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Anne Schmidt - Die erste Frau an der Spitze einer Feuerwehrabteilung im Landkreis

Eppingenvon Nicole Theuer, HSt

Einen Gene­ra­tio­nen­wechsel haben die Mit­glieder der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Eppingen, Abtei­lung Mühlbach bei ihrer diesjährigen Gene­ral­ver­samm­lung voll­zogen. Nachdem Abtei­lungs­kom­man­dant Bernd Rei­mold nach 30 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl antrat, wählten die Ret­tungskräfte mit 35 von 37 abge­ge­benen Stimmen Anne Schmidt zur Abtei­lungs­kom­man­dantin. Neben Nicole Brauch, die bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Gun­dels­heim der Abtei­lung Böttingen vor­steht, ist Anne Schmidt die ein­zige Frau im Land­kreis in ver­ant­wort­li­cher Posi­tion bei einer Frei­wil­ligen Feu­er­wehr. „Es ist bei uns in der Stadt ein Novum, dass eine Frau an der Spitze einer Abtei­lung steht und es ist gut so“, freute sich Oberbürger­meister Klaus Holaschke im Gespräch mit der Kraichgau Stimme. „Anne Schmidt ist eine junge, trotzdem schon erfah­rene und äußerst enga­gierte Feu­er­wehr­frau, die das Feu­er­wehrgen quasi schon in die Wiege gelegt bekommen hat.“ Denn Vater Bernd war schon Abtei­lungs­kom­man­dant als die 29-jährige geboren worden ist. Dem Stadt­ober­haupt war die Freude über die Wahl seiner Mit­ar­bei­terin anzu­sehen. „Es ist ein wei­cher Übergang, die Stadt und die Bürger­schaft können wei­terhin auf die ver­trauten Kräfte bauen.“ Der Rat­haus­chef unter­streicht, wie wichtig ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment auch für die Stadt als Arbeit­geber ist. „Wir schauen bei Ein­stel­lungen immer auch, ob ein Bewerber sich ehren­amt­lich enga­giert, denn wir können nicht von den Betrieben ver­langen, dass sie gerade Feu­er­wehr­angehörige für Einsätze frei­stellen und selbst dieses Enga­ge­ment nicht unterstützen.“ Die Ver­wal­tung müsse in diesem Punkt Vor­bild sein. „Gerade das Enga­ge­ment bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr ver­langt den Enga­gierten viel ab, es ist ein Ehrenamt, das einen Tag und Nacht beschäftigt.“

Anne Schmidt, ihr Mann Alex­ander ist stell­ver­tre­tender Abtei­lungs­kom­man­dant in Elsenz und stell­ver­tre­tender Kom­man­dant der Gesamt­wehr, ist schon seit ihrer Jugend bei der Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tion enga­giert und beklei­dete viele Jahre das Amt als Stadt­ju­gend­feu­er­wehr­wartin. Seit 2015 fun­giert sie als 2. stell­ver­tre­tende Abtei­lungs­kom­man­dantin in Mühlbach. „Als ich damals gewählt worden bin, haben ich mich mit einigen jüngeren Kame­raden zusam­men­ge­setzt und wir haben uns über­legt, wie wir uns zukünftig ein­bringen können“, erzählt die junge Mutter. Denn, das war eigent­lich von vor­herein klar, sie soll einmal dem Vater ins Amt folgen. „Wir haben es bis­lang in Mühlbach so gehalten, dass der Posten des zweiten Stell­ver­tre­ters zur Ein­ar­bei­tung auf die Übergabe des Kom­man­dan­ten­amtes dient“, erzählt Schmidt, „denn das ist eine Posi­tion, bei der man eher im Hin­ter­grund arbeitet.“ Sascha Abendschön, 2017 in das Amt des 1. stell­ver­tre­tenden Abtei­lungs­kom­man­danten gewählt und bei der Gene­ral­ver­samm­lung als Rei­molds Nach­folger aus den Reihen der Wehr als Abtei­lungs­kom­man­dant vor­ge­schlagen, hatte schon im Vor­feld klar­ge­stellt, dass es nicht sein Ziel sei, Rei­mold zu beerben.

Den Vater zu beerben habe durchaus seinen Reiz, den Anne Schmidt vor allem in der Kame­rad­schaft bei der Feu­er­wehr sieht. Dass sie einer fast reinen Männer­ab­tei­lung vor­steht, sieht sie nicht als Pro­blem. „Es war für mich schon immer ein­fa­cher, mit Männer zusam­men­zu­ar­beiten, da gibt es weniger Pro­bleme und wenn es welche gibt, dann werden sie ange­spro­chen und ausgeräumt.“ Für Kom­man­dant Thomas Blösch ist die Wahl Schmidts rich­tungs­wei­send. „Natürlich sind wir stolz, dass sie das Amt über­nimmt und ich denke auch, dass es ein Ansporn für Frauen sein kann, sich bei der Feu­er­wehr zu enga­gieren.“ Auf die junge Abtei­lungs­kom­man­dantin warten große Auf­gaben, im Jahr 2022 steht die Ersatz­be­schaf­fung eines Löschfahr­zeugs, die im kom­menden Jahr auf den Weg gebracht werden soll an und das Feu­er­wehr­haus muss in abseh­barer Zeit umge­baut werden. „Wir benötigen vor allem einen Umbau für neue Umkleideräume, damit die Kame­raden sich nicht mehr nur unmit­telbar hinter einem Fahr­zeug in der kalten Fahr­zeug­halle umziehen müssen“, erklärte Anne Schmidt, „es müssen auch Duschmöglickeiten geschaffen werden.“ (nit)

Hin­ter­grund: Auch Kreis­brand­meister Uwe Vogel freute sich über die Wahl von Anne Schmidt. „Sie hat unsere vollste Unterstützung und wir freuen uns sehr, dass sie bereit ist, dieses Amt zu über­nehmen.“ Wie Blösch erhofft sich auch Vogel eine Signal­wir­kung. „Zwar ist der Frau­en­an­teil bei den Frei­wil­ligen Feu­er­wehr im Land­kreis in den letzten Jahren gestiegen“, hat er fest­ge­stellt, „aber 3.877 aktiven Männern standen Ende 2017 nur 270 aktive Frauen gegenüber, so dass der Frau­en­an­teil unter zehn Pro­zent liegt.“ Natürlich, so weiß Vogel, „ist die Tätig­keit anstren­gend und bringt gerade Frauen an die Grenzen der körper­li­chen Belast­bar­keit, aber bei den Frei­wil­ligen Feu­er­wehren haben wir, im Gegen­satz zu den Berufs­feu­er­wehren, die Möglich­keit, fle­xi­bler zu reagieren.

Foto: v.l.n.r.: OB Klaus Holaschke, Alex­ander Schmidt, Anne Schmidt, Bernd Rei­mold, Sascha Abendschön und Thomas Blösch.