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Beim Retten ist Abstand halten unmöglich

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Sabine Friedrich, HSt

Die Pan­demie stellte die Feu­er­wehren vor beson­dere Haus­for­de­rungen. Der Lock­down legte den Übungs- und Aus­bil­dungs­be­trieb größten­teils lahm. Beson­dere Vorfälle führten dazu, dass 2020 dop­pelt so viele Men­schen im Land­kreis Heil­bronn gerettet werden mussten. Der Frau­en­an­teil in der Region ist immer noch gering.

Deut­lich weniger Einsätze als in den Vor­jahren ver­zeich­neten die Feu­er­wehren im Land­kreis Heil­bronn 2020. 3634 Mal mussten sie ausrücken. Der Rückgang ist der Pan­demie geschuldet. „Auch bei der Feu­er­wehr hin­terlässt das Coro­na­virus große Spuren“, heißt es im Jah­res­be­richt von Kreis­brand­meister Bernd Halter, der diesmal an die Kom­man­danten ver­schickt wurde, weil eine Dienst­ver­samm­lung in Präsenz nicht möglich war. Fast gänzlich musste der Übungs­be­trieb im Lock­down ein­ge­stellt werden. „Die Ein­satz­be­reit­schaft auf­recht zu erhalten, war eine Her­aus­for­de­rung“, meint denn auch Halter, der zu Jah­res­be­ginn 2021 auf Uwe Vogel folgte. Ohne Übungen gehe die Rou­tine ver­loren. „Es wird ein Rie­sen­auf­wand, wieder in die Spur zu kommen und das Aus­bil­dungs­ni­veau vor Corona zu errei­chen“, macht Halter deut­lich.

Masken im Ein­satz sind körper­lich anstren­gend

Die Ein­satz­taktik der Land­kreis-Feu­er­wehren musste der Situa­tion ange­passt werden. Die Ein­satz­fahr­zeuge waren mit weniger Leuten besetzt, die sowohl bei der Anfahrt wie auch im Ein­satz FFP2-Masken tragen. „Das ist körper­lich anstren­gend“, betont Halter. Lässt sich eine Schlauch­lei­tung mit Abstand kup­peln, so sei das bei der Per­so­nen­ret­tung kaum möglich. Inzwi­schen ent­spannt sich die Situa­tion ange­sichts sin­kender Inzi­denzen und einer Großzahl von Geimpften.

Der Lock­down machte sich auch auf den Straßen bemerkbar, es gab weniger Ver­kehr und damit weniger Unfälle. Von den 3634 Einsätzen (2019: 4025 Einsätze) im ver­gan­genen Jahr im Land­kreis Heil­bronn ent­fielen 639 auf Brände, das waren mehr als 2019. Am meisten beschäftigen Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tungen die Feu­er­wehren, sei es nach Unwet­tern oder bei Ver­kehrsunfällen. 2020 waren das 2185 Einsätze (2019: 2585). Da reicht das Spek­trum von der Besei­ti­gung einer Ölspur bis zur Befreiung von Ver­letzten aus ein­ge­klemmten Fahr­zeugen. Wie die Gesamt­einsätze so ging auch die Zahl der Fehl­alar­mie­rungen auf 810 zurück.

Wohnhäuser eva­ku­iert

Auffällig in der Jah­res­sta­tistik ist die hohe Zahl der Geret­teten: 2020 waren es 516, etwa dop­pelt so viele wie in den Vor­jahren. Drei Vorfälle sind der Grund: Bei der Serie von Brand­stif­tungen in Gun­dels­heim musste ein Wohn­haus mit 30 Bewoh­nern eva­ku­iert werden, und bei einem Scheu­nen­brand wurde ein benach­bartes Haus mit 26 Leuten geräumt. 180 Men­schen beglei­teten die Ein­satzkräfte nach einem Suizid im Bahnhof Weins­berg aus dem Zug und überg­aben sie vor­sorg­lich dem Ret­tungs­dienst. 42 Men­schen konnte die Feu­er­wehr 2020 nur noch tot bergen.

Wie sehr die Pan­demie die Aus­bil­dung beeinträchtigte, lässt sich an den Lehr­gangs­teil­neh­mern fest­ma­chen: 2020 waren es nur 84 Mit­glieder, die sich zum Trupp­mann, Sprech­funker, Maschi­nisten oder Atem­schutzgeräteträger fort­bil­deten. Der größte Teil des Ange­bots musste abge­sagt werden. Das war auch auf Lan­des­ebene so.

Sorge, Mit­glieder zu ver­lieren

Kreis­brand­meister Bernd Halter befürchtet, dass es den Feu­er­wehren ähnlich ergeht wie Ver­einen, und sie Mit­glieder durch den Lock­down ver­lieren. Das wirkte sich 2020 noch nicht aus, der Aufwärts­trend der Vor­jahre hielt an, so dass 4261 Männer und Frauen ihren Dienst ver­sahen. Davon waren 434 Mit­glieder in den sieben Werk­feu­er­wehren.

Frauen in der Feu­er­wehr sind für Halter längst Nor­malität. „Schade, dass sich das nicht in der Mit­glie­der­zahl nie­der­schlägt“, meint er mit Blick auf 322 weib­liche Feu­er­wehr­angehörige. Das sind gerade mal 7,6 Pro­zent. Etwas höher ist der Anteil in den Jugend­feu­er­wehren im Land­kreis. Hier sind es 193 Mädchen gegenüber 1024 Jungen. In den Alters­ab­tei­lungen sind 949 Mit­glieder.

Kon­stante Mit­glie­der­zahlen kann Kreis­brand­meister Torsten Rönisch aus dem Hohen­lo­he­kreis verkünden. Von den 2498 Feu­er­wehr­leuten sind 129 Frauen, so dass mit 5,1 Pro­zent der Anteil noch geringer ist als im Land­kreis Heil­bronn. In den Werk­feu­er­wehren ver­sehen 140 Feu­er­wehr­leute ihren Dienst. Die Anzahl der Jungen und Mädchen in der Jugend­feu­er­wehr stieg leicht auf 519, davon sind 93 Mädchen. Die Alters­ab­tei­lungen haben 540 Mit­glieder. 2020 gab es im Hohen­lo­he­kreis 118 Brände, bei denen 21 Men­schen gerettet wurden, bei den 377 Tech­ni­schen Hil­fe­leis­tungen waren es 70 Men­schen. Es gab 167 Fehl­alarme.

Berufs­feu­er­wehr eine Männerdomäne

Die Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn, die im ver­gan­genen Jahr zu 1745 Einsätzen ausrückte, ist bis­lang noch eine reine Männerdomäne. Unter den aktuell 90 Angehörigen ist keine ein­zige Frau. Es gebe nur wenig Bewer­bungen von Frauen, sagt Kom­man­dant Fabian Müller. Von den 306 Aktiven in den neun Abtei­lungen der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr der Stadt sind 16 Frauen, macht 5,2 Pro­zent. Besser sieht es aller­dings bei den 112 Mit­glie­dern der Jugend­feu­er­wehr aus. Da nennt Müller einen Anteil von 17 Pro­zent Mädchen.

Einen Mit­glie­der­schwund zu ver­hin­dern, bezeichnet Halter als eine der wich­tigsten Auf­gaben. Mit dazu bei­tragen sollen moderne Aus­bil­dungs­me­thoden. Home­schoo­ling und Online­mee­tings hätten sich in der heißen Phase der Pan­demie bewährt. Aber auch mit neuen Ansätzen in Präsenz könne die Feu­er­wehr ein Stück weit attrak­tiver werden. Dafür sorgt auch ein hoher Stan­dard in der Aus­stat­tung: Der Land­kreis schaffte einen neuen Ein­satz­leit­wagen 2 an, der eine fle­xible Führungs­un­terstützungs­ein­heit möglich macht, sowie eine Sand­sackabfüllan­lage.

1,5 Mil­lionen Euro Zuschuss vom Land

Das Land bewil­ligte alle 17 Förder­anträge für sechs Neubau- und Erwei­te­rungsmaßnahmen sowie für elf Fahr­zeuge, die sich auf zehn Mil­lionen Euro sum­mierten. Der Zuschuss betrug 1,5 Mil­lionen Euro. Der Land­kreis Heil­bronn gewährte rund 925.000 Euro für Fahr­zeuge, Aus­bil­dung und Verbände. „Das ist eine ordent­liche Summe“, sagt Halter.