QR-Code zur Seite

Verheerender Brand in Backnang - Acht Tote

Acht Angehörige einer Großfamilie sind bei einer Brand­ka­ta­strophe im schwäbischen Back­nang gestorben. Bei den Opfern han­dele es sich nach ersten Erkennt­nissen um eine 40 Jahre alte Mutter türki­scher Her­kunft und sieben ihrer zehn Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren, sagte ein Poli­zei­spre­cher. Die Lei­chen seien im ersten Ober­ge­schoss eines Gebäude­kom­plexes gefunden worden. Dort war das Feuer in der Nacht zu Sonntag aus­ge­bro­chen. Grund sei mögli­cher­weise ein defekter Holz­ofen. Die Polizei hatte keine Hin­weise auf einen frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund. Drei Men­schen - ver­mut­lich ein elf Jahre alter Sohn, dessen Onkel und Großmutter - konnten die Ein­satzkräfte von einer Art Balkon retten. Sie kamen in Kran­kenhäuser. Retter betreuten rund 50 Fami­li­en­angehörige und Bekannte. Der Vater der Kinder war laut Polizei zum Zeit­punkt des Unglücks nicht in dem Gebäude. Zwei Töchter seien bereits von zu Hause aus­ge­zogen gewesen. Der türki­sche Bot­schafter in Deutsch­land, Hüseyin Avni Kars­lioglu, kam mit Baden-Württem­bergs Minis­terpräsident Win­fried Kret­sch­mann (Grüne) zum Unglücksort. Der Regie­rungs­chef sagte: Wir sind sehr betroffen und erschüttert ange­sichts dieser Kata­strophe, die diese große Familie und unser Land heim­ge­sucht hat. Ich will allen Angehörigen und der ganzen türki­schen Gemeinde mein herz­li­ches Bei­lied auch im Namen der baden-württem­ber­gi­schen Lan­des­re­gie­rung und des baden-württem­ber­gi­schen Volkes aus­spre­chen. Die Tragödie erin­nere ihn an den Brand in einer Behin­der­ten­werk­statt in Titisee-Neu­stadt, bei dem Ende November 14 Men­schen gestorben waren.

Der türki­sche Gene­ral­konsul in Stutt­gart, Mus­tafa Türker Ari, und Baden-Württem­bergs Innen­mi­nister Rein­hold Gall (SPD) kamen auch nach Back­nang, das in der Nähe von Stutt­gart liegt. Gall sagte: Die Ret­tungskräfte haben getan, was sie tun konnten. Den­noch gingen sie mit dem Gefühl nach Hause, nicht allen geholfen haben zu können. Der Brand war in einem Häuser­kom­plex aus­ge­bro­chen. Die Flammen erfassten vom ersten Ober­ge­schoss aus schnell die Etage darüber. Nach ersten Angaben starben die Opfer im Schlaf- und Kin­der­zimmer an Rauch­ver­gif­tungen und ver­brannten dann. Wir gehen davon aus, dass die Familie im Schlaf über­rascht wurde, sagte der Poli­zei­spre­cher. Die genaue Ursache für das Feuer war zunächst unklar. Infrage kommt laut Polizei ein tech­ni­scher Defekt an dem Ofen. Denkbar seien aber auch andere Auslöser. Der Spre­cher betonte, Hin­weise auf einen ausländer­feind­li­chen Anschlag oder Brand­stif­tung gebe es nicht. Die Ermitt­lungen in diesem Zusam­men­hang dauern mit Sicher­heit noch einige Tage, wenn nicht Wochen, teilten Staats­an­walt­schaft und Polizei mit. Der Sach­schaden ist min­des­tens sechs­stellig. Kret­sch­mann im schwarzen Anzug mit dunkler Kra­watte warnte vor Spe­ku­la­tionen: Wir wissen nichts Genaues. Nun sei abzu­warten, was die Fach­leute her­aus­finden.

Gegen 4.30 Uhr hatten ver­mut­lich Besu­cher einer benach­barten Disco die Ret­tungskräfte alar­miert. Beim Ein­treffen der Feu­er­wehr schlugen die Flammen schon aus den Fens­tern, berich­tete ein Spre­cher. Die Anlage ist eine frühere Leder­fa­brik und besteht aus meh­reren Gebäuden, die mit­ein­ander ver­bunden sind. 13 Men­schen waren in den beiden hauptsächlich betrof­fenen Woh­nungen gemeldet, sagte der Poli­zei­spre­cher. Rauch drang auch in andere Teile der Anlage. Wegen der kom­pli­zierten Bau­weise und viel ver­ar­bei­tetem Holz seien die Löschar­beiten kom­pli­ziert gewesen, erläuterte der Feu­er­wehr­spre­cher. Die Feu­er­wehr hatte Unterstützung aus umlie­genden Städten ange­for­dert. Ins­ge­samt waren mehr als 100 Ein­satzkräfte vor Ort. Erst am Vor­mittag war das Feuer gelöscht. Bis die Lei­chen aus dem Haus trans­por­tiert werden konnten, ver­gingen wei­tere Stunden. Der Oberbürger­meister der 36 000 Ein­wohner zählenden Stadt, Frank Nopper (CDU), sprach von einem tra­gi­schen Brand­er­eignis. Unsere tief emp­fun­dene Anteil­nahme gilt allen Angehörigen. Vor dem Anpfiff zum Bun­des­li­ga­spiel zwi­schen dem VfB Stutt­gart und dem Ham­burger SV wurde den Todes­op­fern der Kata­strophe mit einer Schwei­ge­mi­nute gedacht. Die Regie­rung in Ankara for­derte eine vollständige Unter­su­chung. Die Türkei sei in Trauer, schrieb der türki­sche Vize­re­gie­rungs­chef Bekir Bozdag über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twitter. Von Deutsch­land erwarten wir, den wahren Grund des Brandes ohne Platz für Zweifel auf­zuklären und der Öffent­lich­keit mit­zu­teilen, twit­terte Bozdag. Im Unter­ge­schoss der Anlage mussten in der Nacht zwei Gaststätten eva­ku­iert werden, die bei Aus­bruch des Feuers noch gut besucht waren, wie der Feu­er­wehr­spre­cher berich­tete. Im Erd­ge­schoss des Gebäudes ist auch ein Deutsch-Türki­scher Kul­tur­verein unter­ge­bracht.

Bild: Die Anlage ist eine frühere Leder­fa­brik und besteht aus meh­reren Gebäuden, die mit­ein­ander ver­bunden sind. Foto­graf: 7aktuell.de/Oskar Eyb