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Bürgerversammlung: Flutmulde im Gespräch

Oedheimvon Adrian Hoffmann, HSt

Wie sich die Gemeinde Oed­heim künftig besser vor schweren Unwet­tern schützen kann, das ist am Mitt­woch­abend bei einer Bürger­ver­samm­lung in der Kochana dis­ku­tiert worden. Knapp 200 Zuhörer, die meisten von ihnen betrof­fene Anwohner, fanden sich ein. Inge­nieur Edgar Kraft stellte ver­schie­dene Lösungen vor. Unter anderem sprach er sich für eine Flut­mulde aus – sozu­sagen eine Umge­hungs­straße für die Was­ser­massen.

Diese Flut­mulde könnte an der Sied­lungs­grenze vorbei bis zum Kocher führen. Weil sie dort durchs Was­ser­schutz­ge­biet gebaut werden müsste, bedürfe es aber einer was­ser­recht­li­chen Geneh­mi­gung. „Man kann also nicht am nächsten Tag damit anfangen“, sagte Kraft. Dazu emp­fahl er, ober­halb der Sied­lung einen Damm zu schütten. In Kom­bi­na­tion mit zusätzli­chen Damm­balken, mit der die Straßen im Wohn­ge­biet kurz­fristig blo­ckiert werden könnten, wäre seiner Ansicht nach „der Schutz gesi­chert“. Ein neues Hoch­was­serrückhal­te­be­cken wäre im Ver­gleich zu dieser Vari­ante teurer.

Die Vor­schläge von Inge­nieur Kraft werden in der nächsten Sit­zung des Gemein­de­rats bespro­chen. Bürger­meister Ulrich Ruoff hatte sich nach den Bitten der Anwohner aus der Degmarner Straße auf eine vor­zei­tige Bürger­ver­samm­lung ein­ge­lassen. Die Dis­kus­sion ver­lief ins­ge­samt sach­lich, wenn­gleich die Stim­mung teil­weise auf­ge­regt war.

Die Angst vor einem wei­teren Unwetter war den Anwoh­nern anzu­merken. Des­halb kam am Mitt­woch auch die Frage auf, was man nun vorab tun könne, bevor das nächste Gewitter zuschlage. Aus Gemein­de­sicht beschränkt sich das darauf, Kanäle aus­zuspülen und Sandsäcke bereit­zu­stellen. „Das ist das, was wir momentan machen können“, sagte Ruoff. Einem erneuten Unwetter in dieser Dimen­sion stehe jeder machtlos gegenüber. Aller­dings will Ruoff auch kurz­fris­tige Verände­rungen prüfen, zum Bei­spiel an Weg und Acker, die ober­halb der Degmarner Straße angrenzen.

Wenn sich der Gemein­derat dazu ent­schließe, Inge­nieur Kraft mit wei­teren Pla­nungen zu beauf­tragen, so Ruoff, werde es „so schnell wie möglich“ wei­ter­gehen. „Den Gemein­de­rats­be­schluss, den kriegen wir. Da habe ich keine Bedenken.“ Er würde hoffen, dass der Bau von zusätzli­chen Schutzmaßnahmen noch bis Ende diesen Jahres abge­schlossen wäre.

Hef­tige Kritik an Ver­wal­tung und Gemein­derat äußerte Walter Denz, Anwohner in der Degmarner Straße. „Für die Betrof­fenen war das eine Kata­strophe“, sagte er. Man­ches hätte seiner Ansicht besser laufen können und vor allem bürgernäher. „Bis heute haben sich Gemeinderäte nicht sehen lassen.“ Bürger­meister Ruoff sei am Freitag, eine Woche nach der Flut, zu ihm gekommen. Er sehe die Mit­glieder des Gemein­de­rats hier in der Pflicht, sagte Denz. Dass dies keine Ein­zel­mei­nung ist, war am überein­stim­menden Applaus der Zuhörer zu erkennen. Denz kri­ti­sierte auch, dass eine Familie aus der Degmarner Straße dazu auf­ge­for­dert worden sei, ihren privat orga­ni­sierten Con­tainer wieder zu ent­leeren – weil ja eine geson­derte Sperrmüllab­fuhr geplant sei. „Eine unge­heu­er­liche Auf­for­de­rung“, wie Denz findet. „Es hat nicht viel gefehlt, dann wäre die Degmarner Straße explo­diert.“

Bürger­meister Ruoff bat um Verständnis. Auch für die Gemeinde sei das Unwetter eine Aus­nah­me­si­tua­tion gewesen. „Ich kann ver­stehen, dass die Nerven blank liegen.“ Man werde schauen, dass die Anwohner in der Zukunft vor sol­chen Unwet­tern so weit es geht geschützt werden.

Auch um das Thema Ver­si­che­rungs­schutz ging es in der Bürger­ver­samm­lung. Ein Anwohner sprach vielen aus der Seele: „Die Ver­si­che­rungen, die sind ein­wand­frei, solange man sie nicht braucht."