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Wie funktioniert die Freiwillige Feuerwehr?

Bad Rappenauvon Elfie Hofmann, HSt

Wenn's brennt, kommt die Feu­er­wehr. Darauf ver­lassen sich die Men­schen, auch in Bad Rap­penau. Doch im Gegen­satz zu Heil­bronn, wo es eine Berufs­feu­er­wehr gibt, sind die Mit­glieder in der Kur­stadt frei­willig dabei. In unserer Serie „So funk­tio­niert das“ beleuchten wir die Arbeit der Helfer.

Weil die Feu­er­wehr in Bad Rap­penau aus Frei­wil­ligen besteht, bekommen sie kein Gehalt und fahren zu den Einsätzen in ihrer Frei­zeit oder während sie arbeiten. Sie lassen alles stehen und liegen, um so schnell wie möglich zum Ein­satzort zu kommen.

„Das ist oft ein Spagat“, erzählt Timo Hof­mann. Den pas­senden Moment, um auszurücken, gebe es selten. Wenn er gerade mit einem Kunden im Gespräch sei und sein Pager piept, muss er eigent­lich direkt los und alles stehen und liegen lassen. Das führe oft zu Irri­ta­tionen, obwohl auch Verständnis für die Situa­tion da sei. „Ich möchte den Kunden ja nicht ver­lieren, aber auch meinem Ehrenamt nach­kommen“, sagt Hof­mann.

Maximal zehn Minuten vom Alarm bis zum Ein­satzort

Höchs­tens zehn Minuten sollten zwi­schen Alarm und Ein­treffen am Ein­satzort liegen. Das klappe meis­tens, betont Felix Mann. Der Stadt­kom­man­dant der Bad Rap­pen­auer Feu­er­wehr übt diese Auf­gabe haupt­be­ruf­lich aus, wird wie die anderen Kame­raden auch nachts aus dem Bett geklin­gelt. Dann muss es schnell gehen: Im Feu­er­wehr­haus ziehen sich die Ein­satzkräfte um und besteigen die Fahr­zeuge. „Meis­tens schaffen wir alles inner­halb der vor­ge­ge­benen Zeit, manchmal sogar schneller“, sagt Mann.

Für das Pri­vat­leben bedeutet die frei­wil­lige Arbeit viele Ein­schränkungen. „Manchmal kann man sein Steak dann nicht mehr fertig grillen“, gibt Timo Hof­mann zu. Als seine Tochter vor einigen Wochen ihren Geburtstag fei­erte, ent­gingen ihm die Spare Ribs, die gerade durch waren. Statt­dessen fuhren er und zahl­reiche andere Kame­raden auf den Hof von Jörg Zim­mer­mann. Dort war in einem Heu­lager Feuer aus­ge­bro­chen, der Ein­satz dau­erte bis zum nächsten Tag.

Familiärer Rückhalt ist sehr wichtig

„Wenn man bei der Feu­er­wehr ist, braucht man auf jeden Fall einen starken Rückhalt und viel Verständnis inner­halb der Familie“, sagt Thomas Wachno. Nach zwei Ein­satznächten hin­ter­ein­ander merke man tagsüber, wie sehr der Schlaf fehlt. Immerhin: Seine Frau, die früher immer auf­ge­wacht sei, bekomme gar nicht mehr mit, wenn er ver­schwindet. „Meine schließt mir sogar noch die Tür auf“, erzählt Timo Hof­mann lachend und ein wenig stolz. „Sie ist ein Traum von einer Frau.“

Doch die Ein­satz­be­reit­schaft hat auch Grenzen. Nämlich dann, wenn eine neue Gefahr ent­stehen würde. „Die Kinder würde ich nie­mals alleine lassen“, so Hof­mann. Auch während der Arbeit gebe es Grenzen, ergänzt Wachno, der Brauer bei Häffner Bräu ist: „Wenn ich gerade abfülle, kann ich nicht weg.“

Fehl­alarme sind ärger­lich

Des­halb ist es um so ärger­li­cher, wenn die Männer und Frauen wegen eines Fehl­alarms ausrücken müssen, denn auch dann werden alle Abtei­lungen infor­miert. „Es werden 70 Leute benach­rich­tigt, die her rasen, um anderen zu helfen“, erklärt Felix Mann. Viele wüssten nicht, was sie auslösen, wenn sie wegen Klei­nig­keiten anrufen. Meis­tens stecke zwar keine Böswil­lig­keit dahinter, ärger­lich sei es aber trotzdem, wenn man inner­halb weniger Tage immer wieder an den glei­chen Ort gerufen werde, weil unachtsam mit einem Rauch­melder umge­gangen wird.

Doch bei allen Ein­schränkungen: Die Arbeit bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr berge viel Posi­tives. „Die Kame­rad­schaft und der Zusam­men­halt unter­ein­ander sind super“, sagt Thomas Wachno. Gemeinsam bewege man etwas und schütze seine Mit­men­schen. Auch für Arbeit­geber kann ein Feu­er­wehr­mann viele Vor­teile haben. „Sie haben dann gleich einen Brand­schutz­helfer vor Ort“, sagt Timo Hof­mann. Trotz aller Unplan­bar­keit ent­stehe für die Bürger Verlässlich­keit, so Mann. „Es ist unsere Pflicht, den Men­schen zu helfen und sie zu schützen.“

Die Feu­er­wehr ist keine Männerdomäne mehr

Bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr kann man bereits mit zehn Jahren ein­treten. In fast allen Orts­teilen der Kur­stadt gibt es eine Jugend­feu­er­wehr­ab­tei­lung. Ist man älter als 17 Jahre, besteht die Möglich­keit, bei den Ein­satz­ab­tei­lungen aktiv zu werden. Auch Quer­sein­steiger gibt es. Die meisten Kame­raden kommen aller­dings aus der eigenen Jugend, die im Moment 84 Mit­glieder hat. Auch Frauen können sich enga­gieren und die gleiche Arbeit ver­richten wie Männer. In Bad Rap­penau sind ins­ge­samt 20 weib­liche Feu­er­wehrkräfte aktiv.