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Wir benötigen die Routine

Bad Rappenauvon Falk-Stéphane Dezort, Rhein-Neckar-Zeitung

Felix Mann, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bad Rap­penau, sieht sie Aus­set­zung des Übungs­be­triebs kri­tisch

Weniger soziale Kon­takte, keine Ver­an­stal­tungen und kein Trai­ning: Die neuen Corona-Ver­ord­nungen treffen nicht nur die unzähligen Ver­eine, die ihren Betrieb wie schon im Frühjahr nahezu kom­plett ein­stellen mussten. Auch die Frei­wil­ligen Feu­er­wehren sind vom „Lock­down light“ immens betroffen und sollten auf Emp­feh­lung des Innen­mi­nis­te­riums ihren Übungs­be­trieb aus­setzen. „Wir müssen von dem zehren, was wir erlangt haben“, sagt Felix Mann, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr in Bad Rap­penau. Doch bei den Brandbekämpfern geht es nicht um Punkte oder Preise in Wett­be­werben, son­dern im Ernst­fall um Leben und Tod. „Wir wollen die Bürger nicht verängs­tigen“, betont Mann im Gespräch mit der RNZ, aber: „Die Feu­er­wehr lebt von der Rou­tine. Die Abläufe müssen erhalten bleiben.“

Die Ein­schränkungen seien etwas, das ihn belaste, erklärt Mann. Man sei zwar leis­tungsfähig, doch es behin­dere die Arbeit der Ehren­amt­li­chen schon sehr. „Das Leben wird auch für uns kom­plexer“, ergänzt Ilja Woita­schek, der bei der Feu­er­wehr für die Öffent­lich­keits­ar­beit zuständig ist. Viele Geräte, wie eine Wärme­bild­ka­mera oder ein Multi-Gas-Messgerät, seien Dinge, „die uns das Leben leichter machen, bei denen wir aber auch wissen müssen, wie es funk­tio­niert“, sagt Woita­schek. Es gebe eine gewisse Detail­tiefe. Zudem würden die Kame­raden weitaus mehr belastet als noch vor ein paar Jahren. „Die Feu­er­wehr ist nicht nur Pumpe, Schlauch und Leiter“, betont Mann. „Es gibt viele dif­fi­zile Situa­tionen. Die Vor­stel­lung in den Köpfen der Men­schen ist rudi­mentär.“ Bei Einsätzen komme es manchmal auf Klei­nig­keiten an. Und für die ehren­amt­li­chen Ein­satzkräfte komme im Ernst­fall alles auf einen Schlag. Wenn „Schaulästige“ um einen herum stehen, erhöhe sich der Stress. Dann müsse trotzdem jeder Hand­griff sitzen. „Der Teufel steckt manchmal im Detail“, sagt Woita­schek. Und woher solle man wissen, wie gewisse Dinge funk­tio­nieren, wenn man es nicht geübt hat? Man­ches Werk­zeug benötige man Monate, sogar Jahre nicht. Den­noch müsse man damit umgehen können, wenn der Ernst­fall ein­tritt. „Wir benötigen die Übungs­rou­tine“, betont Kom­man­dant Mann. Im Nor­mal­fall müssen die Mit­glieder der kurstädti­schen Wehr im Jahr 40 Unter­richts­stunden besu­chen, um ihren Status „Trupp­mann“ nicht zu ver­lieren. Zwei bis drei Übungen stehen für gewöhnlich monat­lich auf dem Plan. Mann sieht es kri­tisch, die für ihn enorm wich­tigen Ver­an­stal­tungen ein­fach aus­zu­setzen. Für ihn wäre es falsch, wenn etwas, bei dem man in den Vor­jahren die Kame­raden angezählt hätte – nicht aus­rei­chend Übungs­stunden zu leisten – jetzt hin­nehmbar wäre

„Zehren geht nicht auf alle Zeit. Wir müssen andere Wege finden.“ Online-Unter­richt sei zwar schön und gut, doch es bringe wenig, wenn die Praxis auf der Strecke bleibe. Zuletzt habe man es mit Lehr­vi­deos pro­biert und eine Art Wett­be­werb daraus gemacht. Die besten Lehr­vi­deos wurden mit Preisen aus­ge­zeichnet. Doch die Zeit, die in einem sol­chen Video stecke, stünde in keinem Verhältnis zu dem, was am Ende an Wissen hängen bleibe. Zudem lebe die Feu­er­wehr auch von der Kol­le­gialität. „Die Umstel­lung auf Online ist möglich, aber nicht das, was die Leute suchen. Es ist kein Aus­gleich vom Beruf“, sagt Mann. Viele der Kame­raden seien ohnehin schon den ganzen Tag für ihre Arbeit am PC. Daher sei es verständlich, wenn sie das bei ihrem Hobby nicht auch noch wollten.

Wann die Frei­wil­lige Feu­er­wehr ihren Übungs­be­trieb wieder auf­nehmen kann, ist unklar. „Erst einmal bis auf Wei­teres“, sagt Woita­schek. Laut der Emp­feh­lung des Land­kreises Heil­bronn, der sie vom Innen­mi­nis­te­rium über­nommen hat, dürfen Aus­bil­dungen an Neu­fahr­zeugen oder neu­be­schafften Geräten, die kurz­fristig in den Ein­satz­dienst überführt werden sollen und Aus­bil­dungen, die unauf­schiebbar für die Ein­satz­be­reit­schaft der Feu­er­wehr erfor­der­lich sind und bereits begonnen wurden, wei­terhin statt­finden. In beiden Fällen ist ein strenges Hygie­ne­kon­zept anzu­wenden und zu doku­men­tieren.