QR-Code zur Seite

Konzentration, auch wenn der Adrenalinpegel steigt

Landkreis Heilbronnvon Petra Müller-Kromer, HSt

„Wasser, marsch“, ruft der Güglinger Grup­penführer Jörg Koch. „Ah, das war ein Voll­strahl, kein Sprühstrahl.“ Marcel Vogt, einer der Schieds­richter bei der Leis­tungsprüfung der Land­kreis-Feu­er­wehren in Lein­garten, kreuzt den Fehler auf seiner Liste an. „Im bren­nenden Wohn­haus voller Rauch setzten wir Was­ser­nebel ein.“ Macht fünf Punkte Abzug.

Seinem Adler­blick ent­geht kein Patzer der 44 ange­mel­deten Gruppen, die sich auf rund 30 teil­neh­mende Abtei­lungen ver­teilen, wie Ober­schieds­richter Kurt Semen schätzt. Bei 123 Feu­er­wehr­ab­tei­lungen im Land­kreis Heil­bronn eine gute Reso­nanz, findet der Bad Fried­richs­haller. „Wir haben aktuell mehr als 4000 Aktive im Land­kreis Heil­bronn. So viele wie noch nie“, sagt Kreis­brand­meister Uwe Vogel.

An alles muss gedacht werden. Gerade auch, wenn der Adre­na­lin­pegel steigt. Fla­schen auf Dicht­heit prüfen, Lei­tungen richtig ver­legen, Befehle geben und befolgen, unter dem Zeit­druck der Übung nicht Rennen oder Springen: Auch das gibt Abzug, weil es die Unfall­ge­fahr erhöht.

Harte Arbeit

Kein Wunder, dass die Gruppen sich mona­te­lang auf die Prüfungen in den Kate­go­rien Bronze, Silber und Gold vor­be­reiten. „Leis­tungs­ab­zei­chen Bronze 2013 - 18 Wochen harte Arbeit“ haben sich die Lein­gar­tener Flo­ri­ansjünger auf die Rückseite ihrer T-Shirts dru­cken lassen. Dass „unent­schul­digt Fehlen (fünf Euro) oder Spre­chen während der Übung (ein Euro)“ die Kasse klin­geln ließen, zahlt sich dop­pelt aus.

Die Prüfung ist bestanden, 300 Euro liegen zum Feiern bereit. Platsch. Hoch spritzt das Wasser aus dem Trau­ben­bot­tich. Weil der Erfolg übermütig macht, landet man­cher Feu­erbekämpfer, von den Kame­raden zap­pelnd weg­ge­tragen, mit oder ohne Uni­form im Trog, der just noch fürs Löschen gebraucht wurde.

Einen Nei­gungs­termin haben Innen­mi­nister Rein­hold Gall und Eber­stadts Bürger­meister Timo Frey. Während der eine „gern da ist, wo die Farbe Rot ist“ juckt es den anderen fast in den Fin­gern, selbst zur Pumpe zu greifen. „Das Krib­beln ist enorm.“ Als Vor­sit­zender des Arbeits­kreises Feu­er­wehr vom Kreis­ver­band Heil­bronn und ehe­ma­liger Aktiver, weiß er: „Wenn man einmal vom Feu­er­wehr­virus infi­ziert ist, hört es nie mehr auf.“

Bild: Die Zeit ist knapp, Rennen dürfen die Flo­ri­ansjünger aus Weins­berg aber auch nicht. Das gibt Punkt­abzug, weil es die Unfall­ge­fahr erhöht. (Foto: Andreas Veigel)