­sion.

Kon­takt Über die WG-Betreuerin von Chris­tian Sitter ist der Kon­takt mit den Flo­ri­ansjüngern zustande gekommen. „Sie sprach mich an, weil Chris­tian so großes Inter­esse an der Feu­er­wehr hat und fragte, ob er nicht mal rein­schauen könnte“, erin­nert sich Schiefer. Vor allem die Fahr­zeuge haben es dem jungen Mann seit seiner Kind­heit angetan. „Aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal Feu­er­wehr­mann sein kann“, gibt Sitter zu. Als die Kol­legen sehen, mit wie viel Begeis­te­rung Sitter bei der Sache ist, über­legen sie, wie es wei­ter­gehen könnte. „Für den aktiven Dienst ist er aus gesund­heit­li­chen Gründen nicht geeignet“, sagt der Kom­man­dant, „des­wegen haben wir ihn als Helfer bei der Jugend­feu­er­wehr ein­ge­setzt.“ Eine auf­re­gende Zeit beginnt für den Lauf­fener, der bei der Beschützenden Werkstätte in Tal­heim in der Metall­ab­tei­lung arbeitet. Er übt mit dem Nach­wuchs, lernt mit den Gerätschaften umzu­gehen.

Bedenken Schiefer erin­nert sich, dass er anfangs Bedenken hatte, wie die Jugend­li­chen auf Sitter reagieren würden. „Aber er wurde voll akzep­tiert.“ Weil es so gut funk­tio­niert, geht er mit den Jungen in die Grund­aus­bil­dung bei den Aktiven. „Das war schon schwierig, hat aber mit viel Üben gut geklappt“, berichtet Sitter stolz. Jetzt nimmt er an den monat­li­chen Übungen seiner Gruppe teil, geht mit zu Ausflügen oder hilft bei Festen - wie jeder andere Kamerad. Es ist sein ein­ziges Hobby, bei dem er aus­schließlich mit Leuten ohne Behin­de­rung zu tun hat, und das gefällt Chris­tian Sitter mehr als gut. „Hier fühle ich mich freier, weil es keine Betreuer gibt.“ Dass er als Ein­ziger nicht mit zu Einsätzen darf, macht ihm nichts aus.

Schiefer weiß um die Stärken seines Mit­glieds. „Er kennt seine Grenzen, und wenn er sich etwas nicht zutraut, sagt er es auch - und das wird akzep­tiert.“ Dieses Geben und Nehmen sei der Schlüssel zu diesem posi­tiven Inklu­si­ons­bei­spiel. Auch wenn es ein Ein­zel­fall ist, habe es beiden Seiten viel gebracht: „Ihm die Möglich­keit, dabei zu sein, uns die Offen­heit in der Mann­schaft.“

Auch die Stadt unterstützt das Ansinnen: Chris­tian Sitter ist voll­wer­tiges Mit­glied, wird also ver­si­chert und bekommt eine Ausrüstung gestellt. Feu­er­wehr-Pres­se­spre­cher Michael Kenn­gott findet, dass sich Ver­eine gene­rell mehr für das Thema öffnen sollten, weiß aber auch um die Grenzen. „Es muss zusam­men­passen, und die Par­teien müssen sich auf­ein­ander ein­lassen.“

Bild: Chris­tian Sitter (Zweiter von rechts) im Kreis von Kame­raden: Er ist glücklich, dass er bei der Feu­er­wehr Lauffen mit­ma­chen kann. (Foto: Ste­fanie Pfäffle)