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Anteilnahme und Adrenalin

Bad Rappenauvon Susanne Walter, HSt

Still liegt die Hühner­farm zwi­schen Ober­gim­pern und Wagen­bach am Samstag zur Mit­tags­zeit in der Som­mer­glut. Auf den ersten Blick deutet nichts auf die Brand­ka­ta­strophe hin, die sich in der Nacht zum Samstag hier abge­spielt hat. Von einer der drei Haupt­hallen der Anlage stehen nur noch Reste der Außenwände. In der Luft liegt noch leichter Rauch­ge­ruch.

Feu­er­schein In der Nacht zuvor hatte hier noch helle Auf­re­gung geherrscht. Gegen 2 Uhr nachts war die Nacht zum Tage geworden. Von Sirenen auf­ge­schreckt, kamen viele zu Fuß zur Hühner­farm, etliche fuhren mit dem Auto den Berg hinauf. Einige reagierten auch wie Uli Renk und seine Familie, die zuhause blieben und erst am Samstag mit dem Fahrrad die Lage erkun­deten. "Der Feu­er­schein leuch­tete am Himmel. Wir hörten das Kra­chen von Holz, Brandgeräusche, dann rückten die Löschzüge an, erst einer, dann der zweite, dann ein dritter. Nach fünf Minuten verließ mein Nachbar, der bei der Feu­er­wehr ist, eilig das Haus. Da wusste ich Bescheid", erzählt Renk.

Schock Wie viele Ober­gim­perner sind auch Renk und seine Frau Jea­nette Renk-Mulder den Geschädigten in ihren Gedanken ganz nah. Chef Klaus Riehle und Silvia Jodas samt ihren beiden Pudeln sitzen zur glei­chen Zeit ein wenig im Abseits der nie­der­ge­brannten Halle und haben immer noch Tränen in den Augen. "Das nimmt mich ganz schön mit", sagt Riehle und fügt hinzu: "Wir waren gerade fertig mit der Umstel­lung auf die Boden­hal­tung. Ledig­lich der Vor­raum wäre noch zu strei­chen gewesen und jetzt das!"

Über die Brand­ur­sache wird gerätselt. "Das geht jetzt seinen Gang und muss unter­sucht werden", erklärt Riehle. Trotz des Schocks spüren er und Silvia Jodas, dass sie nicht allein da stehen. Viele Ober­gim­perner hätten ihnen schon nachts ihr Mitgefühl aus­gedrückt. Kol­legen von Riehle, andere Geflügelzüchter, riefen an und fragten, ob sie mit etwas aus­helfen könnten.

Brand­wache Gut drei Monate nach dem Großbrand in der Ber­wanger Dach­de­ckerei Geist, haben die Feu­er­wehr­leute erneut eine denkwürdige Nacht hinter sich gebracht. Stun­den­lang hatten die Ehren­amt­li­chen der Wehren aus der ganzen Umge­bung tapfer gegen die Flammen angekämpft und dabei mit Erfolg ver­hin­dert, dass der Brand auf die anderen Gebäude und die Fut­ter­silos überg­riff.

Am Samstag um die Mit­tags­zeit sind sie immer noch im Ein­satz zur soge­nannten Brand­wache, die vor­sieht, dass die Brand­stelle 24 Stunden beob­achtet werden muss. Feu­er­wehr­mann Andreas Haf­felder ist durch den nächt­li­chen Adre­na­linstoß noch immer hell­wach. Auch am Sams­tag­mittag halten er und einige seiner Kame­raden Löschschläuche in Rich­tung Halle, jedoch nicht, um Feuer zu löschen, son­dern weil der Bag­ger­fahrer damit anfängt, die Hal­lenwände ein­zureißen. Haf­felder und die anderen sind auf der Hut vor Brand­nes­tern, die in Kom­bi­na­tion mit fri­schem Sau­er­stoff zu einem neuen Brand führen könnten. Das Dämmma­te­rial beäugen sie dabei mit beson­derer Auf­merk­sam­keit.