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Wenn Einsatzfahrzeuge selbst in einem Unfall verwickelt sind

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Alexander Klug, HSt

Feu­er­wehr, DRK und Polizei berichten über ihre Erfah­rungen mit Ein­satz­fahr­zeugen, wenn diese mit Blau­licht unter­wegs sind. Auto­fahrer hätten oft Pro­bleme, richtig zu reagieren.

Wo nor­ma­ler­weise die Autos in den Tunnel bei Hölzern brausen, steht ein Ret­tungs­wagen auf der linken Spur der A81. Der Ver­kehr staut sich, neu­gie­rige Blicke auf meh­rere zer­beulte Autos. Denn das rot-weiß-gestreifte Fahr­zeug mit dem Blau­licht auf dem Dach ist nicht zum Unfall gerufen worden, um Ver­letzte zu retten, son­dern ist selbst Teil des Unfalls. Der Kotflügel liegt herum, der Ret­tungs­sanitäter im hin­teren Teil des Fahr­zeugs wurde schwer ver­letzt - er kümmerte sich um den Pati­enten und war nicht ange­schnallt.

Ein unacht­samer Spur­wechsel hatte zum Zusam­menstoß geführt, der Ret­tungs­wagen war ohne Mar­tins­horn und Blau­licht unter­wegs. Doch auch im Ein­satz geraten Helfer von Ret­tungs­diensten, Feu­er­wehr und Polizei oft in brenz­lige Situa­tionen.

Feu­er­wehr­leute repa­rieren klei­nere Schäden selbst

Klei­nere Rempler gebe es öfters, sagt der Spre­cher der Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr, Jürgen Vogt. „Vor allem mit unseren großen Fahr­zeugen bleiben wir schon ab und zu an einem Außenspiegel hängen.“ Das laufe über die Ver­si­che­rung. Um klei­nere Schäden an den Ein­satz­fahr­zeugen kümmere sich die Feu­er­wehr selbst. „Wir haben Karos­se­rie­bauer, Lackierer und KfZ-Mecha­niker in unseren Reihen“, sagt Vogt. In eine Auto­werk­statt müssten die Fahr­zeuge recht selten.

Es sei denn, es kracht ordent­lich: 2006 musste ein ton­nen­schwerer Auto­kran einem Pkw aus­wei­chen und stieß mit einem Laster zusammen. Im August prallte ein Kom­man­do­wagen auf der Allee auf ein anderes Auto und wurde schwer beschädigt. „Wir tasten uns im Ein­satz vor­sichtig in die Kreu­zung, aber manchmal funk­tio­niert es trotzdem nicht“, sagt Vogt. Ab und zu husche doch noch ein Auto­fahrer über die Kreu­zung, weil er denkt, es reicht noch vor der Feu­er­wehr, oder Fahrer reagierten in der Auf­re­gung nicht richtig und wei­chen nicht oder in die fal­sche Rich­tung aus. „Gele­gent­lich hört auch ein­fach jemand das Mar­tins­horn nicht, weil das Radio zu laut ist.“ Aber auch Feu­er­wehr­leute seien nicht frei von Feh­lern; vor allem, wenn es eng zugeht und viele andere Fahr­zeuge am Ein­satzort stehen. „Da unterschätzt man schon mal die Breite des eigenen Fahr­zeugs.“

Auch bei Unfällen auf Auto­bahnen spielen die beengten Verhältnisse eine Rolle. „Zumal die Ret­tungs­gasse oft nicht funk­tio­niert“, sagt Vogt. Zumal der 64 Fahr­zeuge zählende Fuhr­park der Heil­bronner Wehren auch Gefährte umfasst wie einen 48 Tonnen schweren und 2,50 Meter breiten Kran.

Mit Feh­lern der anderen rechnen

Von zahl­rei­chen Remp­lern beim Ran­gieren vor Kli­niken und Arzt­praxen berichtet Markus Stahl. Er ist Ret­tungs­dienst­leiter beim Heil­bronner Kreis­ver­band des Deut­schen Roten Kreuzes. Die Fahrer von Ret­tungs­wagen müssten im Ein­satz beson­ders vor­sichtig sein „und ständig mit den Feh­lern anderer Ver­kehrs­teil­nehmer rechnen“, wie er sagt. „Was für den Ret­tungs­wa­gen­fahrer an der Tages­ord­nung ist, ist für den Auto­fahrer eine Aus­nah­me­si­tua­tion.“

Und in der geht so man­ches schief: Sobald sich Blau­licht und Mar­tins­horn von hinten nähern, pas­sierten merkwürdige Dinge: „Eine ganze Reihe Autos weicht zu einer Seite aus, nur einer in die andere.“ Auch mit dem einen Auto­fahrer, der noch schnell vor dem Ein­satz­fahr­zeug über die Kreu­zung huscht, haben die DRK-Retter Erfah­rungen gesam­melt. „Beson­ders dreist ist aus meiner Sicht, wenn sich Auto­fahrer an den Ret­tungs­wagen hängen und durch die Ret­tungs­gasse fahren.“ Das sei zwar strafbar - im Ein­satz hätten die Helfer aber meis­tens anderes zu tun.

Wann mit Blau­licht gefahren werden darf

Fährt die Polizei mit Blau­licht und Mar­tins­horn zum Ein­satz, müssen die Beamten vor­sichtig zu Werke gehen. „Gefährlich sind vor allem Über­holmanöver, Kreu­zungen oder Einmündungen“, schreibt Frank Belz. Er ist Spre­cher des Poli­zeipräsidiums in Heil­bronn. Pro­ble­ma­tisch seien vor allem abge­lenkte oder unauf­merk­same andere Ver­kehrs­teil­nehmer. „In sol­chen Situa­tionen wird dann plötzlich abge­bremst, weil der Fahrer über­for­dert ist.“ Er ver­weist darauf, dass Blau­licht und Ein­satz­horn laut Straßenver­kehrs­ord­nung nur ver­wendet werden dürfen, wenn es um Men­schen­leben, schwere gesund­heit­liche Schäden, Gefahr für die öffent­liche Sicher­heit und Ord­nung, die Ver­fol­gung flüchtiger Per­sonen oder bedeu­tende Sach­werte geht.

Sicher­heit in den Fahr­zeugen

Beson­dere Gefahr droht Ret­tungs­sanitätern, die sich im hin­teren Teil des Fahr­zeugs um Pati­enten kümmern – wie beim Unfall auf der A81 an der Tun­nel­ein­fahrt bei Hölzern. Das Rote Kreuz ver­sucht, die Sicher­heit mit Neue­rungen in den Fahr­zeugen zu ver­bes­sern. So wird die Anord­nung der Bedienflächen so geändert, dass der Sanitäter nur möglichst kurze Zeit nicht ange­schnallt sein muss. Die jüngste Anschaf­fung sind Geräte zur mecha­ni­schen Reani­ma­tion von Pati­enten, die im ver­gan­genen Jahr ein­ge­baut worden sind. Polizei, Ret­tungs­dienst und Feu­er­wehr trai­nieren ihr Per­sonal regelmäßig für die beson­deren Her­aus­for­de­rungen und Risiken von Ein­satz­fahrten.