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Brandopfer in letzter Sekunde gerettet

Weinsbergvon Carsten Friese, HSt

Ein 31-jähriger Mann ist Mitt­woch­nacht nach einem Brand in einem Weins­berger Mehr­fa­mi­li­en­haus mit schweren Brand­ver­let­zungen ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert worden. Ver­mut­lich durch einen tech­ni­schen Defekt war gegen 2.20 Uhr im Dach­ge­schoss des alten Gebäudes das Feuer aus­ge­bro­chen. Die Flammen ver­sperrten dem Bewohner den Fluchtweg durch das Trep­pen­haus. Der Mann war vor Feuer und Hitze bereits auf die Fens­terbrüstung geflüchtet und wollte aus rund zehn Meter Höhe springen. Die Feu­er­wehr konnte ihn gerade noch recht­zeitig mit einer Schie­be­leiter retten. Wei­tere sechs Haus­be­wohner brachten sich unver­letzt in Sicher­heit. Den Sach­schaden schätzt die Polizei auf min­des­tens 350.000 Euro. 70 Feu­er­wehr­leute aus Weins­berg, Heil­bronn und Neckar­sulm waren im Ein­satz.

Dra­ma­ti­sche Sekunden

Es waren dra­ma­ti­sche Szenen, die sich in der Kirsch­straße abspielten. Der 31-jährige Haus­be­wohner saß bereits auf der Fens­terbrüstung im Dach­ge­schoss, ein Fuß war in der Luft vor dem Fenster. Mit den Händen hielt er sich an der Brüstung fest. „Ich habe nur gebetet, dass er nicht springt“, erin­nert sich der Gell­mers­ba­cher Feu­er­wehr­kom­man­dant Martin Schmitt an die ent­schei­denden Sekunden. Dreh­leiter oder Sprung­tuch waren zu dem Zeit­punkt noch nicht vor Ort.

Mit einer Schie­be­leiter konnte die Feu­er­wehr den Mann dann ohne lebensgefährliche Manöver in Sicher­heit bringen. „Ich war geschockt. Das sind Bilder, die man sonst nur im Fern­sehen sieht“, sagt Ober­feu­er­wehr­mann Michael Schwei­kert Stunden später. Wenn die Feu­er­wehr zwei, drei Minuten später ein­ge­troffen wäre, „hätte es mit großer Sicher­heit das Ende für den Mann bedeutet“, mutmaßt Abtei­lungs­kom­man­dant Martin Schmitt.

Schwere Ver­bren­nungen an Rücken und Füßen hat der Haus­be­wohner erlitten. Er wurde in eine Spe­zi­al­klinik für Brand­opfer nach Lud­wigs­hafen gebracht. „So, wie es aus­sieht, besteht keine Lebens­ge­fahr“, teilte Poli­zei­spre­cher Roberto Monaci heute Mittag mit.

Woh­nung zerstört

Hohe Flammen schlugen aus dem Dach, als die Feu­er­wehr ein­traf. Wei­tere fünf Bewohner konnten unver­sehrt ins Freie flüchten, einer wurde mit Hilfe der Feu­er­wehr in Sicher­heit gebracht. Ver­mut­lich im Vor­raum der einen Dach­ge­schoss­woh­nung war das Feuer aus­ge­bro­chen. Die Flammen haben diese Woh­nung kom­plett zerstört. Im Dach klafft ein rund zwei mal zwei Meter großes Loch, in dem ver­kohlte Balken ins Freie ragen. Durch Löschwasser sind auch die wei­teren Woh­nungen zunächst unbe­wohnbar. Pfarrer und Nach­barn boten den Betrof­fenen an, dass sie vorüber­ge­hend bei ihnen Quar­tier beziehen können.

Brand­stif­tung schließt die Polizei aus. „Mit hoher Wahr­schein­lich­keit ist ein tech­ni­scher Defekt die Ursache“, sagt Poli­zei­spre­cher Roberto Monaci. Ein Brand­sach­verständiger ist ein­ge­schaltet.

Alarm

„Wir wissen noch nicht, wie es wei­ter­geht“, sagt Zim­me­rer­meister Stefan Treier (43) am Brandort. Seine Eltern haben das Gebäude von 1840, in dem einmal die Wirt­schaft „Adler“ war, Anfang der 90er Jahre gekauft und mit seiner Hilfe in über einem Jahr zu einem Haus mit sechs Woh­nungen umge­baut. Im Schlaf­anzug ist seine Mutter Anna (68) nach dem Alarm zunächst auf die Straße gelaufen. „Ich habe erst gar nichts gedacht“, blickt sie auf den ersten Moment im Ange­sicht der Flammen zurück. Der Feu­er­wehr zollt sie ein dickes Lob. „Sie waren schnell da. Alle Hoch­ach­tung.“

Durch das Klin­geln und Klopfen anderer Mit­be­wohner ist Mirko Wieblitz (29) in der Nacht auf­ge­wacht. Als er die Tür öffnete, roch er den Brand­rauch, hörte die Hil­fe­schreie des 31-Jährigen und ging sofort auf die Straße. „Das war schon krass.“ An seinem Arbeits­platz hat er sich abge­meldet. Wo er heute Nacht schläft, weiß er noch nicht. Ob er sich eine neue Woh­nung suchen muss, ist eben­falls unklar. „Man steht da, kann nichts tun und hofft, dass es nicht so schlimm ist.“

Foto: Carsten Friese