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Bei Großübung läuft nicht alles rund

Löwensteinvon Wolfgang Müller, HSt

Feuer im dritten Ober­ge­schoss der Klinik Löwen­stein. Auf der Sta­tion P 1 breitet sich dichter Rauch aus. Kein Strom. Das Telefon ist tot. Und die Com­puter funk­tio­nieren auch nicht mehr. Es ist Sams­tag­nach­mittag Großübung mit Brand­schut­z­eva­ku­ie­rung für rund 130 Ein­satzkräfte der Frei­wil­ligen Feu­er­wehren und des Deut­sches Rotes Kreuz (DRK) in der Lun­gen­fach­klinik. "Es ist die erste seit fünf Jahren", sagt Geschäftsführer Dieter Bopp. Höchste Zeit. "Denn die Feu­er­wehren haben guten Nach­wuchs, aber sie müssen im Ernst­fall die Gege­ben­heiten vor Ort kennen", sagt Bopp.

Ope­riert Es ist 15 Uhr. Feu­er­alarm. Im Flur der Pneu­mo­logie sieht man die Hand vor Augen nicht mehr. 19 Pati­enten, die von Mimen des DRK gespielt werden, liegen auf der Sta­tion. "Von nicht Deutsch spre­chend über frisch ope­riert bis hin zu geistig ver­wirrt", sagt Man­fred Kurz, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Löwen­stein, der an diesem Nach­mittag vor allem als Brand­schutz­be­auf­tragter der Klinik mit­wirkt. Ein Patient ist sogar am Beatmungs­ap­parat ange­schlossen. "Die Situa­tion muss so rea­lis­tisch wie möglich sein", sagt Bopp.

15.08 Uhr. Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Löwen­stein trifft ein. Zwei Mann mit Atem­schutzgeräten orten die Lage auf der ver­ne­belten Sta­tion. Ein­satz­leiter und stell­ver­tre­tender Kom­man­dant Markus Wagner alar­miert die Leit­stelle Heil­bronn. Die Wehren aus Ober­sulm, Wüstenrot und Weins­berg rücken an.

Während­dessen husten die Pati­enten im Rauch. Die Feu­er­wehrmänner, die sie zuvor aus ihren Zim­mern geholt haben, reden durch ihre Atem­schutz­masken auf sie ein. Aber das Feuer ist nicht gelöscht und der Flur nicht vom Rauch befreit. "Es läuft nicht alles optimal", sagt Ein­satz­leiter Wagner.

Während­dessen benötigt die Wehr aus Wüstenrot meh­rere Anläufe, um mit der Dreh­leiter den Balkon im dritten Stock zu errei­chen. Dort hatten drei Pati­enten um Hilfe gerufen. "Wir hatten Pro­bleme mit der Kom­mu­ni­ka­tion. Die Lage war nicht ganz klar", erklärt der Wüsten­roter Kom­man­dant Hans Mühlmann. Für ihn kein Bein­bruch: "Der Übungs­ef­fekt war her­vor­ra­gend."

Trep­pen­haus Schwie­rig­keiten auch vor der Klinik: Während die Brandbekämpfer dem Feuer vom Trep­pen­haus aus mit einem Löschrohr zu Leibe rücken und mit einem Über­druckbelüfter den Rauch ver­treiben, retten die Kol­legen die Pati­enten via Feu­er­wehr­fahr­stuhl ins Freie. Dort ist nicht klar, was mit den Kranken pas­sieren soll. Unter anderem weil kein lei­tender Not­arzt ein­ge­troffen ist. "Dafür kann ich nichts", sagt der Ein­satz­leiter des DRK, Kai Kluger aus Heil­bronn. Er lässt die Betten rund 50 Meter vom Aus­gang ent­fernt auf­bauen. "Im Hof war kein Platz. Da standen die Feu­er­wehr­fahr­zeuge", sagt Kluger, der nach der Übung trotzdem zufrieden ist: "Im Großen und Ganzen hatten wir das Chaos schnell im Griff. Wir haben keinen abgängigen Pati­enten. Das ist ein Rie­sen­er­folg."

So sieht das auch der Ein­satz­leiter der Feu­er­wehr. "Unter dem Strich ist es gut gelaufen. Aus Feh­lern lernt man", sagt Wagner. Und genau des­wegen seien solche Übungen ja auch so wert­voll, resümiert Klinik-Geschäftsführer Dieter Bopp.

Bild 1: Mit der Trage auf der Dreh­leiter wird Patient Jim Knopf, gespielt von Sieg­fried Bog­danski aus Her­ren­berg, aus dem dritten Stock gerettet.Fotos: Wolf­gang Müller

Bild 2: Die Helfer des Roten Kreuzes kümmern sich im Freien um die Pati­enten.

Bild 3: Im Flur der Sta­tion P 1 ist kaum die Hand vor Augen zu sehen.