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Mangelnder Rückhalt wirkt demotivierend

Leingartenvon Claudia Kostner, HSt

Wenn es um die Pläne fürs neue Feu­er­wehr­haus geht, wird es brenzlig in Lein­garten. Feu­er­wehr und Gemein­derat sind sich uneins. Kom­man­dant Rouven Leib­brand im Inter­view.

Erst die unglückliche Stand­ort­dis­kus­sion und jetzt der Beschluss für die Aus­lo­bung des Archi­tek­ten­wett­be­werbs mit kurz­fristig wei­teren Flächenkürzungen: Wenn es um die Pläne fürs neue Feu­er­wehr­haus geht, wird es brenzlig in Lein­garten. Das Verhältnis zwi­schen Ver­wal­tung und Gemein­derat auf der einen und Feu­er­wehr auf der anderen Seite ist − gelinde gesagt − getrübt. Unsere Zei­tung sprach mit Kom­man­dant Rouven Leib­brand über die aktu­elle Situa­tion und darüber, wie es wei­ter­gehen kann.

Herr Leib­brand, wie viele schlaf­lose Nächte hat Sie das Thema Feu­er­wehr­haus schon gekostet?

Rouven Leib­brand: Das letzte Jahr war feu­er­wehr­tech­nisch für mich extrem anstren­gend. Vom Erstellen des Feu­er­wehr­be­darfs­plans bis hin zu vielen Gesprächen habe ich viel Herz­blut inves­tiert. Dann kam die Stand­ort­dis­kus­sion. Und das alles zusätzlich im Ehrenamt zu meinem Voll­zeitjob bei Bosch. Irgend­wann habe ich meine Emo­tionen raus­ge­nommen. Ich habe mir abgewöhnt, wegen der Feu­er­wehr schlaf­lose Nächte zu haben.

Im Herbst hat der Gemein­derat für den Neubau an der L1105 am Nord­heimer Kreisel gestimmt. Von sieben unter­suchten Stand­orten standen nur noch dieser und der Bike­park zur Wahl. Warum haben Sie sich für keinen der beiden aus­ge­spro­chen?

Leib­brand: Wir waren schon immer für unseren aktu­ellen Standort Südstraße. Nur hier und beim Kul­tur­zen­trum hätte ein Neubau bezüglich der Ein­treff­zeiten am Ein­satzort und der Wohn­orte der Kame­raden Sinn gemacht. Das und den von uns zuvor selbst aus­ge­ar­bei­teten Feu­er­wehr­be­darfs­plan hat der von der Ver­wal­tung hin­zu­ge­zo­gene Experte Sebas­tian Fischer übri­gens 1:1 bestätigt. Wenn es Pro­bleme gibt, soll später nie­mand sagen können, die Feu­er­wehr wäre für den jetzt gewählten Standort gewesen.

Lein­garten ist eine beliebte Wohn­ge­meinde. Was, wenn neue Bau­ge­biete dazu­kommen?

Leib­brand: Auch in der Südstraße sind wir schon jetzt an der Grenze der Ein­treff­zeit, was Schluch­tern angeht. Mit einem Feu­er­wehr­haus am Nord­heimer Kreisel wird sich das nicht ver­bes­sern. Ich hoffe nicht, dass die Frage nach einem zweiten Feu­er­wehr­standort auf­kommt, wenn Lein­garten weiter Rich­tung Westen wächst.

Es ist schwer nach­voll­ziehbar, dass der Gemein­derat die Argu­mente der Feu­er­wehr so über­geht.

Leib­brand: Wir hätten uns gewünscht, in einem Arbeits­kreis aus Feu­er­wehr, Ver­wal­tung und Ver­tre­tern der Frak­tionen alle Möglich­keiten zu beleuchten. Statt­dessen wurde der Standort einer sicher­heits­kri­ti­schen Infra­struktur in drei Rats­sit­zungen ent­schieden.

Bei der aktu­ellen Debatte um den Flächen­be­darf gab es solche Treffen?

Leib­brand: Der Bau­aus­schuss der Feu­er­wehr hat sich zwi­schen Weih­nachten und Neu­jahr zusam­men­ge­setzt, andere Feu­er­wehr­neu­bauten besich­tigt und ver­sucht, in der Pla­nung das Opti­male für die nächsten 30 bis 50 Jahre aus­zu­ar­beiten. Das Ergebnis war ein anderes als das vom Büro Riemer, das bei seiner Stand­ort­ana­lyse mit Flächen des von ihm gebauten Feu­er­wehr­hauses Ell­bachtal in Ell­hofen geplant hatte. Auch die Kosten werden höher sein. Im Februar haben wir mit Ver­wal­tung und Frak­ti­ons­ver­tre­tern Punkt für Punkt der Leis­tungs­be­schrei­bung für den Archi­tek­ten­wett­be­werb erar­beitet und einen Kom­pro­miss gefunden, mit dem wir leben könnten. Auch wenn wir aus meiner Sicht schon wieder zu stückwerken anfangen.

Der CDU-Antrag in der April-Sit­zung auf wei­tere Flächen­re­du­zie­rung, der im Gre­mium eine knappe Mehr­heit fand, kam über­ra­schend?

Leib­brand: Wir hatten ja schon viel gestri­chen. Jetzt sieht es so aus, dass im Neubau zum Bei­spiel die Lagerfläche nur noch 320 Qua­drat­meter groß ist plus Hoch­re­gal­lager, in dem nur selten gebrauchtes Mate­rial gela­gert werden kann. Aktuell haben wir auch 320 Qua­drat­meter. Ins­ge­samt hätte ich mir mehr Weit­sicht gewünscht. Und wer weiß, wenn die Kosten weiter steigen, was dann noch gestri­chen wird.

Haben Sie im ver­gan­genen Jahr mal daran gedacht, alles hin­zu­werfen?

Leib­brand: Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich meine zweite Amts­pe­riode 2018 nie ange­treten. Mein persönli­cher Plan ist es, die großen Pro­jekte noch durch­zu­ziehen und das Beste für die Feu­er­wehr und die Kame­raden raus­zu­holen. Auf Dauer muss aber ein neuer Mann/eine neue Frau, der oder die der Ver­wal­tung und dem Gemein­derat unvor­ein­ge­nommen begegnet, die Führung über­nehmen. Ehrenamt lebt von Enthu­si­asmus. Mein Enthu­si­asmus für die Feu­er­wehr ist ver­loren gegangen.

Und wie fühlen sich ihre Leute?

Leib­brand: Wenn man mit sol­chen Themen unnötig Energie ver­brennt, geht das auch an den Kame­raden nicht spurlos vorüber. Es ist eben etwas anderes, wenn man weiß, man hat 100 Pro­zent Rückhalt. Ein Stück weit macht sich Demo­ti­va­tion breit, aber wir werden des­halb nicht schlechter.

Zur Person

Rouven Leib­brand ist ver­hei­ratet und hat ein Kind. Seit 2013 leitet er die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Lein­garten, zuvor war er bereits fünf Jahre lang stell­ver­tre­tender Kom­man­dant. 2018 wurde er für eine zweite Amts­pe­riode gewählt. Der 36-Jährige arbeitet als Pro­jekt­leiter Steu­ergeräte-Soft­ware­ent­wick­lung bei der Firma Bosch in Abstatt. Die Lein­gar­tener Wehr hat der­zeit 69 Ein­satzkräfte und 15 Jugend­liche . Von einem neuen Feu­er­wehr­haus erhofft sich Leib­brand mehr Zulauf: „Wir sind in puncto Mit­glie­der­wer­bung momentan sehr defensiv unter­wegs. Dies liegt an den aktu­ellen Themen Feu­er­wehr­haus/Fahr­zeug­be­schaf­fungen und auch am Platz­mangel am aktu­ellen Standort. Wir werden dieses Thema künftig for­cieren.“ Auch eine Kin­der­feu­er­wehr ist geplant.