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Verpuffung im Chemiesaal

Schwaigernvon Stefanie Pfäffle, HSt

Es ist 8.58 Uhr: Die Sirene geht los, wird von einer Ansage unter­bro­chen: „Ach­tung, bewahren Sie Ruhe und gehen Sie schnellstmöglich und geordnet zur Ver­samm­lungsfläche vor die Sport­halle.“ So die Lage am Samstag in der Lein­tal­schule Schwai­gern. Natürlich bricht jetzt keine Panik aus, denn ers­tens sind nur rund 40 Schüler und Lehrer vor Ort, und zwei­tens ist es eine Übung der Feu­er­wehr. „Hier hat sich bau­lich viel getan, des­wegen ist es wichtig für uns, die räumliche Ori­en­tie­rung auf den neu­esten Stand zu bringen“, erläutert Kom­man­dant Jürgen Kachel die Hin­tergründe.

Eine samstägliche Übung in einer Schule − als an diesem Tag noch Unter­richt war, war das kein Pro­blem. „Viele Jahre haben es die Schulen dann kate­go­risch abge­lehnt, an einem Samstag für uns bereit­zu­stehen, aber das klappt jetzt wieder besser“, freut sich Pres­se­spre­cher Volker Lang. Die Lein­tal­schule hat es den Kin­dern und Jugend­li­chen frei­ge­stellt, ob sie heute erscheinen. „Wir sind schon ein biss­chen stolz darauf, dass so viele gekommen sind“, meint Rektor Man­fred Litz.

Schul­sanitäter Das Sze­nario: Eine Ver­puf­fung im Che­mie­saal, wodurch ein Brand aus­bricht, der das ganze Trep­pen­haus ver­raucht, so dass die Schüler diesen Fluchtweg nicht mehr nehmen können. Luisa (15) und Lara (14) sind eben­falls vor Ort, nicht als Opfer, son­dern in ihrer Rolle als Schul­sanitäter. „Ein biss­chen auf­ge­regt sind wir schon. Nor­ma­ler­weise sind wir ja auch wesent­lich mehr“, gibt Lara zu. Das Vor­han­den­sein eines Schul­sanitätsdienst, der mit­helfen kann, ist für Kachel die erste wich­tige Erkenntnis des Tages. Aber auch der Bau­zaun hinter der Schule erfor­dert zusätzliche Hand­griffe und even­tuell einen neuen Flucht­plan.

Punkt neun Uhr fangen die Alar­mie­rungsgeräte der Feu­er­wehr­leute an zu piepsen. Nur acht Minuten später trifft das erste Fahr­zeug ein, eine Minute später bereits der zweite Zug. Eine vor­bild­liche Zeit. „Die Vor­gabe lautet: Zehn Minuten nach Alar­mie­rung mit dem ersten Fahr­zeug am Ein­satzort zu sein, nach 15 Minuten mit dem zweiten“, erläutert Volker Lang.

In Win­des­eile stehen die ersten beiden Lei­tern. Ein­satzkräfte eilen hoch, befes­tigen Jugend­liche mit dem Seil zur Siche­rung, und dann geht es gemeinsam in Ruhe wieder nach unten. Für Erik ist das nichts Neues. Der 13-Jährige ist bei der Jugend­feu­er­wehr. „Weil ich später, wenn ich groß bin, auch mal Men­schen retten will“, begründet er das. Anna dagegen ist ganz nor­male Schülerin. „Es war schon ein komi­sches Gefühl, aber ich war sicher“, meint die Elfjährige.

Erst­ver­sor­gung Inzwi­schen ist auch die Dreh­leiter aus Eppingen vor Ort und beginnt mit der Ret­tung vom Dach. Atem­schutzträger holen die beiden bei der Ver­puf­fung stark ver­letzten Jugend­li­chen in den Schulhof. Die Erst­ver­sor­gung läuft. Über Funk ist plötzlich zu hören, dass sich im Keller beim Block­heiz­kraft­werk Hand­werker befinden müssen. Eine Extra-Auf­gabe für die Atem­schutzträger, die sich nun, mit Taschen­lampen aus­ge­stattet, in die Dun­kel­heit wagen. Auch hier werden Ver­letzte geborgen, aber diesmal sind es Puppen. Kurz nach 10 Uhr ist der ganze Spuk vorbei.

Die Aufräumar­beiten können beginnen. Kachel ist sehr zufrieden. „Es war eine Übung ins Blaue hinein, ohne große Abspra­chen, damit es rea­lis­ti­scher ist“, erklärt der Kom­man­dant. Zusam­men­ar­beit und Abläufe hätten gut geklappt. Im Echt­fall mit Hun­derten Schülern wären aller­dings wesent­lich mehr Per­sonal und auch Wasser vom Freibad und aus dem Lein­bach not­wendig, stellt er fest.

Fotos: Feu­er­wehr Schwai­gern