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Kommandant: "Die Unsicherheit war am schlimmsten"

Talheimvon Alexander Klug, HSt

Der Kom­man­dant der Tal­heimer Feu­er­wehr, Markus Schüchtle, war mit seinen Feu­er­wehr­ka­me­raden nach einem Gift­un­fall rund um die Uhr an und in der Scho­zach im Ein­satz.

Tage­lang hielt die Che­mi­kalie in Grup­pen­bach, Scho­zach und Neckar die Men­schen in der Region in Atem. Tau­sende Fische ver­en­deten, die Folgen für die Gewässer sind noch nicht absehbar − Umwelt­verbände spre­chen davon, dass es Jahre dauern könnte, bis sich die Natur erholt.

Vor allem Feu­er­wehren aus Ils­feld und Tal­heim waren im Ein­satz, teil­weise rund um die Uhr. Im Gespräch mit der Stimme berichtet der Kom­man­dant der Tal­heimer Wehr, Markus Schüchtle, von ereig­nis­rei­chen Tagen.

Wie ist die Lage in der Scho­zach, Herr Schüchtle?

Markus Schüchtle: Es werden noch tote Fische gefunden und ein­ge­sam­melt. Manche Stellen in der Scho­zach sind drei Meter tief. Von dort kommen die Fische erst nach und nach an die Oberfläche.

Wel­ches Gefühl domi­niert, wenn Sie an die ver­gan­genen Tage denken?

Schüchtle: Es ist eine Mischung aus Erleich­te­rung und Ärger. Auf der einen Seite hätte es schlimmer kommen können, in dem beschädigten Behälter hätte noch Gif­ti­geres sein können. Auf der anderen Seite ist es bitter, wenn durch so etwas Tiere sterben und der Fluss geschädigt wird. Am schlimmsten war die Unge­wiss­heit.

Was meinen Sie?

Schüchtle: Nach dem Alarm am Vor­mittag sind wir am Don­nerstag dorthin gefahren, wo Spa­ziergänger Schaum und tote Fische gemeldet haben. Das haben wir so vor­ge­funden. Aber es war völlig unklar, um wel­chen Stoff es geht und wo er her­kommt. Auch, ob es für uns gefährlich ist, ins Wasser zu gehen.

Was haben Sie gemacht?

Schüchtle: Wir haben für Tal­heim Alarm ausgelöst, den Gerätewagen mit Mess­technik aus Lauffen und einen Fach­be­rater Chemie ange­for­dert, den Kreis­brand­meister alar­miert. Es wurden Proben genommen, es herrschte großes Rätse­l­raten. Leider hat nie­mand zu dem Zeit­punkt die Dimen­sion erkannt, zumal es Schaum auf der Scho­zach öfters gibt. Wären die Ergeb­nisse von Proben, die am Don­ners­tag­vor­mittag genommen wurden, schneller bekannt gewesen, hätte man den Großein­satz früher starten können. Was da schief gelaufen ist, weiß ich nicht.

Was waren vor allem die Schwie­rig­keiten dabei?

Schüchtle: Zum einen war es Don­ners­tag­nach­mittag gar nicht so ein­fach, ein Labor zu finden, das Proben unter­su­chen kann. Und, her­aus­zu­finden, ob die Belas­tung im Fluss zu- oder abnimmt. Als dann wenigs­tens klar war, dass Stoff und Kon­zen­tra­tion für Men­schen nicht gefährlich ist, haben wir beschlossen, das Fluss­wasser mit Wasser aus anderen Quellen zu verdünnen.

Wo bekommt man so viel Wasser her?

Schüchtle: Wir haben den Pächter des Tauch­stein­sees gefragt, ob wir Wasser aus ihm ent­nehmen dürfen. Die Ils­felder Kol­legen haben Wasser aus dem See im Stein­bruch gepumpt. Wasser stammte außerdem aus Grund­was­ser­pumpen, ein Regenrückhal­te­be­cken wurde teil­weise abge­lassen. Ziel war, die Schad­stoff­be­las­tung für die Ort­schaften flussabwärts zu redu­zieren.

Hat das funk­tio­niert?

Schüchtle: Soweit ich gehört habe, ja. Flussabwärts sollen einige Fische über­lebt haben. Aber die Belas­tung für die Kame­raden war hoch.

Wie sah die Belas­tung aus?

Schüchtle: Wir haben die Pumpak­tion die ganze Nacht auf­recht­erhalten und Schichten ein­ge­teilt. Manche Kame­raden haben Urlaub genommen. Da sind ein paar Tau­send Arbeits­stunden zusam­men­ge­kommen. Umso erfreu­li­cher, dass sich schnell Frei­wil­lige gefunden haben, die sich um Getränke und Stärkungen gekümmert haben.

Die Suche nach dem Ver­ur­sa­cher wirkt wie ein Krimi.

Schüchtle: So ähnlich war es auch. Als am Frei­tag­vor­mittag fest­stand, um wel­chen Stoff es sich han­delt, gab es auch Hin­weise, aus wel­chem Gebiet er kam. Die Polizei klin­gelte bei jedem Unter­nehmen. Frei­willig zuge­geben hat aber nie­mand etwas, jeder ein­zelne Kanal­de­ckel musste ange­hoben und immer wieder Proben genommen werden. Dabei waren alle im Ein­satz, von Feu­er­wehren und Polizei bis zu Land­ratsamt und Bauhöfen.

Wie kamen Sie auf die Spe­di­tion?

Schüchtle: Pläne der Kana­li­sa­tion wurden besorgt, sie führten auf den rich­tigen Weg. Den Beweis lie­ferte am Ende die Simu­la­tion am Frei­tag­abend. Da waren wir auf dem Fir­mengelände und haben Wasser aus dem Con­tainer laufen lassen und beob­achtet, wie es seinen Weg bis in den Bach findet.

Was hat der Ein­satz gekostet und wer bekommt die Rech­nung?

Schüchtle: Das ist noch nicht klar. Es geht ja nicht nur um die geleis­teten Stunden, son­dern auch um Ver­brauchs­stoffe wie Benzin für die Pumpen. Unser Ansprech­partner, was Kosten angeht, ist die Gemeinde. Wer am Ende eine Rech­nung bekommt, ist dann ihre Sache.