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Reale Belastung

Bad Rappenauvon Stefanie Päffle, HSt

Aus dem Alpen­land-Pflege- und Betreu­ungs­heim dröhnt der Feu­er­alarm. Nacht­wache Monja Lanze steht leicht nervös vor dem Ein­gang und wartet darauf, dass die Feu­er­wehr ankommt. „Ich muss denen sagen, wie viele Bewohner und Pfle­gekräfte ein­ge­sperrt sind“, erklärt sie. Das wurde ihr genau vor­ge­geben, denn der Alarm ist die Jah­res­hauptübung der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bad Rap­penau. „Ich finde das nicht schlecht, dass man so eine Situa­tion jetzt mal nicht nur auf dem Papier, son­dern in echt durch­spielt.“

Das Team um Kom­man­dant Felix Mann und seinen Stell­ver­treter Axel Klum­bach hat sich fol­gendes Sze­nario über­legt: In einem Haus­wirt­schafts­raum im Keller von Haus 1 ist ein Feuer aus­ge­bro­chen. Weil die Brand­schutztüren ver­stellt sind, ist das ganze Trep­pen­haus schnell ver­raucht, der Qualm zieht bis nach oben. Dort oben gibt es ebenso Per­sonen, die zu retten sind, wie im Keller. Und nicht alle sind gehfähig. „Wir haben in Bad Rap­penau viele Alten­heime und Kli­niken, die ein hohes Gefah­ren­po­ten­zial bergen. Des­wegen ist das für uns eine wich­tige Übung aber auch für die Ein­rich­tung, damit die sieht, ob ihre Brand­schutzpläne auch funk­tio­nieren“, erklärt Klum­bach.

Schu­lung Das sieht Pfle­ge­dienst­lei­terin Seyhan Kara­deniz genauso. „Wir hatten vor einer Woche eine Brand­schutz­hel­fer­schu­lung, letztes Jahr wurde unsere Brand­schutz­ver­ord­nung kom­plett erneuert – und es gab neue Brand­schutztüren. Jetzt können wir testen, ob das alles klappt“, erklärt sie. Bewusst wurde für die Übung das Haus 1 gewählt, der geschlos­sene Bereich der Ein­glie­de­rungs­hilfe. Hier sind psy­chisch kranke und sucht­kranke Men­schen unter­ge­bracht. Die wurden nicht vor­ge­warnt, weil sich man­cher dann viel­leicht zu sehr in eine Auf­re­gung hin­ein­ge­stei­gert hätte. „Die Übung ist im Keller, damit wir im Pfle­ge­be­reich ein so normal wie mögli­ches Tages­ge­schehen haben können“ sagt Kara­deniz.

Dort sitzen zwei alte Damen im Ein­gangs­be­reich und ertragen sto­isch den lauten Alarm. Inter­es­siert beob­achten sie das Geschehen, als der erste Trupp der Abtei­lung Bad Rap­penau ein­trifft. Sie werden von den Abtei­lungen Süd, Heins­heims Ein­satz­leit­wagen und Ober­gim­pern unterstützt. „Die Scha­dens­lage reicht nicht für alle, außerdem müssen wir ja auch Per­sonal für poten­zi­elle Real­einsätze vor­halten“, erklärt Klum­bach, warum nicht alle Wehr­leute dabei sind.

Dreh­leiter Hil­fe­ge­schrei tönt aus dem Ober­ge­schoss. Kurz zucken die Mit­ar­beiter zusammen, aber es sind nur Sta­tisten. Die Dreh­leiter ist auch schon da, und die zwei werden in Win­des­eile her­aus­ge­holt. Der Rest ist deut­lich kom­pli­zierter. Die Nebel­ma­schine hat ganze Arbeit geleistet, man sieht kaum die Hand vor Augen. Schreie der Ein­ge­schlos­senen sind zu hören, auch andere Geräusche eines echten Brandes werden ein­ge­spielt, um den Stress zu erhöhen. Ein Pro­blem: Für den geschlos­senen Bereich hat nur der Haus­meister die Schlüssel­ge­walt, und der wird bei diesem Ein­satz ordent­lich ins Schwitzen kommen. Ständig muss er hierhin und dorthin, um wieder eine Tür zu öffnen.

Schon länger sind die Ein­satzkräfte im Keller zugange, als end­lich einer auf die Idee kommt, den Rauch­abzug zu öffnen. „Das ist mal eine richtig gute Idee“, grinst der beob­ach­tende Kom­man­dant. „Natürlich werden hier tak­ti­sche und tech­ni­sche Fehler gemacht, aber die Leute sollen ja auch was mit­nehmen, aus dem sie lernen können“, meint Felix Mann. Trotzdem ist er mit der Leis­tung seiner Mann­schaft zufrieden. „Das Gebäude ist wirk­lich äußerst kom­plex, die Belas­tung war real.“ Wie aufs Stich­wort läuft ein schwit­zender Atem­schutzträger vorbei. „Die haben uns heute ganz schön gefor­dert“, stöhnt er.