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Einmal Rettungsdienst spielen

von Steffen Heizereder, HSt

Es ist kurz nach 8 Uhr. Ein Anruf geht in der Not­ruf­zen­trale in Heil­bronn ein. Eine Frau meldet sich. Ihrem Mann sei schwin­delig, sagt sie. Er sei ver­wirrt, bei­nahe nicht ansprechbar. Von der Leit­stelle werden ein Ret­tungs­wagen und ein Not­arzt alar­miert. Sie fahren zu dem hilf­losen Mann nach Kirchardt.

Sze­nario Um einen echten Not­fall han­delt es sich nicht. Das Sze­nario ent­springt einem Com­pu­ter­pro­gramm, dem Leit­stel­len­si­mu­lator LstSim. Ent­wi­ckelt wurde das Pro­gramm von Serhan Sen, einem Stu­denten der Wirt­schafts­in­for­matik der Hoch­schule Heil­bronn.

Bei LstSim steuert der Spieler eine eigene Leit­stelle, er nimmt Not­rufe ent­gegen, schickt Kran­ken­wagen raus, alar­miert Polizei und Feu­er­wehr. Alles möglichst ori­ginal- und detail­ge­treu, ver­si­chert Ent­wickler Sen. Zusätzlich ver­wendet das Spiel einen Kar­ten­dienst, der die Routen der ein­ge­setzten Kran­ken­wagen dar­stellt. Ein Pro­totyp für den Simu­lator war schnell erstellt. Etwa einen Tag habe er dafür benötigt, erzählt Sen. Seit Juni 2010 kann jeder das Spiel im Internet kos­tenlos abrufen. „Es ist rea­lis­tisch, aber auch darauf aus­ge­legt, dass es Spaß macht“, sagt Sen. Der 23-Jährige hat bei der Pro­gram­mie­rung des Simu­la­tors eigene Erfah­rungen ein­ge­bracht. Nach seinem Abitur hat er ein Frei­wil­liges Soziales Jahr beim Arbeiter Sama­riter Bund (ASB) gemacht.

Ein­nahmen erzielt Sen nicht mit seinem Leit­stel­len­si­mu­lator. „Aus recht­li­chen Gründen ist es ein­fa­cher, wenn das Spiel nicht kom­mer­ziell ist“, erklärt er. Dass es das kos­ten­lose Pro­gramm gibt, hat sich schnell her­um­ge­spro­chen. Mitt­ler­weile sind jeden Monat mehr als 10 000 Spieler aktiv. Ein Erfolg, der auch Sen über­rascht. Vor allem in Ret­tungs­dienst­kreisen sei LstSim bekannt. „Ich habe zu keinem Zeit­punkt Wer­bung für das Spiel gemacht“, sagt der 23-Jährige.

Bau­kasten Die Spie­ler­ge­mein­schaft bringt sich in die Wei­ter­ent­wick­lung des Pro­gramms mit ein. Mit einer Art Bau­kasten können sie eigene Leit­stellen erstellen. So ent­stand auch ein ori­gi­nal­ge­treues Abbild der Inte­grierten Leit­stelle Heil­bronn. Doch dafür sei viel Recherche not­wendig, sagt Sen. Kran­kenhäuser, Arzt­praxen und Fahr­zeuge müssten zum Spiel hin­zugefügt werden. Ein­fach ist die Simu­la­tion nicht. „Für Ret­tungs­dienst­mit­ar­beiter ist es machbar“, sagt Sen. „Wenn man nichts mit dem Ret­tungs­dienst zu tun hat, wird es schwierig.“

Auch wenn der Simu­lator realitätsge­treu pro­gram­miert wurde: Die Arbeit in einer echten Leit­stelle ist wesent­lich kom­pli­zierter. Dort braucht man vor allem Men­schen­kenntnis und Erfah­rung, weiß Sen.

Bild: Auch die Inte­grierte Leit­stelle in Heil­bronn kann bei dem Leit­stel­len­si­mu­lator gespielt werden. Mit einer echten Leit­stelle ist er nicht ver­gleichbar. Foto: Archiv/Veigel