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Der zähe Kampf gegen die Flammen

Pfaffenhofenvon Jürgen Kümmerle, HSt

Seit Dienstag letzer Woche brennt es in einer Alt­holz­ver­wer­tungs­firma - seitdem ist die Feu­er­wehr nahezu im Dau­er­ein­satz. Der Kampf gegen die Flammen ist ungleich. Der Wind treibt das Feuer immer wieder an.

Der Kampf gegen die Flammen im Innern des Berges aus Holz­hack­schnit­zeln scheint hoff­nungslos zu sein. Und doch denken die Feu­er­wehr­leute nicht ans Auf­geben. Seit sechs Tagen sind sie in der Alt­holz­ver­wer­tungs­firma AKG in Pfaf­fen­hofen im Ein­satz.

Das Mate­rial hat sich offenbar selbst entzündet. Fir­men­chef Andreas Ach­auer findet für die Holz­hack­schnitzel keine Abnehmer mehr. Der Berg aus klein zer­hackten Schrankwänden, Tischen, Stühlen und sons­tigem hölzernen Sperrmüll ist auf rund 15 Meter ange­wachsen und stark ver­dichtet.

Mat­thias Fried, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Pfaf­fen­hofen, gibt die Hoff­nung nicht auf. Irgend­wann werden die frei­wil­ligen Feu­er­wehrmänner und -frauen den Kampf gewinnen. Gut gemeinte Rat­schläge von außen gebe es genügend. „Es ist nicht ohne Wei­teres möglich, das Feuer mit Wasser zu löschen.“ Der Was­ser­druck reiche nicht aus, um an die Brand­stelle im Innern des Berges zu gelangen.

Glutherde müssen gelöscht werden

Des­halb tragen seit Freitag vier Bagger die Holz­schnitzel Schicht für Schicht ab. Feu­er­wehr­leute löschen Glutherde. Es ist ein unglei­cher Kampf. Erschwe­rend komme hinzu, dass der Wind die Flammen in den Berg hinein treibe.

Fynn Rösinger wech­selt den Was­ser­schlauch.
Kom­man­dant Fried hat mitt­ler­weile die benach­barten Wehren aus Zaber­feld und Güglingen ange­for­dert. Die Feu­er­wehr­leute von dort unterstützen ihren Kame­raden aus Pfaf­fen­hofen. Der Kampf gegen das Feuer ist kräfte­zeh­rend.

Fynn Rösinger ist von Beginn an dabei. „In der ersten Nacht habe ich zwei Stunden geschlafen“, sagt der 17-Jährige von der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Pfaf­fen­hofen. Rösinger ist für die Löschwas­ser­ver­sor­gung am Fahr­zeug und für die Ver­pfle­gung der Kame­raden zuständig.

Gegen Müdig­keit hilft viel Kaffee

Seine Kame­radin Julia Issler (28) arbeitet direkt an seiner Seite zusammen. Die Maschi­nistin bei der Feu­er­wehr Pfaf­fen­hofen ist seit Dienstag täglich im Ein­satz und sorgt dafür, dass die Trupps mit Löschwasser ver­sorgt werden. Gegen die Müdig­keit helfe viel Kaffee. „Und die Kame­rad­schaft. Man hält zusammen.“

Die Kame­rad­schaft lobt auch Philipp Heinz. Der 25-Jährige ist unter anderem für den Atem­schutz zuständig. Heinz ist eben­falls seit Dienstag am Brandort. „Hin­setzen, aus­ruhen, ein biss­chen was trinken“ sagt er, sei sein Rezept gegen die Müdig­keit. Er macht sich fertig für den Löschein­satz am Berg.

„Wenn es sein muss, muss es sein. Man geht auch mal über die Schmerz­grenze hinaus“, sagt Johannes Stuber (30). Sein Arbeit­geber in Frei­berg habe ihn für den Ein­satz frei­ge­stellt. „Dieser Brand ist kein biss­chen Stan­dard-Pro­gramm. Vieles ist unge­wiss, man kann es nicht abschätzen“, sagt der Grup­penführer der Feu­er­wehr Pfaf­fen­hofen.

Marlon Fried wäre eigent­lich mit seinem Kame­raden Nico Haußmann mit dem Motorrad im Spes­sart unter­wegs. Den Urlaub haben sie abge­bro­chen. „Man hat auf dem Motorrad keinen klaren Kopf, wenn man gedank­lich bei der Brand­stelle ist“, sagt der 26-Jährige, der bei den Wehren Güglingen und Pfaf­fen­hofen aktiv ist. Für beide sei klar gewesen, dass sie ihre Kame­raden unterstützen.

Pla­nier­raupe kommt zum Ein­satz

Am Sonn­tag­nach­mittag dann ein Hoff­nungs­schimmer. Die Maßnahmen der Feu­er­wehr­leute greifen. „Es wird über­sicht­li­cher“, sagt AKG-Fir­men­chef Andreas Ach­auer. Für Sonn­tag­abend habe er eine große Pla­nier­raupe bestellt, die den Haupt­brand­herd auf einen Haufen schieben soll. „Es ist jetzt wichtig, dass es vorwärts geht. Für alle Betei­ligten.“

Rund 700 000 Liter Wasser seien bis ges­tern für Löschar­beiten benötigt worden. 120 000 Liter stammen aus einem Tank, der auf dem Fir­mengelände steht. Ein Großteil des Löschwas­sers kommt aus einem Brunnen. Große Tank­wagen und Schlepper trans­por­tieren das Wasser an den Brandort. „Der Vater eines Feu­er­wehr-Angehörigen fährt einen großen Traktor“, sagt Kom­man­dant Fried. Ein Weingärtner stelle eben­falls Fahr­zeuge zu Verfügung und fahre selbst mit. „Der Zuspruch und die Unterstützung aus der Bevölke­rung ist da.“

Wie kommt es zu einer Selbst­entzündung?

Wird brenn­bares Mate­rial stark ver­dichtet und mit aus­rei­chender, aber nicht zu starker Durchlüftung gela­gert, kann es zu einer Selbst­entzündung kommen. Grund hierfür sind Zer­set­zungs­pro­zesse, die zu einem starken Tem­pe­ra­tur­an­stieg im Innern des Mate­rials und schließlich zur Selbst­entzündung führen. Nach Feu­er­wehr­an­gaben hat das Land­ratsamt Heil­bronn die Luft um den Brandort gemessen. Die Rauch­gase seien für die Bevölke­rung unbe­denk­lich.