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Altes Stauwehr vom Wildwuchs befreit

Roigheimvon Walter Schmid, HSt

Die Roig­heimer Feu­er­wehr ist offen­sicht­lich uni­ver­sell ein­setzbar. Sie ist Freund und Helfer wenn Gefahr droht oder das Unglück bereits zuge­schlagen hat. Zum Schutz des Lebens, und zum Erhalt von Hab und Gut. Auch für den Erhalt von dörfli­chem Kul­turgut kann die Feu­er­wehr wichtig sein. Diesmal war es ein kleines Was­ser­stau­wehr aus Sand­stein­qua­dern zwi­schen Seck­ach­fluss und Senn­feder Straße.

Seit gut 40 Jahren ist es zuge­wachsen, ver­gam­melt, ver­fallen. Nur die älteren Roig­heimer erin­nern sich noch an dieses his­to­ri­sche Zeugnis. Man ent­deckt die Zahl 1899 ein­ge­mei­selt. In dieser Zeit liegen auch die Anfänge der Roig­heimer Gips­pro­duk­tion.

Chronik Wenn man der Orts­chronik jedoch Glauben schenkt, geht die Geschichte eines Was­ser­gra­bens ent­lang der Talaue, bis in die Anfänge des 16. Jahr­hun­derts zurück. An einem Mühlen­wehr wurde Wasser in einen circa vier Meter über dem Seck­ach­ni­veau lie­genden Graben gelenkt und einige Kilo­meter Rich­tung Möckmühl geführt. Mit dem Wasser konnten die Bauern in Tro­cken­zeiten durch Jahr­hun­derte ihre Wiesen in der Seck­ach­t­alaue fluten.

Wässe­rungs­rechte aus dem Jahr 1513 regelten, wann wer wie lange Wasser abzweigen durfte und wie viel er dem Müller bezahlen musste, der den Was­ser­zu­fluss zu garan­tieren hatte.

Um die Jahr­hun­dert­wende wurde genau an diesem Was­ser­graben das Gips­werk auf­ge­baut. Man benötigte eine Ener­gie­quelle zum Betrieb des Gips­mahl­werks und den Betriebs­strom. Also wurde der Was­ser­graben sozu­sagen bedarfs­ge­recht auf­be­reitet. Der Was­ser­lauf wurde teil­weise befes­tigt, teils in Röhren ver­legt, dazu oben genanntes Zwi­schen-Stand­wehr ein­ge­baut. Damit konnte die Was­ser­menge für das Was­serrad und die spätere Tur­bine im Gips­werk genauer dosiert werden oder gege­be­nen­falls ganz abge­stellt werden.

Ener­gie­quelle Eine ein­fache und zugleich ökolo­gisch nach­hal­tige Ener­gie­quelle für die junge Gips­in­dus­trie. Nachts und am Wochen­ende, wenn das Gips­werk still stand, wurde das Wasser ein­fach wei­ter­ge­leitet in das uralte Gra­ben­system zur Unterstützung der Land­wirt­schaft in der Talaue. Anfang der 70er Jahre hat das Gips­werk geschlossen. Der Was­ser­graben wurde inner­orts zugeschüttet. Das kleine Stau­wehr der Natur überg­eben. Die Wiesen der Talaue gepflügt, maschi­nen­hin­der­liche quer ver­lau­fende Wässe­rungskanäle ein­ge­ebnet.

Der jahr­hun­der­te­alte längs der Straße nach Möckmühl ver­lau­fende Was­ser­graben ist jedoch bis heute da und dort noch deut­lich erkennbar. Es wäre sicher über­le­gens­wert, der Hei­mat­verein Roig­heim würde sich diesem Teil der örtli­chen Kultur annehmen und es auch der heu­tigen Gene­ra­tion wieder zugänglich machen.

Man erkennt unschwer, wie intel­li­gent, umsichtig, weit­sichtig und vor allem ökolo­gisch nach­haltig sich frühere Gene­ra­tionen bereits orga­ni­siert haben.

Bild: Feu­er­wehr­mann Bernd Eng­lert befreit zusammen mit seinen Kame­raden das kleine Gemäuer von Gestrüpp. Anhand des Stau­wehrs lässt sich die Geschichte des kleinen Ortes ablesen. (Foto: Walter Schmid)