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Feuerwehrhaus wird in den Hang geschoben

Leingartenvon Claudia Kostner, HSt

Jetzt steht es fest: Archi­tekt Frank Heinz aus Wald­kirch wird an der Nord­heimer Straße in Lein­garten seinen städte­bau­lich aus­ge­fal­lenen Ent­wurf eines Feu­er­wehr­hauses ver­wirk­li­chen. Der Beschluss des Gemein­de­rats fiel ein­stimmig. Aller­dings hatte das Gre­mium auch keine Alter­na­tive. Das Büro Witt­foht aus Stutt­gart, gleich­wer­tiger Sieger des vor­aus­ge­gan­genen Archi­tek­ten­wett­be­werbs, hatte sich mitt­ler­weile „aus­ge­klinkt“, wie es Arne Fentz­loff for­mu­lierte, der für die Betreuung des Ver­fah­rens zuständig war.

Bei der Ent­schei­dung der Jury Anfang Sep­tember hatten Heinz und Witt­foht Haus­auf­gaben bekommen: Ihre Pläne zu opti­mieren, um sich den Auf­trag zu sichern. „Kein Ent­wurf wird 1:1 so umge­setzt und gebaut“, so Bürger­meister Ralf Stein­brenner. „Ich darf daran erin­nern, dass im Rat­haus der Sit­zungs­saal in der ersten Etage vor­ge­sehen war, jetzt tagen wir in der dritten“, erin­nerte er die Bürger­ver­treter in der Sit­zung am Diens­tag­abend.

„Es war eine kom­plexe Auf­gabe, an diesem Hang mit beträcht­li­chem Gefälle ein kom­plexes Gebäude unter­zu­bringen“, blickte Archi­tekt Frank Heinz auf die Aus­gangs­lage zurück. „Es galt, den Funk­tionen, aber auch dem Land­schafts­raum gerecht zu werden.“

Nur eine Fas­sade Seine Lösung: Das Feu­er­wehr­haus wird „in den Hang hin­ein­ge­schoben“. Es gibt nur eine ein­zige, nach Norden aus­ge­rich­tete Fas­sade. Das Dach wird begrünt: „Wir lassen die Wiese drüber­laufen“, ver­an­schau­lichte der Planer. Son­nen­schutz wird überflüssig. Erdwärme ist Teil des ener­ge­ti­schen Kon­zepts. Die Haupt­zu­fahrt erfolgt über die Nord­heimer Straße. „Als abs­traktes Signet steht der Übungs­turm am Ende des Hofes.“, so Heinz

Die Jury, bestehend aus acht Fach­preis­rich­tern und sieben Ver­tre­tern von Ver­wal­tung, Gemein­derat und Feu­er­wehr, hatte der Archi­tekt mit diesem „über­ra­schenden, radi­kalen Kon­zept“ über­zeugt. Kritik gab es an den Funk­ti­onsabläufen. So seien etwa die Wege von den Umkleideräumen bis zur Fahr­zeug­halle für den Alarm­ein­satz zu weit. Die Ein­satz­zen­trale habe keinen direkten Bezug zur Fahr­zeug­halle, die Werk­zeug­halle sei zu weit davon ent­fernt. All das hat sich Frank Heinz zu Herzen genommen. Den Innenhof hat er ver­klei­nert, um Ent­fer­nungen ein­zelner Bereiche auch inner­halb des Gebäudes zu ver­rin­gern. Die Ein­satz­zen­trale und die Werk­statt hat er direkt an die Fahr­zeug­halle ver­setzt. Mit einem wei­teren Effekt: Es besteht jetzt die Möglich­keit, die Halle später einmal um zwei Stellplätze zu erwei­tern. „Die Arbeit wurde in ihrer Funk­tion wesent­lich ver­bes­sert und Teil­be­reiche der Kubatur redu­ziert“, fasste Arne Fentz­loff von den Stutt­garter Archi­tekten 109 zusammen. „Das ist ein guter Weg für die künftige Zusam­men­ar­beit.“

Zu wenig Tages­licht? „Aus Bürger­schaft und Feu­er­wehr habe ich gehört, dass es kri­tisch gesehen wird, wenn man so stark in den Hang hinein baut“, erklärte SPD-Spre­cher Wolf­gang Kret­sch­mann. „Ich möchte nicht tagsüber das Licht ein­schalten müssen“, ergänzte sein Frak­ti­ons­kol­lege und früherer Kom­man­dant André Göbl, lobte aber auch den ökolo­gi­schen Ansatz der Pla­nung. „Der Ent­wurfs­an­satz sagt, dass die Wiese überläuft. Und damit sind wir im Wett­be­werb ganz vorne gelandet“, ver­deut­lichte Frank Heinz, dass er an seiner Idee festhält. „Sonst würde etwas ganz anderes her­aus­kommen.“

Unein­ge­schränkte Zustim­mung gab es von den Grünen. „Der Ent­wurf gefällt mir sehr gut, wie er ins Gelände passt“, sagte Bri­gitte Wolf. „Das wird ein kleines Schmuckstück“, meinte Jürgen Brame. Die Archi­tektur ist auch nach dem Geschmack von Daniel Kiesow (FWV). „Die Abläufe wurden jetzt deut­lich ver­bes­sert“, freute sich der Feu­er­wehr­mann. Bedenken äußerte er wegen der mögli­chen Lärmbe­las­tung im Wohn­ge­biet, etwa bei Übungen. „Das wird eines der modernsten Feu­er­wehrhäuser im Land­kreis werden“, war CDU-Spre­cher Thomas Lan­des­vatter voller Vor­freude.
„Als abs­traktes Signet steht der Übungs­turm am Ende des Hofes.“