QR-Code zur Seite

Sie kommen mit jeder Krise klar - Feuerwehr Bad Rappenau veranstaltet in der Mediclin-Kraichgau-Klinik Jahreshauptübung

Bad Rappenauvon Nicole Theuer - Heilbronner Stimme

Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag und das 365 Tage im Jahr: So sieht die Ein­satz­be­reit­schaft der Feu­er­wehr aus. Damit im Ernst­fall alles funk­tio­niert, wird den Ein­satzkräften einmal jährlich eine Hauptübung abver­langt. Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Bad Rap­penau hat ihre Schlag­kraft zusammen mit ihren Abtei­lungen Bad Rap­penau, Bab­stadt, Heins­heim und Wol­len­berg am Sams­tag­nach­mittag bei der Jah­res­hauptübung in der Mediclin-Kraichgau-Klinik unter Beweis gestellt. Das Sze­nario, das die Ver­ant­wort­li­chen um Kom­man­dant Felix Mann aus­ge­ar­beitet hatten, hatte es in sich. Dichter, beißender Qualm dringt aus einem Fenster im dritten Ober­ge­schoss, die Rauchsäule ist weit über das Kli­nik­dach hinweg zu sehen und weist den Ret­tern den Weg. Die Blau­lichter fla­ckern, die Mar­tinshörner sind an diesem ruhigen Nach­mittag weithin zu hören und sorgen für Auf­merk­sam­keit. „Zunächst sieht es so aus, als würde der Rauch aus dem Trep­pen­haus und dem Auf­zugs­schacht kommen“, erklärt Mann den Beob­ach­tern um Oberbürger­meister Sebas­tian Frei und Ver­wal­tungs­lei­terin Kira Schmid. Doch schon bei der ersten Erkun­dung stellt sich heraus, dass der Rauch aus einem Haus­wirt­schafts­raum kommt. Panik Kaum sind die ersten Retter ein­ge­troffen, stol­pert ihnen der rußver­schmierte Haus­tech­niker in die Arme. Seine Befra­gung steht an erster Stelle. Doch sie bringt die Ein­satzkräfte nicht weiter: In seiner Auf­re­gung macht der verstörte Mann fal­sche Angaben, die Zahl der zu Ret­tenden ist nicht richtig. „Nun folgt die zweite Phase der Erkun­dung in Fron­tal­an­sicht“, erläutert Kom­man­dant Mann den Beob­ach­tern. Die Ein­satzkräfte ent­de­cken ein gekipptes Fenster. Inzwi­schen hat sich der Rauch über das gesamte Stock­werk aus­ge­breitet, wie ein Blick ins Innere zeigt, der Phase drei mar­kiert. Der­weil treffen immer mehr Fahr­zeuge und Ein­satzkräfte ein, die Dreh­leiter aus­ge­fahren, was bei der räumli­chen Enge vor der Klinik Mil­li­me­ter­ar­beiter gleich­kommt. Fens­ter­sturz „In Phase vier folgt die Rund­um­an­sicht des Gebäudes“, weiß Mann. Seine Leute nehmen die Rückseite in Augen­schein. Dort steht auf einem Balkon ein auf­ge­regter Patient, der laut­stark ruft, dass ihm der Ret­tungsweg abge­schnitten sei und er des­halb er aus dem dritten Ober­ge­schoss springen möchte. Dass so etwas pas­sieren kann, haben die Ein­satzkräfte geahnt. Zwei Atem­schutzgeräteträger nahen mit dem Sprung­retter. „Alleine die Ausrüstung wiegt 20 Kilo­gramm, der Sprung­retter noch einmal 70 Kilo­gramm“, macht Mann deut­lich. Während der Sprung­retter in Posi­tion gebracht wird und Oliver Freyer, der den verängs­tigten Pati­enten mimt, eine 70 Kilo­gramm schwere Übungs­puppe hin­ein­wirft, gehen im Inneren des Gebäudes die Ret­tungs­ar­beiten weiter. Ein Rauch­ab­schluss wird ange­bracht, damit sich der Rauch nicht weiter aus­breitet. Zwei bewusst­lose Per­sonen, 70 Kilo­gramm schwere Puppen, werden her­aus­ge­tragen. Zwei Mit­glieder der Jugend­feu­er­wehr, die eben­falls ein­ge­schlos­sene Pati­enten mimen, werden über das vor dem Gebäude ste­hende Baugerüst gerettet. Herz­in­farkt Schweiß rinnt den Männern über die Gesichter, es ist schwül, die Luft ist sti­ckig und aus einem Laut­spre­cher dringen unablässig laute Geräusche. „Das machen wir, um den Stress­level, der bei einem sol­chen Ein­satz herrscht, zu simu­lieren“, erläutert Mann, der das Tun mit Argus­augen über­blickt. Plötzlich rücken wei­tere Atem­schutzgeräteträger nach. „Wir spielen jetzt ein Sze­nario, dass ein Feu­er­wehr­mann einen Herz­in­farkt oder Kreis­lauf­kol­laps erlitten hat und gerettet werden muss.“ Am Ende haben die 42 Ein­satzkräfte alle ein­ge­schlos­senen Pati­enten gerettet und den Brand gelöscht. Der OB zieht ein Fazit: „Ich bin froh, dass wir eine so schlagkräftige Wehr haben, auf die wir uns jeder­zeit ver­lassen können“, zollt Sebas­tian Frei den Ret­tern Respekt.

Bilder: Nicole Theuer

Bild 1:

Mis­sion erfüllt: Die Ein­satzkräfte haben eine bewusst­lose Person gefunden und geborgen. Jetzt bringen sie den Ver­letzten aus dem ver­rauchten Gebäude.

Bild 2:

Auch damit müssen die Ein­satzkräfte umgehen können: Ein auf­dring­li­cher Reporter, gespielt von Felix Mann (braune Leder­jacke), will sofort Infor­ma­tionen und setzt die Feu­er­wehr­leute unter Druck.

Hinter den Kulissen

Die Mediclin-Kraichgau-Klinik verfügt über 199 Betten und ist der­zeit voll­be­legt. Das Sze­nario, das am Samstag geübt wurde, ist laut Kom­man­dant Felix Mann etwas über­zeichnet, aber rea­lis­tisch. „Wir hatten in den ver­gan­genen Jahren immer wieder Einsätze in den ver­schie­denen Kli­niken.“ Auch in der Mediclin-Klinik, wo ein durch­ge­schmorter Durch­laufkühler die Brandbekämpfer auf den Plan gerufen hat. Waren die Mit­glieder der Jugend­feu­er­wehr bei dieser Übung nur als Sta­tisten betei­ligt, so sind sie über­morgen, am Tag der Deut­schen Ein­heit, beim Maus-Türöffner-Tag voll gefor­dert. Kinder und Jugend­liche zwi­schen neun und 17 Jahren konnten sich für diese Ver­an­stal­tung anmelden und haben am Don­nerstag die Möglich­keit, die Tätig­keit bei der Feu­er­wehr ken­nen­zu­lernen. „Eigent­lich ist die Anmel­de­frist seit dem Wochen­ende vorbei, doch sollte der eine oder andere noch Lust haben, bei uns vor­bei­zu­kommen, schi­cken wir ihn sicher­lich nicht weg“, ver­spricht Mann. nit