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Hochwassereinsatz vom 20.3. bis 23.3.2002

Einsatz der Feuerwehr Bad FriedrichshallHochwasser am von Kurt Semen, Feuerwehr Bad Friedrichshall

Hoch­was­ser­schutz­wand hat Bewährungs­probe bestanden

Ergie­bige Regenfälle haben am Mitt­woch, den 20.3.2002 die Flüsse im Land Baden- Württem­berg erheb­lich anschwellen lassen. Bereits am Morgen zeich­nete sich ab, dass mit Über­schwem­mungen im Bereich des Neckars und Jagst, hauptsächlich aber am Kocher gerechnet werden muss.

Die erste Alarm­mel­dung über den an der Mühle Kochen­dorf instal­liertem Pegel erfolgt um 04.15 Uhr über Funk­te­lefon zum Kom­man­danten und zur Hoch­was­servor-her­sa­ge­zen­trale (HVZ) in Karls­ruhe. Das Wasser hatte am Pegel einen Stand von 5,5m, dies sind 1,5m über dem Normal- Was­ser­stand, erreicht.

Nach dem Hoch­was­ser­alarm­plan sind hier erste Vor­sor­gemaßnahmen erfor­der­lich. Es ist der Ver­schluss der kleinen Hoch­was­ser­schutz­wand bei der Mühle ein­zu­bringen und die Schütze im Ober- und Unter­wasser des Mühlka­nals bei der Mühle sind zu schließen.

Die nächste Alarm­mel­dung erfolgte um 10 Uhr. Die Kon­takte mit der HVZ führten zu dem Ergebnis, dass auf­grund der Nie­der­schläge und der Wet­ter­vor­her­sage mit einem größeren Hoch­wasser zu rechnen ist. Die errech­nete Pro­gnose der HVZ lag bei 8 m, dies sind ca. 1 m über dem Straßenni­veau bei der Mühle Schmid.

Die "kleine Schutz­mauer" ermöglicht einen Schutz vor der Über­flu­tung der Mühlstraße bis 90 cm über Straßenhöhe. Dazu müssen Reserven ein­ge­baut werden. Dies führte um 12 Uhr , nachdem das Wasser den Stand von 6,5 m erreicht hatte, zu der Ent­schei­dung die mobile Hoch­was­ser­schutz­wand zwi­schen Mühle Kochen­dorf und dem Klein­tierzüchter­heim auf­zu­bauen. Auf­grund der Vor­her­sage der HVZ sollte die Wand zunächst 2 m hoch auf­ge­baut werden. Dies ent­spricht einem Schutz bis zu einem Hoch­was­ser­stand von 9 m (149m NN). Dabei wären 1 m Reserve geblieben.

Um 14 Uhr begannen 8 Feu­er­wehr­leute und 8 Bau­be­triebs­hof­mit­ar­beiter mit dem Aufbau der Wand, um 16.30 Uhr war ein Schutz mit 2 m auf­ge­baut. Nach Fort­schrei­bung der Hoch­was­ser­pro­gnose durch die Hoch­was­ser­vor­her­sa­ge­zen­trale für die Mühle Kochen­dorf auf 8,7 m wurden die Damm­balken um 23 Uhr auf 2,35 m erhöht.

Der Anstieg des Was­ser­stands auf 9 m gegen 24 Uhr machten wei­tere Maßnahmen erfor­der­lich. Da damit gerechnet werden musste, dass die Wand über 2 m ein­ge­staut werden wird, mussten an den Stützen der mobilen Hoch­was­ser­schutz­wand Abstre-bungen ange­bracht werden. Gleich­zeitig wurden die Damm­balken auf eine Schutzhöhe von 4,5 m erhöht. Bauhof und Feu­er­wehr waren damit bis 8 Uhr des 21.3.2002 beschäftigt. Das Ansteigen des Was­sers machte auch not­wendig, die Ver­schlüsse in den Öffnungen der festen Hoch­was­ser­schutz­mauern am Schloss­park ein­zu­bringen. Mit Abschluss dieser Schutz­vor­sor­gemaßnahmen war der Orts­kern von Kochen­dorf bis zu einer Höhe von 151,5m NN geschützt. Das Weih­nachts­hoch­wasser 1993 erreichte einen Stand von 150,4 m NN.

Das Wasser erreicht um 12.00 Uhr am 21.3.2002 den Höchst­wert (Scheitel) mit einer Höhe von 9,5 m (149,5 NN). Die Wand war mit 2,5 m Höhe ein­ge­staut. Dies war seit Fer­tig­stel­lung der Baumaßnahme im November 1999 nach ins­ge­samt 7 Auf­bauten der höchste Stand.

Mit dem Aufbau der Wand wurde eine Über­flu­tung, die über den Markt­platz hin­aus­ge­gangen wäre, ver­mieden. Ver­gleichbar große Hoch­wasser waren 1931 (149,68 NN), 1956 (149,67 NN) und 1988 (149,3 NN).

Viele Bewohner des Unter­dorfs Kochen­dorf brachten ihre Dank­bar­keit zum Aus­druck, dass durch die Baumaßnahme der Stadt und den Ein­satz des Bau­be­triebs­hofs und der Feu­er­wehr ihre Häuser bei diesem Hoch­wasser tro­cken blieben. Das Hotel Schloss Lehen wurde vor Über­flu­tung geschützt. Dies war ins­be­son­ders auf die Abspun­dung um das Schloss zurückzuführen.

Feu­er­wehr und Bau­be­triebshof blieben der Auf­wand zum Aus­pumpen voll­ge­lau­fener Keller und das Rei­nigen von Straßen erspart.

Bis kurz vor Ein­tritt des Hoch­was­sers von der Rückseite des Klein­tierzüchter­heims wurde der Zugang zur Reit­halle offen gehalten. Die Reit­halle liegt außerhalb des Schutz­ge­biets und wird ab einer Was­serhöhe von ca. 9 m über­schwemmt. Schon recht­zeitig wurden nach Vor­gabe des Hoch­was­ser­ein­satz­plans der Rei­ter­verein ge-warnt und zur Räumung der Halle und der Gaststätte auf­ge­for­dert. Ein Großteil der Pferde wurde in eine von der Stadt dem Rei­ter­verein zur Verfügung gestellten Not­un­ter­kunft am Riedweg gebracht.

Weiter War­nungen waren im Bereich des Neckars not­wendig. Das Ver­eins­heim des Ver­eins für Deut­sche Schäfer­hunde musste geräumt werden. Es wurde der erhöhte Ver­eins­raum ca. 30 cm über­flutet.

Die Jagst in Unter­gries­heim brachte einen seit langem nicht mehr erreichten Was­ser­stand. Auch hier waren Vor­sor­gemaßnahmen durch Bereit­stel­lung und Ein­brin­gung von Sandsäcken not­wendig. Die Jagst­straße wurde über­flutet und musste gesperrt werden.

Die Über­flu­tung Bereiche der Hübsch- Jörgen- Sied­lung und der Ökoase wurde durch das recht­zei­tige Schließen des Wehrs in Hagen­bach ver­mieden. Der Fahr­berg (Neckar­ufer) in Jagst­feld und die Zufahrt zum Sali­nen­ge­biet wurden über­flutet und mussten gesperrt werden. Über­flutet und gesperrt wurden auch die Fußwege nach Unter­ei­sesheim, der Weg am Sali­ne­kanal nach Hagen­bach und der Radweg von Jagst­feld nach Heuch­lingen.

Die Bewährungs­probe hat auch das Pol­ter­pump­werk Kochen­dorf bestanden, wobei hier tech­ni­sche Pro­bleme auf­traten, wel­cher einer Lösung bedürfen. Die Pumpen mussten das hinter der Hoch­was­ser­schutz­wand durch die starken örtli­chen Nie­der­schläge in erheb­li­chen Mengen ange­fal­lene Wasser in das Hoch­wasser des Salinen-kanals drücken. Die Energie hierfür lie­fert ein von einem Die­sel­motor ange­trie­benes Strom­ag­gregat.

Sofort nach Rückgang des Hoch­was­sers wurden am Samstag die ver­schmutzten Straßen gerei­nigt und wieder für den Ver­kehr frei­ge­geben. Viele Ver­kehrs­teil­nehmer konnten es nicht erwarten bis die offi­zi­elle Frei­gabe erfolgte. Absper­rungen wurden ohne Rücksicht der Gefahr durch Ver­schmut­zungen und Rest­was­sers eigenmächtig zur Seite gestellt und nach erneuter Absper­rung wurde diese ein­fach igno­riert und die gesperrten Straßen befahren. Dadurch wurde auch das Rei­ni­gungs­per­sonal gefährdet. Erst die Zuzie­hung der Polizei brachte hier Ein­sicht, wobei auch gebühren­pflich­tige Ver­war­nungen aus­ge­spro­chen wurden.

Behin­de­rungen ergaben sich auch wieder durch die Igno­rie­rung der auf­ge­stellten Hal­te­ver­bots­schilder an den Zufahrts­straßen zum Mühlwörth. Die Pres­se­mit­tei­lungen über die Erstel­lung der Hoch­was­ser­schutz­wand führten ins­be­son­ders in den Abend- und Nacht­stunden zu Besich­ti­gungen von vielen Inter­es­sierten aus nah und fern. Solange die Wand ein­ge­staut war, musste diese aus Sicher­heitsgründen von der Feu­er­wehr mit Unterstützung des städt. Voll­zugs­dienstes und der Polizei ständig beauf­sich­tigt werden.