QR-Code zur Seite

Große Lücken im Brandschutz

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Helmut Buchholz und Thomas Dorn

Die Brand­ka­ta­strophe in Back­nang beschäftigt auch die Feu­er­wehren im Stadt- und Land­kreis Heil­bronn. Welche Lehren müssen aus der Feu­ers­brunst gezogen werden, die acht Men­schen eine Mutter und sieben ihrer zehn Kinder das Leben kos­tete? Noch ist nicht bekannt, was dort die Flammen ent­facht hat. In dem Miets­haus soll die Elek­trik marode gewesen sein, aber Heil­bronns Feu­er­wehr­kom­man­dant Eber­hard Jochim will sich an den Spe­ku­la­tionen nicht betei­ligen. Gleich­wohl nennt er am Rande der Jah­res­haupt­ver­samm­lung der Heil­bronner Feu­er­wehr am Frei­tag­abend in Neckar­gartach die Lücken, die im Brand­schutz klaffen, riesig. Zwar würden die Schutz­auf­lagen aus­rei­chen, die es für öffent­liche Gebäude gibt und die bei den vor­ge­schrie­benen regelmäßigen Brand­verhütungs­schauen auch kon­trol­liert werden sollen. Aller­dings würden nicht alle Kom­munen diese Vor­schriften ein­halten. Laut Jochim gibt es Gemeinden, die keine Brand­verhütungs­schau durchführen.

Turnus Uwe Vogel, Kreis­brand­meister im Land­kreis Heil­bronn, will das nicht bestätigen. Die Ver­wal­tungs­vor­schrift sehe in den Gemeinden einen fünfjährigen Turnus für Brand­verhütungs­schauen vor, und den ver­su­chen wir ein­zu­halten. Zuständig für den vor­beu­genden Brand­schutz sind die Unteren Ver­wal­tungsbehörden für die aller­meisten Land­kreis-Kom­munen ist das das Land­ratsamt. Per­ma­nent sei jemand von der Kreisbehörde in dieser Sache unter­wegs, ver­si­chert Vogel. Wir sind gut auf­ge­stellt.

Dass der vor­beu­gende Brand­schutz enorm wichtig ist, beweist allein schon die starke Zunahme der Brandfälle im Land­kreis Heil­bronn im ver­gan­genen Jahr. Der Kreis­brand­meister spricht von einer Zunahme der Risiken, gerade auch im Bereich der Betriebe und Lager­hallen, die immer größer und höher würden. Die Feu­er­wehren stoßen da an ihre Ein­satz­grenzen, so Vogel. Da wird dann der soge­nannte anlagen­tech­ni­sche Brand­schutz beson­ders wichtig. Vogel: Die Sprink­ler­an­lage muss es richten. Einig sind sich alle Fach­leute, dass es in Pri­vathäusern enorme Defi­zite in puncto Brand­schutz gibt. Zumin­dest in Back­nang hätten Rauch­melder geholfen, glaubt Vogel. Für außeror­dent­lich wichtig hält auch Rein­hold Gall, der baden-württem­ber­gi­sche Innen­mi­nister und Vor­sit­zende des Kreis­feu­er­wehr­ver­bandes Heil­bronn, das Thema. Wir müssen viel mehr infor­mieren, unter­streicht er in Neckar­west­heim.

Gall ver­weist auf den Gesetz­ent­wurf der grün-roten Lan­des­re­gie­rung, der in Kürze vor­ge­legt werde. Danach sollen Rauch­melder in Gebäuden Pflicht werden. Das wird kommen, ist der Ober­sulmer über­zeugt. Er spricht von einer Übergangs­frist für Alt­bauten. Aber irgend­wann, so der Minister, muss das dann jeder haben.

Bewusst­sein Eber­hard Jochim, der Chef der Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr, unterstützt die Initia­tive der Regie­rung. Aller­dings legt der erfah­rene Feu­er­wehr­mann den Finger noch in eine andere Wunde: Wir müssen mehr aufklären und Verständnis für den Brand­schutz wecken. Es man­gele am Bewusst­sein für die Not­wen­dig­keit. Und am Wissen, wie man sich im Not­fall zu ver­halten hat. Jochim: Es müsste bei den Leuten Klick machen, damit die es besser ver­stehen.