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Mühsame Suche für die Retter

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Eigent­lich sind es nur ein paar Zif­fern an festem Bau­stoff wie Klink­erziegel oder Poren­beton. Und den­noch bereiten feh­lende oder nicht sicht­bare Haus­num­mern an Gebäuden Ein­satzkräften in Notfällen immer wieder Pro­bleme.

„Für uns ist es All­tags­geschäft, dass wir her­um­fahren, weil Haus­num­mern fehlen“, stellt Heil­bronns Feu­er­wehr­chef Eber­hard Jochim fest. Er findet es sogar „erschre­ckend“, wie sorglos Bürger bei der Kenn­zeich­nung ihrer Gebäude sind. „Es sind maximal 50 Pro­zent der Häuser, an denen man von der Straße deut­lich die Haus­nummer sieht.“ Der Rest: ent­weder nicht vor­handen oder schwer bis gar nicht lesbar, da zum Bei­spiel nach­ge­wach­sene Büsche und Bäume die Zahlen ver­de­cken. Und auch wenn freie Grundstücke zwi­schen den Häusern liegen, sei es schwer, die rich­tige Nummer zu bestimmen.

Bei Bränden sei es nicht das große Pro­blem, weil Rauch sichtbar ist. Aber: Wenn eine Tür geöffnet werden muss, weil ein Mensch in Not in der Woh­nung liegt, sei es kri­tisch. „Das kann schon einige Minuten zusätzlich dauern, wenn man wieder drehen muss“, sagt Jochim - da es Mit­tel­streifen, Ein­bahn­straßen oder enge Straßen gebe, in denen Ein­satz­fahr­zeuge nicht ein­fach wenden können. Umge­kehrt würden manche Bürger sich dann aber beschweren, dass es „zu lang gedauert hat“.

Tickende Uhr

Auch Heil­bronns Poli­zei­re­vier­chef Thomas Nürnberger kann nur appel­lieren, dass Haus­be­sitzer auf gut erkenn­bare Haus­num­mern achten. „Das ist ganz wichtig.“ Wenn es zum Bei­spiel zu Miss­hand­lungen oder Körper­ver­let­zungen komme, „tickt die Uhr“. Wenn dann Haus­nummer oder Namens­schilder fehlten, müssen die Poli­zisten im Umfeld mühsam her­aus­finden, wo genau der Tatort ist. Dies könne sogar dazu führen, dass man nachts Unbe­tei­ligte „aus dem Schlaf klin­geln muss“, ver­deut­licht Nürnberger - weil man ja in tiefer Nacht keine Pas­santen auf der Straße fragen könne. Und: Je nach Not­fall könne eine solche Verzögerung dra­ma­ti­sche Folgen für ein Opfer haben, mahnt er. Als „Basis­in­for­ma­tion“ stuft er die klare Kenn­zeich­nung der eigenen vier Wände ein.

Navi-Skepsis

Dass Haus­num­mern aus­ge­rechnet auf der straßenab­ge­wandten Seite ange­bracht sind, hat der Ret­tungs­dienst schon öfter erlebt. „Es ist ein Pro­blem“, sagt DRK-Ret­tungs­dienst­leiter Markus Stahl. Aber: Er hat den Ein­druck, dass sich in Stadt- und Land­kreis eine Bes­se­rung ein­stellt. Früher habe es flächen­haft kleine Blech­schilder gegeben, auf denen die Num­mern ver­blassten. Heute gebe es oft große, 15 bis 20 Zen­ti­meter hohe Num­mern. Ob es Unter­schiede zwi­schen Stadt- und Land­kreis gibt, kann er nicht beur­teilen. Aber: In engen Straßen mit großen Mehr­fa­mi­lienhäusern sei die Suche oft schwierig; und bei Ein­fa­mi­lienhäusern seien Schilder häufig durch Pflanzen ver­deckt.

Der Ret­tungs­dienst ver­sucht gegen­zu­steuern, mit amt­li­chen Daten, die über die Leit­stelle haustürgenau auf das Navi der Ein­satz­fahr­zeuge auf­ge­spielt werden. „Die Hälfte der Fahr­zeuge“, sagt Stahl, „ist damit aus­ge­stattet“. Das helfe weiter.

Bei der Heil­bronner Feu­er­wehr sind nur etwa fünf Pro­zent der Fahr­zeuge mit modernem Navi ausgerüstet. Überar­bei­tete Straßenbücher sind sonst mit an Bord. Wehr­chef Jochim will sich auch nicht allein auf Navi­ga­ti­onsgeräte ver­lassen. „Das Navi gibt nie den kürzesten, intel­li­gen­testen Weg in einer Stadt an“, sagt er. „Sie fahren damit nie optimal.“ Dies könne dann durchaus „einige Kilo­meter“ Umweg bedeuten.

Nummer ist Pflicht

Wie die Stadt Heil­bronn mit­teilt, ist es nach dem Bau­ge­setz­buch die Pflicht eines Eigentümers, sein Grundstück mit der von der Gemeinde fest­ge­setzten Haus­nummer zu ver­sehen. Die Num­mern müssen von der Straße gut lesbar sein, unle­ser­liche Num­mern müssen erneuert werden. Stellt die Ver­wal­tung Mängel fest, wird der Besitzer ange­schrieben. Bei Nicht­be­ach­tung könnten theo­re­tisch 20 Euro Ver­warn­geld verhängt werden. Bisher war dies in Heil­bronn noch nicht nötig – alle reagierten.

Bild 1: Wo ist hier die Haus­nummer? Regelmäßig fahren Ein­satzkräfte am rich­tigen Ort vorbei, weil die Kenn­zeich­nung der Häuser schlecht ist oder sogar ganz fehlt.

Bild 2: Unüber­sehbar: Ein guter Farb­kon­trast hilft Ret­tungskräften, den Ein­satzort ohne Pro­bleme zu finden.

Fotos: Andreas Veigel, HSt